Internationale Kapitalmärkte im Überblick


21.01.11 15:39
Weberbank

Berlin (aktiencheck.de AG) - Die Arbeitslosenquote in den USA ist überraschend kräftig von 9,8 auf 9,4 Prozent gefallen, so die Analysten der Weberbank.

Wenn man einzig auf diese plakative volkswirtschaftliche Kennzahl schaue, sei man schon fast geneigt, das Ende der Krise auszurufen. Die Analysten möchten an dieser Stelle den Rückgang der Arbeitslosigkeit allerdings gerne kritisch hinterfragen. Denn dass das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit in den USA, das Bild der Erholung trübe, werde häufig vergessen. So seien die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit und der Anteil der Langzeitarbeitslosen wieder in die Nähe der Rekordniveaus angestiegen. Und auch die Beschäftigungsentwicklung sei mit nur 103 Tausend neu geschaffenen Stellen im Dezember deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Damit seien in den USA also noch über sieben Millionen Menschen weniger beschäftigt als im Vorkrisenjahr 2007.

Kleiner Lichtblick: Die Beschäftigungserwartungen im amerikanischen Mittelstand, der in der Vergangenheit für den Aufbau von Arbeitsplätzen maßgeblich verantwortlich gewesen sei, habe sich verbessert. Damit wachse die Hoffnung, dass bald wieder mehr neue Stellen geschaffen würden. Im Zusammenhang mit dem neuen Konjunkturpaket, das unter anderem gewisse Steuererleichterungen und Investitionsanreize für Unternehmen enthalte, werde jetzt auch ein US-Wirtschaftswachstum von über drei Prozent im Jahr 2011 erwartet. Auch nach Meinung der Analysten habe sich das Bild etwas verbessert. Aber im Hinblick auf den niedrigen Beschäftigungsstand und den immer noch schwachen Immobilienmarkt könnten sie sich eine derart kräftige Erholung nicht vorstellen.

Auch in Europa habe sich die Stimmung in den letzten Wochen sukzessive verbessern können. Die hoch verschuldeten Staaten in der Euro-Zone, wie zum Beispiel Spanien und Portugal, hätten eine erste Bewährungsprobe bestehen und ihre Anleihen am Kapitalmarkt ohne Probleme platzieren können. Und der ZEW-Index, der die Erwartungen für den Euro-Raum widerspiegele, habe überraschend deutlich zulegt. Sorge habe manchem Marktbeobachter die Preisentwicklung mit einer Inflationsrate von 2,2 Prozent bereitet. Die Analysten würden nicht erwarten, dass die Europäische Zentralbank EZB voreilig zu einer restriktiveren Geldpolitik übergehe und die Zinsen anhebe. Dieser Schritt würde die Krisenstaaten zusätzlich belasten.

Die leichte Entspannung in den europäischen Problemstaaten aufgrund der erfolgreichen Anleiheemissionen und die Diskussionen um eine Ausweitung des Rettungsfonds hätten dazu geführt, dass deutsche Staatsanleihen ihre Rolle als sicherer Hafen ein wenig hätten einbüßen müssen. Infolgedessen sei die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erneut auf über drei Prozent angestiegen.

Da die Verschuldungsprobleme in den Krisenländern noch längst nicht gelöst seien und auch im Hinblick auf die hohen Risikoaufschläge, die diese Staaten derzeit immer noch bezahlen müssten, würden die Analysten weiterhin deutsche Staatsanleihen und Pfandbriefe bevorzugen. Auch Unternehmensanleihen guter Bonität könnten bei entsprechender Risikotoleranz dem Portfolio beigemischt werden. Auf Anleihen aus der Euro-Peripherie und Unternehmensanleihen des Finanzsektors könne aber getrost verzichtet werden.

Auch auf die Aktienmärkte habe die leichte Entspannung der Verschuldungskrise einige Auswirkungen gehabt. Die von vielen Investoren gemiedenen Banken - zum Beispiel aus Spanien und Portugal - seien in der Gunst der Anleger gestiegen, so dass deren Wertentwicklung dem europäischen Leitindex EURO STOXX 50 einen kräftigen Schub verliehen habe. Daher habe der europäische Auswahlindex, der von Bankenaktien dominiert werde, den Deutschen Aktienindex DAX in seiner Wertentwicklung in den letzten Tagen schlagen können.

Erste positive Unternehmenszahlen für das letzte Quartal und das Gesamtjahr 2010, die von US-amerikanischen Firmen veröffentlicht worden seien, hätten ebenfalls für etwas Optimismus an den Aktienbörsen gesorgt. Noch sei es aber zu früh, einen klaren Trend über den Verlauf der Berichtssaison auszumachen. In Europa berichte das Gros der Unternehmen erst im Laufe des nächsten Monats. Die Analysten würden in den kommenden Wochen und Monaten von der Grundtendenz positive Aktienmärkte erwarten, da die fundamentalen Kennzahlen ein stimmiges Bild zeichnen würden. Dabei könne natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass es immer mal wieder Störfeuer, zum Beispiel seitens der Verschuldungsproblematik, geben werde. Mit Erreichen neuer Höchststände in den Aktienindices werde markttechnisch gesehen die Luft kurzfristig dünner.

Rohstoffe und Gold sehen die Analysten der Weberbank weiterhin fundamental gut unterstützt. Die Nachfrage nach Rohöl, vor allem aus vielen Schwellenländern, sei ungebrochen. Das Öl-Angebot sei hingegen begrenzt. Die Analysten hätten daher Preise von über 100 US-Dollar pro Barrel fest im Blick, zumal die Erschließung zusätzlicher Förderkapazitäten unterhalb dieses Marktpreises für viele Ölförderer immer unattraktiver werde. Der Goldpreis dagegen sei derzeit auf Konsolidierungskurs. Der Aufwärtstrend des Edelmetalls sei aber immer noch intakt und die fundamental unterstützenden Faktoren seien nach Erachten der Analysten weiterhin gegeben.

Da die Feinunze Gold in US-Dollar gehandelt werde, sei für den europäischen Anleger auch der Wechselkurs zwischen dem Dollar und dem Euro von Bedeutung. Der Euro habe sich zuletzt wieder deutlich erhöhen können, besonders gegenüber dem US-Dollar. (21.01.2011/ac/a/m)






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