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Global Investment Trends Report 2015: Anleger sind optimistisch


14.05.15 12:39
Schroders

London (www.fondscheck.de) - Trotz geopolitischer Krisen, der Sorge um einen Grexit und der konjunkturellen Abschwächung in den USA im ersten Quartal strotzen die Anleger weltweit vor Zuversicht, so die Experten von Schroders.

Neun von zehn (91%) Investoren würden weltweit davon ausgehen, dass sie mit ihren Investments in den kommenden zwölf Monaten einen Kapitalzuwachs erzielen würden. Insgesamt würden sie eine doch recht anspruchsvolle Rendite von zwölf Prozent in diesem Zeitraum erwarten. Das gehe aus dem Schroders Global Investment Trends Report 2015 hervor, einer von Schroders beauftragten Studie bei der mehr als 20.000 Privatanleger aus 28 Ländern befragt worden seien.

"Erfreulich ist, dass dieser Optimismus auch unter deutschen Anlegern festzustellen ist", so Achim Küssner, Geschäftsführer der deutschen Schroder Investment Management GmbH. Tatsächlich würden hierzulande neun von zehn Anleger davon ausgehen, dass sie in den kommenden zwölf Monaten mit ihren Investments einen positiven Ertrag erzielen würden. Das entspreche exakt dem Anteil der weltweit befragten Anleger. Insgesamt zeige sich international auch ein gegenüber den Vorjahren gestiegener Appetit auf Finanzanlagen. Die Hälfte der Befragten beabsichtige in den kommenden zwölf Monaten mehr zu sparen oder zu investieren. In 2014 hätten dies 43 Prozent, 2013 nur 38 Prozent geplant. Im Durchschnitt möchten die Anleger ihre Spar- oder Anlagesumme in den kommenden zwölf Monaten um 8,5 Prozent erhöhen.

Deutsche Anleger stünden dem in nichts nach. Während im letzten Jahr für die kommenden zwölf Monate noch 14 Prozent der Befragten für Investments weniger zuversichtlich gewesen seien als im Vorjahr, würden heute dreimal so viele Optimismus äußern. Die klare Mehrheit (87%) plane ihr aktuell investiertes Kapital gleich zu halten oder zu erhöhen. Allerdings seien sie hinsichtlich der Renditeerwartungen im globalen Vergleich etwas pessimistischer. So würden sie im Schnitt von neun Prozent Rendite ausgehen und lägen damit unter dem europäischen Durchschnitt, wo die Erwartung bei zehn Prozent Ertrag liege.

"Damit sind die deutschen Anleger allerdings auch etwas realistischer als Investoren in anderen Ländern", sage Küssner. "Schließlich sind solch hohe Renditen von neun Prozent oder mehr im aktuellen Niedrigzinsumfeld nur für den zu erzielen, der mehr ins Risiko geht." Das aber, so ein weiteres Ergebnis der Umfrage, sei bei den Anlegern nicht gegeben. Denn trotz der hohen Zuversicht und der optimistischen Erwartungen von zweistelligen Erträgen in den kommenden zwölf Monaten, fördere die Schroders-Umfrage eine signifikante Diskrepanz zwischen den erwarteten Erträgen und der Risikoneigung der Investoren zutage. "Das ist ein klares Zeichen für mangelnde Kenntnisse über das Investieren und zeigt den Bedarf an mehr Aufklärung für Anleger."

Schließlich würden viele der Befragten kurzfristigere Investments mit geringeren Risiken favorisieren. Typischerweise würden alle Privatanleger nur etwa 21 Prozent ihres Portfolios in zugleich risiko- und ertragreiche Assetklassen wie Aktien allokieren. Dagegen würden 45 Prozent auf sichere und weniger ertragreiche Anlagen wie Cash setzen und rund ein Drittel fließe in Anlagen wie Anleihen, die ein mittleres Risikoprofil aufweisen würden. Noch ausgeprägter sei die Präferenz für Sicherheit unter deutschen Anlegern. Hier allokieren die Befragten 51 Prozent ihrer Anlagen in risikoarmen Anlageklassen, 33 Prozent in Assets mit mittlerem Risikoprofil und nur 15 Prozent in Anlagen wie Aktien, die hohe Risiken, aber auch die Chance auf hohe Erträge mit sich bringen, so die Experten von Schroders.

"Das Problem ist, dass es mit einer solchen Aufteilung des Vermögens im aktuellen Umfeld fast unmöglich ist, Renditen von neun oder gar zwölf Prozent zu erzielen", sage Küssner. Allerdings sei die Bereitschaft der Deutschen nur gering, sich professionelle Unterstützung zu holen, um diesen Widerspruch in ihren Portfolios aufzulösen. Weniger als ein Viertel (23%) der Privatanleger sei laut der Umfrage nämlich bereit dazu, ihre Strategie zu ändern oder professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Zugleich beabsichtige ein Drittel (33%) weiter so zu investieren wie in den vergangenen Jahren.

Große Bedeutung habe für die Anleger dabei die Suche nach regelmäßigen Erträgen. Weltweit hätten 87 Prozent der Investoren das Ziel, mit ihren Investments laufende Erträge zu erzielen. Das gelte auch für europäische und deutsche Anleger. Hierzulande zum Beispiel würden acht von zehn Befragten (81%) planen, solche Investments zu tätigen. Dabei scheine sich inzwischen aber auch die Einsicht durchgesetzt zu haben, dass die private Vorsorge für das Alter kaum ausreiche. Am häufigsten sei von den Befragten (30%) angegeben worden, dass sie in Ertrag generierende Anlagen als Zusatz für ihre Altersvorsorge investieren würden.

In der Herangehensweise würden sich die deutschen Anleger jedoch vom Rest Europas unterscheiden. Während Investments in Einzeltitel an erster Stelle (17%) genannt würden, komme diese Anlageform hierzulande nur auf 13 Prozent und liege damit auf Rang drei. Deutsche Anleger würden die Suche nach laufenden Erträgen stattdessen stärker über Fonds realisieren. So plane fast jeder Fünfte (19%) in Aktienfonds zu investieren, dahinter würden Multi-Asset-Fonds (17%) folgen.

Natürlich stelle sich dabei auch die Frage, wo die Anleger das größte Renditepotenzial sehen und investieren würden. Bei Anlegern aus Europa zeige sich einmal mehr ein ausgeprägter Home-bias, also die Tendenz im Heimatland oder zumindest heimatnah zu investieren. Während auf globaler Ebene 48 Prozent der Befragten davon ausgehen würden, dass Asien das größte Potenzial für Investments verspreche, würden europäische Investoren auf ihren Kontinent setzen. 49 Prozent würden davon ausgehen, dass der europäische Markt das größte Potenzial für die kommenden zwölf Monate aufweise. Von Westeuropa seien 39 Prozent überzeugt, erst danach würden Asien und die USA folgen.

Ganz ähnlich sehe es auch in Deutschland aus. Hierzulande sähen sogar 52 Prozent der Befragten die größten Anlagechancen in Europa, gefolgt von Westeuropa (45%). "Insgesamt zeigt die Umfrage, dass der Home-bias hierzulande nach wie vor stark ausgeprägt ist", interpretiere Achim Küssner dieses Ergebnis. "Im Sinne einer besseren Risikostreuung sollten deutsche Anleger aber vermehrt über den Tellerrand hinausblicken und auch woanders in der Welt nach Investmentchancen suchen." (Ausgabe vom 13.05.2015) (14.05.2015/fc/a/m)