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Großes Erholungspotenzial an Aktienmärkten - ein kühler Kopf ist gefragt


21.03.16 10:52
Legal & General IM

London (www.fondscheck.de) - Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession rutscht und Bankpleiten eine Kreditklemme auslösen, so die Experten des britischen Vermögensverwalters Legal & General Investment Management (LGIM) in ihrem aktuellen makroökonomischen Ausblick.

Die Experten würden daher Investoren raten, sich bei ihren Anlageentscheidung nicht von der Krisenstimmung an den Märkten und der Furcht vor weiteren starken Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten anstecken zu lassen. "Die vergangenen Wochen haben uns vor Augen geführt, dass ein Investment in Aktien mit Risiken verbunden ist", so Bruce White, Anlageexperte bei LGIM. "Die historische Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass das Erholungspotenzial nach solchen Episoden enorm ist. Sich in solchen Situationen gegen die Schwäche aufzulehnen als davor zu kapitulieren, dürfte langfristig belohnt werden."

Gleichwohl bestehe durchaus die Gefahr, dass der Aufruhr an den Märkte in den vergangenen Wochen Folgen für die Realwirtschaft haben könne. "Die Marktteilnehmer sorgen sich über die Möglichkeit einer Rezession. Das hat in der Folge bereits zu einer Verschlechterung des Finanzierungsklimas geführt, sodass das Risiko, dass sich die negativen Erwartungen praktisch selbst erfüllen, gestiegen ist", warne Emiel van den Heiligenberg, Chef-Anlagestratege bei LGIM. Er mahne die Investoren jedoch, kühlen Kopf zu bewahren. "Angesichts der Marktturbulenzen sollte man sich klar machen, dass ein Konjunkturaufschwung üblicherweise nicht allein aufgrund seiner vorangeschrittenen Dauer von heute auf morgen endet. Zudem spricht im Moment nur wenig dafür, dass sich der Aufschwung in einer spätzyklischen Phase befindet."

Der LGIM-Experte weise darauf hin, dass Rezessionen typischerweise aus einer Kombination überschäumender gesamtwirtschaftlicher Nachfrage, Ungleichgewichten in der Binnenwirtschaft und starken externen Schocks entstünden. "Die Märkte bekommen zwar im Moment in der Tat externe Schockwellen zu spüren, die ausgelöst wurden durch das schwache Wachstum in den Emerging Markets und die steigenden Kreditrisiken, ebenfalls speziell in den Schwellenländern", so van den Heiligenberg. "Doch während eine Reihe von Emerging Markets unter Druck stehen, sind wir vergleichsweise zuversichtlich für die Volkswirtschaften der entwickelten Industrieländer."

Als Argumente dafür führe van den Heiligenberg die weiterhin stabilen Einkommen der US-Haushalte an, die gestützt würden durch niedrigere Energiepreise und einen stabilen Arbeitsmarkt. "Ein Schlüsselreiz für eine Rezession wäre es, wenn sich die Unternehmen entscheiden, ihre Produktion zurückzufahren. Dann würden die Arbeitsmarktindikatoren automatisch mehr Bedeutung bekommen und in den Fokus rücken."

Von den Kursrückgängen seit Jahresanfang besonders betroffen gewesen seien Aktien der etablierten Großbanken. Sinkende Erträge und steigenden Refinanzierungskosten hätten die Kurse vieler Institute stark unter Druck gebracht. "Die Neubewertung reflektiert zum einen die Überzeugung des Marktes, dass ein Abschwung bevorsteht", so LGIM-Kollege White. "Zum zweiten sind Banken aufgrund ihres Finanzierungsmodells besonders verwundbar gegenüber jedem Anstieg notleidender Kredite - und genau das ist zu erwarten, vor allem im Energiesektor." Dazu würden strengere Aufsichtsregeln, höhere Kapitalanforderungen und die geringen Zinsmargen aufgrund des niedrigen Zinsniveaus langfristig an der Profitabilität vieler Geldhäuser zehren.

"Die neuen Regeln haben zweifellos unerwünschte Nebeneffekte. Sie wurden entwickelt, um Banken für Sparer und Steuerzahler sicherer zu machen", so White. "Dies bedeutet aber auch, dass Anteilseigener und Gläubiger mehr als bisher damit rechnen müssen, dass sie im Falle einer Schieflage zur Kasse gebeten werden." Das führe White zufolge potenziell zu einem Teufelkreislauf: Eine schwächere Wirtschaft bedeute höhere Kreditausfälle, was auf die Aktien und Anleihen der Banken drücke. Durch diesen Druck hätten die Geldhäuser einen Anreiz, ihre Ausleihungen an die Realwirtschaft zurückzufahren.

An den Aktienmärkten würden sich dagegen die Investoren zum wiederholten Male mit der Frage beschäftigen, ob die Notenbanken in der Lage seien, das Vertrauen wiederherzustellen. "Die Dynamik dieses Prozesses wird aktuell vor allem in Japan beobachtet. Trotz der geldpolitischen Lockerung tendiert der JPY stärker und die Aktienkurse sind schwächer. Es ist also genau das Gegenteil davon eingetreten, was die Notenbank beabsichtigt hat." Die beiden LGIM-Experten würden jedoch vor der Annahme warnen, dass die Geldpolitik wirkungslos geworden sei. "Die politischen Entscheidungsträger werden sich auch weiterhin unkonventioneller Instrumente bedienen bei ihren Versuchen, das Wachstum und die Inflation zu stimulieren." (21.03.2016/fc/a/m)