Erweiterte Funktionen

Fundamentale Qualität ist auch bei Dividenden-ETFs entscheidend


27.02.23 15:01
Franklin Templeton

Frankfurt (www.fondscheck.de) - ETFs sind ein beliebtes Anlageinstrument, mit dem sich auch Dividenden-Strategien verfolgen lassen; wichtig ist die Beachtung der Qualität der Unternehmen und ein transparenter, regelbasierter Ansatz, erläutert Marcus Weyerer, Senior ETF Investment Strategist beim Vermögensverwalter Franklin Templeton.

Wir haben im vergangenen Jahr große Verwerfungen an den Finanzmärkten erlebt, so die Experten von Franklin Templeton. Trotzdem sollten Anleger die Aktienmärkte im Blick haben, denn einige Argumente sprächen auch weiterhin für Aktien. Aktienanleger seien als Kapitaleigentümer an der Realwirtschaft beteiligt. Dies bedeute, wer in qualitative hochwertige Unternehmen investiere, profitiere von Wirtschaftswachstum und künftigen Gewinnen. Entscheidend sei, Qualitätsunternehmen auch richtig zu identifizieren. Manchen Investoren erschienen sie in der Vergangenheit allerdings zu teuer, so die Experten von Franklin Templeton. Doch inzwischen seien von vielen Werten die KGVs auf interessante Niveaus deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts gesunken - gerade in Europa. Gegen ein Aktieninvestment spricht ebenfalls nicht, dass wir uns inzwischen in einem weltweiten Zinserhöhungszyklus befinden, so die Experten von Franklin Templeton. Unternehmen mit einem moderaten Verschuldungsgrad und einer stabilen, hohen Profitabilität könnten in einem solchen Umfeld noch an Attraktivität gewinnen.

Wer ein ausgewogenes Portfolio haben und den aktuellen Herausforderungen, vor allem der Inflation, trotzen wolle, sollte Dividendenstrategien in Betracht ziehen. Aber welche? Die Konzentration auf reine Dividendenrenditen könne in kritischen Marktphasen unangenehme Überraschungen bringen. Besser sei es dagegen, die Dividendenrendite mit einem Qualitätsscreening zu kombinieren. Qualitativ hochwertige Dividendenpapiere könnten in volatilen Marktphasen einen gewissen Puffer bieten - zuletzt sei dies eindrucksvoll im Jahr 2022 demonstriert worden. Globale Aktien seien um etwa 18% eingebrochen - Dividendenzahler mit Qualitätsfokus hätten nur um knapp 10% nachgegeben. Das Verhältnis in Europe habe ähnlich ausgesehen (-9,5% vs -1,3%).

Im Jahr 2018, als die Handelsspannungen zwischen den USA und China ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hätten, sei die Lage ähnlich gewesen: Der breite Aktienmarkt sei um 19 Prozent gefallen, hochwertige Dividendentitel nur rund 16 Prozent. Allerdings sei darauf nicht immer Verlass - in Zeiten von Panik, beispielsweise Anfang 2020, würden Qualitätstitel oft mit dem Gesamtmarkt in die Tiefe gerissen. Dabei würden derartige Situationen die Chance bieten, günstig zu kaufen. Zudem würden Anleger wissen, dass sich Qualitätstitel früher oder später erholen würden. Das sorge zumindest für ruhigen Schlaf - und der sei eine Qualität an sich. Doch was spreche für eine Investition in eine Dividendenstrategie mittels ETF?

Entgegen landläufiger Ansicht müsse ein ETF kein passives Investment sein. So könne ein ETF etwa mit einer Smart-Beta-Strategie, ähnlich wie ein aktiver Fonds, verwaltet werden. Aktive Portfoliomanager würden vor allem Wert auf die drei Jahresabschlüsse eines Unternehmens legen - die Bilanz, die Cashflow-Berechnungen und die Gewinn- und Verlustrechnung. Man könne die Ergebnisse in quantitativ und normalisiert aber auch in einem regelbasierten Ansatz verwenden. Anders als bei klassisch gemanagten Fonds würden die ETF-Manager keine Einzelgespräche mit diesen Unternehmen führen. Das sei auch nicht immer nötig; bei einem diversifizierten Portfolio von 50 oder 100 Aktien könne auch eine derart regelbasierte Strategie erfolgreich sein, wenn sie sich auf ähnliche Kriterien konzentriere wie ein gemanagter Fonds (Rentabilität, niedriger Verschuldungsgrad, niedrige Gewinnvolatilität usw).

Wichtig sei, sich nicht ausschließlich auf die Dividendenrendite zu fokussieren. Sonst würden teilweise Titel minderer Qualität mit hohem Risiko im Portfolio landen. Empfehlenswert sei es, sich die Entwicklung der vergangenen Jahre anzuschauen. Habe das Unternehmen die Dividenden kontinuierlich erhöht? Oder wenigstens gehalten? Auch folgende Fragen müssten geklärt werden: Sei das Unternehmen rentabel? Verfüge es über eine gute Bilanzstärke? Wie nachhaltig seien die Erträge? Seien sie sehr volatil? Sei das Geschäftsmodell stabil? Seien diese Indikatoren positiv, so sei ein Unternehmen wahrscheinlich gesund und fähig, zu wachsen und weiter Dividenden zu zahlen.

Der konkrete Auswahlprozess sehe dann so aus: Aus einem Aktien-Universum, etwa dem MSCI ACWI, würden zuerst die attraktiven Dividendenzahler ausgewählt, die in den vergangenen fünf Jahren mindestens 20 Prozent mehr Dividendenrendite als der Indexdurchschnitt erzielt hätten. Weitere Kriterien seien die Eigenkapitalrendite und die Gesamtkapitalrendite, sowie das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital und die Kontinuität bei der Gewinnerzielung. Daher seien auch bei Dividendenstrategien die Fundamentaldaten eines Unternehmens entscheidend. Nur dann würden Dividendenpapiere eine Schutzschicht für den Fall bieten, dass die Dinge schlecht laufen würden.

Ein weiteres wichtiges Erfolgskriterium sei die Diversifikation. So beginne Franklin Templetons Auswahlprozess für die globale Strategie mit 1.000 Aktien, bei der europäischen Strategie sei es der MSCI Europe. Als nächsten Schritt würden jene Unternehmen herausgefiltert, welche die Dividendenkriterien erfüllen würden. Übrig bleibe ein noch relativ breites Portfolio, aus dem die besten Qualitätsunternehmen ausgewählt würden. Zur Vermeidung von Klumpenrisiken sei es bei Dividenden-ETFs noch wichtig, Maximalgewichte für Einzelwerte festzulegen.

Betrachte man die Branchen im Portfolio, so seien dort eher Substanzwerte und weniger Wachstumswerte vertreten. Aktuell liege der Schwerpunkt bei Finanzdienstleistern (Versicherern und Verbraucherbanken), Versorgern und Basiskonsumgütern - weniger bei zyklischen Konsumgütern. Das seien mehrheitlich große, reife Unternehmen und sichere Dividendenzahler. Diese könnten, wie die Vergangenheit beweise, auch schwierigen Marktzyklen standhalten. (27.02.2023/fc/a/e)