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Globaler Ausblick für 2009


07.01.09 10:01
BlackRock

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Gestützt von zunehmend attraktiven Bewertungen und großen Mengen anzulegenden Geldes werden Aktien im Jahr 2009 bei anhaltend hoher Volatilität prozentual insgesamt zweistellige Zuwächse erreichen, prognostiziert Robert C. Doll, Vice Chairman und Chief Investment Officer für globale Aktien beim Vermögensverwalter BlackRock.

Nach Dolls Einschätzung werde 2009 von negativem Wirtschaftswachstum und deutlichen Gewinnrückgängen geprägt sein, die USA würden im Griff der wohl längsten und tiefsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg bleiben. Die US-Wirtschaft werde Doll zufolge den ersten Rückgang des nominalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) seit 50 Jahren erleben, während die globale Wachstumsrate auf den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren fallen werde.

Die in den USA und weltweit aufgelegten massiven und beispiellosen finanz- und geldpolitischen Anreize würden den Beginn einer wirtschaftlichen Stabilisierung einleiten, die in den USA schon in der zweiten Jahreshälfte 2009 und in Europa bis zum Beginn des Jahres 2010 beginnen könnte, glaube Doll. "Wenn die Erholung schließlich einsetzt, wird sie wohl gedämpft ausfallen, da der Abbau von Fremdfinanzierungen auf Seiten der Konsumenten und des Finanzsektors viele Jahre brauchen wird", sage Doll. "Anleger werden 2009 beginnen, langsam von sicheren Anlagen zu riskanteren zurückzukehren."

Die Volatilität dürfte zwar unter das Rekordniveau des Jahres 2008 fallen, doch auch 2009 werde Doll zufolge ein Jahr mit hoher Volatilität bleiben. Prozentual zweistellige Kurszuwächse könnten im Jahresverlauf ebenso auftreten wie entsprechende Rückschläge. "Das neue Jahr beginnt mit großer Unsicherheit, niedrigen Erwartungen und deutlichen Problemen", kommentiere Doll. "Trotzdem wird, wenn unsere Analysen stimmen, 2009 ein Jahr, in dem Reflation und Liquidität die Oberhand über Kreditsorgen und Angst gewinnen."

Doll gehe davon aus, dass der Prozess einer Bodenbildung am Aktienmarkt am 10. Oktober 2008 begonnen habe und durch ein sekundäres Markttief am 21. November 2008 bestätigt worden sei. "Angesichts rekordverdächtiger Finanz- und geldpolitischer Anreize, deutlich niedrigerer Ölpreise, viel günstigerer Bewertungen und einer großen Menge anzulegenden Geldes ist es wahrscheinlich, dass Aktien 2009 eine Rally erleben", erläutere er. "Wir sind davon überzeugt, dass es 2010 zu einer Erholung der Gewinne kommen wird, deren Anzeichen 2009 sichtbar werden. Bei diesem Szenario wäre ein S&P 500-Stand von 1.000 bis 1.050 Punkten zum Jahresende angemessen. Die USA werden sich 2009 besser entwickeln als Europa, die Schwellenländer dürften die entwickelten Nationen überflügeln. Europa hat seine wirtschaftlichen Probleme langsamer erkannt als die USA, was sich in den noch immer höheren Zinsen zeigt und einem langsameren Bereinigungsprozess im Bankensystem."

Das Wirtschaftswachstum werde Doll zufolge zumindest in der ersten Jahreshälfte 2009 negativ sein, in der zweiten Hälfte könnte es nahe Null liegen. Er glaube zudem, dass die Unternehmensgewinne, die 2008 um zweistellige Prozentzahlen gesunken seien, 2009 wahrscheinlich in einer ähnlichen Größenordnung sinken würden. Dies wäre der erste aufeinander folgende Rückgang dieser Art seit den 1930er Jahren. Die auf breiter Front gesunkenen Anlagewerte und ein mageres reales Wachstum würden seiner Meinung nach zudem auf sehr niedrige Inflationsraten im Jahr 2009 hindeuten. Die Inflation für das Gesamtjahr könnte in den entwickelten Nationen auf annähernd Null fallen, in den Schwellenländern auf einen Wert unter fünf Prozent.

"Die aggressiven Initiativen für geld- und finanzpolitische Anreize werden letztendlich erfolgreich einen breiten Rückgang der Preise verhindern", kommentiere er. "Diese Maßnahmen sind dazu gedacht, einen Kollaps des Bankensystems zu verhindern, die wirtschaftliche Abschwächung einzudämmen, Kreditströme an gute Schuldner wiederherzustellen, die Restrukturierung oder den Ausfall schwacher Schuldner zu erleichtern und dem Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes Einhalt zu gebieten." Ein schnell wachsendes Haushaltsdefizit sei eine Konsequenz der staatlichen finanzpolitischen Anreizmaßnahmen.

"Wir erwarten, dass das US-Haushaltsdefizit die Marke von einer Billion USD übersteigt, sowohl wegen massiver Ausgabenprogramme als auch durch rezessionsbedingt geringere Steuereinnahmen", erläutere Bob Doll. "Das Haushaltsdefizit wird die Möglichkeiten der Obama-Regierung einschränken, ihre Wahlversprechen zu erfüllen, und letztendlich wird es zu massiven Steuererhöhungen führen."

Das Spannungsverhältnis zwischen schuldengetriebener Deflation und politikbetriebener Reflation werde nach Ansicht von Bob Doll die Marktvolatilität während des Jahres 2009 weiter hoch halten, womit der die Aktien- und Rohstoffmärkte 2008 prägende Trend sich fortsetze. Anleger seien Doll zufolge gut beraten, wenn sie sich auf Unternehmen mit bilanzieller Stärke, guten Cash-flow-Eigenschaften und einiger Unabhängigkeit vom Konjunkturzyklus konzentrieren würden. Zu den von Doll favorisierten Sektoren würden die Gesundheitsbranche, Informationstechnologie und Energie gehören, während er gegenüber Finanztiteln, Versorgern und Materialwerten vorsichtig bleibe.

Die meisten Rohstoffe hätten ihre mehrjährigen Gewinne bis ins Jahr 2008 hinein fortsetzen können, hätten dann einen Höhepunkt und danach heftige Verluste erlebt. "Während die Höchststände nach oben übertrieben hin ausfielen, könnten die derzeitigen Preisniveaus eine Übertreibung auf der unteren Seite der Skala darstellen", erläutere er. "Wenn die Weltwirtschaft anfängt, sich zu stabilisieren, werden die Rohstoffpreise einen Boden finden und eine Aufwärtsbewegung einleiten. Stabile Preise für Öl liegen zwischen 60 und 80 USD pro Fass, während sie zum Jahresende nur bei 40 USD lagen."

Weil der Angstzustand nachlasse und das Vertrauen im Jahr 2009 langsam wiederhergestellt werde, sollte Bob Dolls Ansicht nach der Renditeabstand zwischen Unternehmens-, Hochzins- und Kommunalanleihen auf der einen und Staatsanleihen auf der anderen Seite von seinem derzeit hohen Niveau schrumpfen. "Die aktuellen Renditeabstände implizieren katastrophale Verhältnisse in Bezug auf Zahlungsausfälle und Pleiten", sage er. "Es wird zwar künftig zweifellos mehr Konkurse geben, aber die aktuellen Renditeabstände haben diese Risiken in übertriebenem Maße eingepreist, oder Liquiditätsprobleme haben zu den großen Renditeabständen beigetragen." (07.01.2009/ac/a/m)