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Fondshandel: Käuferstreik - nur Geldmarkt- und einige Nachhaltigkeitsfonds kommen gut an
23.10.23 12:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Auch im Fondshandel ist angesichts der vielen Belastungsfaktoren Zurückhaltung angesagt, so die Deutsche Börse AG.
"Krieg in Nahost, Inflation, hohe Zinsen, Rezession - das alles bereitet Sorgen und bremst jede Erholung aus", erkläre Jan Duisberg, der für die ICF Bank Fonds handele. Fondshändler Matthias Präger von der Baader Bank spreche mit Blick auf die geopolitischen Konflikte von "mieser Stimmung". "Die positiven Impulse fehlen einfach." Der DAX habe seit Mitte September rund 800 Punkte verloren, am letzten Donnerstag habe sich der Index nur knapp über der 15.000 Punkte-Marke gehalten.
Einzige klare Favoriten: Geldmarktfonds. "Wir sehen extrem hohe Umsätze auf der Kaufseite", berichte Präger. Gesetzt werde etwa auf den Aberdeen SLF Euro Fund und den Deutsche Institutional Money plus (ISIN LU0099730524 / WKN 986813).
Sehr hohe Umsätze gebe es weiter bei den Immobilienfonds - allerdings werde hier meist verkauft. "Die Phase der Neubewertung hält an", bemerke Duisberg. Auf den Verkaufslisten stünden etwa der grundbesitz global, der grundbesitz europa, der UniImmo Deutschland (ISIN DE0009805507/ WKN980550) und der UniImmo Global (ISIN DE0009805556 / WKN 980555). Deutliche Verkäufe melde Duisberg auch für den zuvor so beliebten hausInvest und den lange von Abgaben verschonten Fokus Wohnen Deutschland.
Die Preise an der Börse seien viel niedriger als die von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Preise. "Das liegt oft an den Regeln für die Gutachten, die die Fondsgesellschaften regelmäßig erstellen müssen. Wo keine Verkäufe stattfinden, gibt es auch keinen vernünftigen Marktwert", habe vor kurzem "Finanztip"-Chefredakteur, Hermann-Josef Tenhagen, auf spiegel.de bemerkt. "Die Kurse an der Börse zeigen schon die Skepsis der Börsianer gegenüber den nominalen Preisen der Fondsgesellschaften."
Bei den Aktienfonds würden ebenfalls Abgaben dominieren, wie Präger feststelle. Betroffen seien beispielsweise der Fondak mit deutschen Aktien (ISIN DE0008471012 / WKN 847101) und der FPM Funds Ladon European Value mit europäischen Value-Titeln, aber auch der global investierende DWS Vermögensbildungsfonds. Ausnahme: Der Metzler Aktien Deutschland (ISIN DE0009752238 / WKN 975223). Der werde gegen den Trend gekauft.
Ebenfalls unbeliebt seien Fonds mit asiatischen Aktien. Die Baader Bank melde Abflüsse aus dem UBS China Opportunity und dem First State Greater China.
Gut ankämen allerdings einige ESG-Fonds, etwa der DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz, wie Duisberg berichte. Der setze vor allem auf Unternehmen mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen mit Unterstützung der Pariser Klimaziele. Schwerpunkte seien aktuell Microsoft, Alphabet, Amazon, Novo Nordisk und Danaher. Seit Jahresanfang könne der Fonds mit einem Plus von 17 Prozent punkten, auf Dreijahressicht seien es allerdings "nur" 5 Prozent p.a.
Auch gesucht: Der Allianz Global Sustainability. Der konzentriere sich ebenfalls auf Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftspraktiken. Derzeit seien Microsoft, UnitedHealth, Visa, Adobe und Alphabet die Schwergewichte. Der Fonds komme seit Jahresanfang auf ein Plus von 12 Prozent, auf Dreijahressicht seien es 8 Prozent p.a.
Der Goldpreis habe zuletzt zwar ordentlich zugelegt und sei mit aktuell 1.947 US-Dollar die Feinunze nicht mehr weit von der 2.000 US-Dollar-Marke entfernt. Aktien von Goldproduzenten würden profitieren. An der Börse schlage sich das aber nicht in Käufen entsprechender Fonds nieder, wie Präger melde. Der BGF World Gold Fund werde vielmehr verkauft, ebenso der BGF World Mining mit Aktien von Bergbau- und Metallunternehmen. Beliebt sei lediglich der HANSAgold, der vor allem mit Gold-ETCs den Goldpreis abbilde. Beide Seiten gespielt würden laut Duisberg beim Amundi Aktien Rohstoffe mit Aktien von Rohstoffunternehmen.
Etwas belebt habe sich Duisberg zufolge darüber hinaus der Handel mit Rentenfonds. Meist gekauft werde der Flossbach von Storch Bond Opportunities, Zu- und Abflüsse gleichermäßig gebe es beim DWS Euro-Bonds (Medium) (ISIN LU0036319159 / WKN 971784), Allianz Euro Rentenfonds und S-BayRent Deka. Auch in Mischfonds gehe weiter einiges um, etwa im Ethna-AKTIV.
Aktive Fonds hätten sich im Vergleich zu ihren passiven Pendants in den zwölf Monaten bis Juni dieses Jahres übrigens etwas besser behaupten können als üblich: 36,6 Prozent der aktiven Aktienmanager hätten besser abgeschnitten als ihre passiven Pendants, wie das aktuelle Morningstar Active/Passive-Barometer zeige. In den beiden letzten Studien seien es nur 33,6 und 30,4 Prozent gewesen. "Typischerweise sind die Erfolgsquoten aktiver Manager in Aktienkategorien im Midcap- und Smallcap-Segment höher als in Largecap-Kategorien", habe Dimitar Boyadzhiev von Morningstar bemerkt. Von den aktiven Rentenmanagern seien sogar 63 Prozent besser als die passive Alternative gewesen, nach zuvor 55,5 und 46,2 Prozent. Langfristig hätten passive Fonds aber weiter die Nase vorn: Im Durchschnitt sei es nur 17,1 Prozent der aktiven Aktienmanager und 23,1 Prozent der aktiven Rentenmanager gelungen, ihre passive Alternative im Zehnjahreszeitraum bis Ende Juni 2023 zu schlagen. (Ausgabe vom 19.10.2023) (23.10.2023/fc/a/f)
"Krieg in Nahost, Inflation, hohe Zinsen, Rezession - das alles bereitet Sorgen und bremst jede Erholung aus", erkläre Jan Duisberg, der für die ICF Bank Fonds handele. Fondshändler Matthias Präger von der Baader Bank spreche mit Blick auf die geopolitischen Konflikte von "mieser Stimmung". "Die positiven Impulse fehlen einfach." Der DAX habe seit Mitte September rund 800 Punkte verloren, am letzten Donnerstag habe sich der Index nur knapp über der 15.000 Punkte-Marke gehalten.
Einzige klare Favoriten: Geldmarktfonds. "Wir sehen extrem hohe Umsätze auf der Kaufseite", berichte Präger. Gesetzt werde etwa auf den Aberdeen SLF Euro Fund und den Deutsche Institutional Money plus (ISIN LU0099730524 / WKN 986813).
Sehr hohe Umsätze gebe es weiter bei den Immobilienfonds - allerdings werde hier meist verkauft. "Die Phase der Neubewertung hält an", bemerke Duisberg. Auf den Verkaufslisten stünden etwa der grundbesitz global, der grundbesitz europa, der UniImmo Deutschland (ISIN DE0009805507/ WKN980550) und der UniImmo Global (ISIN DE0009805556 / WKN 980555). Deutliche Verkäufe melde Duisberg auch für den zuvor so beliebten hausInvest und den lange von Abgaben verschonten Fokus Wohnen Deutschland.
Die Preise an der Börse seien viel niedriger als die von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Preise. "Das liegt oft an den Regeln für die Gutachten, die die Fondsgesellschaften regelmäßig erstellen müssen. Wo keine Verkäufe stattfinden, gibt es auch keinen vernünftigen Marktwert", habe vor kurzem "Finanztip"-Chefredakteur, Hermann-Josef Tenhagen, auf spiegel.de bemerkt. "Die Kurse an der Börse zeigen schon die Skepsis der Börsianer gegenüber den nominalen Preisen der Fondsgesellschaften."
Ebenfalls unbeliebt seien Fonds mit asiatischen Aktien. Die Baader Bank melde Abflüsse aus dem UBS China Opportunity und dem First State Greater China.
Gut ankämen allerdings einige ESG-Fonds, etwa der DKB Nachhaltigkeitsfonds Klimaschutz, wie Duisberg berichte. Der setze vor allem auf Unternehmen mit zukunftsorientierten Geschäftsmodellen mit Unterstützung der Pariser Klimaziele. Schwerpunkte seien aktuell Microsoft, Alphabet, Amazon, Novo Nordisk und Danaher. Seit Jahresanfang könne der Fonds mit einem Plus von 17 Prozent punkten, auf Dreijahressicht seien es allerdings "nur" 5 Prozent p.a.
Auch gesucht: Der Allianz Global Sustainability. Der konzentriere sich ebenfalls auf Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftspraktiken. Derzeit seien Microsoft, UnitedHealth, Visa, Adobe und Alphabet die Schwergewichte. Der Fonds komme seit Jahresanfang auf ein Plus von 12 Prozent, auf Dreijahressicht seien es 8 Prozent p.a.
Der Goldpreis habe zuletzt zwar ordentlich zugelegt und sei mit aktuell 1.947 US-Dollar die Feinunze nicht mehr weit von der 2.000 US-Dollar-Marke entfernt. Aktien von Goldproduzenten würden profitieren. An der Börse schlage sich das aber nicht in Käufen entsprechender Fonds nieder, wie Präger melde. Der BGF World Gold Fund werde vielmehr verkauft, ebenso der BGF World Mining mit Aktien von Bergbau- und Metallunternehmen. Beliebt sei lediglich der HANSAgold, der vor allem mit Gold-ETCs den Goldpreis abbilde. Beide Seiten gespielt würden laut Duisberg beim Amundi Aktien Rohstoffe mit Aktien von Rohstoffunternehmen.
Etwas belebt habe sich Duisberg zufolge darüber hinaus der Handel mit Rentenfonds. Meist gekauft werde der Flossbach von Storch Bond Opportunities, Zu- und Abflüsse gleichermäßig gebe es beim DWS Euro-Bonds (Medium) (ISIN LU0036319159 / WKN 971784), Allianz Euro Rentenfonds und S-BayRent Deka. Auch in Mischfonds gehe weiter einiges um, etwa im Ethna-AKTIV.
Aktive Fonds hätten sich im Vergleich zu ihren passiven Pendants in den zwölf Monaten bis Juni dieses Jahres übrigens etwas besser behaupten können als üblich: 36,6 Prozent der aktiven Aktienmanager hätten besser abgeschnitten als ihre passiven Pendants, wie das aktuelle Morningstar Active/Passive-Barometer zeige. In den beiden letzten Studien seien es nur 33,6 und 30,4 Prozent gewesen. "Typischerweise sind die Erfolgsquoten aktiver Manager in Aktienkategorien im Midcap- und Smallcap-Segment höher als in Largecap-Kategorien", habe Dimitar Boyadzhiev von Morningstar bemerkt. Von den aktiven Rentenmanagern seien sogar 63 Prozent besser als die passive Alternative gewesen, nach zuvor 55,5 und 46,2 Prozent. Langfristig hätten passive Fonds aber weiter die Nase vorn: Im Durchschnitt sei es nur 17,1 Prozent der aktiven Aktienmanager und 23,1 Prozent der aktiven Rentenmanager gelungen, ihre passive Alternative im Zehnjahreszeitraum bis Ende Juni 2023 zu schlagen. (Ausgabe vom 19.10.2023) (23.10.2023/fc/a/f)
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