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Internationale Kapitalmärkte im Überblick


20.05.11 13:56
Weberbank

Berlin (aktiencheck.de AG) - Tick Tack, Tick Tack … unaufhörlich und ohne Gnade tickt die Schuldenuhr. Wie Kapitän Hook in der Geschichte von Peter Pan sollte auch uns künftig ein Schauer über den Rücken laufen, wenn wir das Ticken hören. Nicht nur Staaten wie Griechenland oder Irland, sondern auch vermeintlich solide Länder wie die USA kämpfen vermehrt mit ihren ausufernden Staatsschulden, so die Analysten der Weberbank.

Die Vereinigten Staaten hätten die gesetzlich verankerte Schuldengrenze von 14,3 Billionen US-Dollar erreicht und dürften sich vorerst kein weiteres Geld leihen. In den kommenden Wochen drohe ein Schlagabtausch zwischen den regierenden Demokraten um Präsident Barack Obama und den Republikanern. Am Ende dürfte alles auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze und damit neue Schulden hinauslaufen. Die Entscheidung müsse jedoch durch glaubwürdige Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen begleitet werden, um das Vertrauen der internationalen Geldgeber nicht zu beschädigen.

Zeitgleich würden die Stimmungsindikatoren eine abnehmende Dynamik in der amerikanischen Wirtschaft andeuten, der Arbeitsmarkt lahme, und der Immobilienmarkt wolle sich einfach nicht erholen. Die Bäume würden konjunkturell bei diesen Vorzeichen sicher nicht in den Himmel wachsen, aber für ein positives Wachstum unterhalb des langfristigen Durchschnitts von 3% sollte es reichen.

In Japan kämpfe man indes neben den Bemühungen zur Eindämmung des Schuldenberges mit den schwerwiegenden Folgen der Naturkatastrophe. Kurzfristig seien die Belastungen größer als bisher erwartet. So sei das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2011 um 3,7% auf Jahresbasis geschrumpft und knüpfe an die negative Zahl aus dem vierten Quartal des letzten Jahres an. Da das aktuelle Quartal auch noch von Belastungen geprägt sein dürfte, könne man aus technischer Sicht von einer Rezession im Land der aufgehenden Sonne sprechen. Die Wiederaufbauprogramme sollten in der zweiten Jahreshälfte jedoch für eine deutliche Belebung der Konjunktur sorgen.

Anders sehe die Lage in Deutschland aus. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt habe im ersten Quartal um stolze 4,9% gegenüber dem Vorjahr zulegen können. Damit sei das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung erzielt worden, und die Wirtschaftsleistung habe sogar das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008 erreicht. Damit habe zu Jahresbeginn keiner gerechnet. Man könne natürlich dieses Ausnahmequartal nicht für das Gesamtjahr fortschreiben, trotzdem habe die deutsche Wirtschaft reelle Chancen, im Gesamtjahr mit über 4% zu wachsen. Die Stimmung in der Wirtschaft sei entsprechend gut, in Jubel möge aber keiner so richtig ausbrechen.

Das Ticken der Schuldenuhr im Euroraum sei deutlich zu vernehmen. Ein Patentrezept zur Lösung der Probleme gebe es nicht. Bisher habe man auf Zeit gespielt und die Lösung der Schuldenkrise in die Zukunft vertagt. Das trage nicht zur Beruhigung der Kapitalmärkte bei.

Die deutschen Staatsanleihen hätten sich in den letzten Wochen von den Kursverlusten des Jahresbeginns erholen können. Die Erwartungen der Marktteilnehmer bezüglich steigender Zinsen seien etwas zurückgekommen und hätten stützend gewirkt. Die Analysten würden jedoch nur mit einer temporären Stärke des Anleihesegments rechnen und starke Tage für Verkäufe von Zinspapieren mit langer Restlaufzeit nutzen.

Attraktive Chancen würden die Analysten weiterhin im Segment der Unternehmensanleihen sehen. Der positive Gewinntrend und die solide Bilanzstruktur bei den Unternehmen würden für ein gutes Umfeld sorgen. Ebenfalls als interessant würden die Analysten Anleihen aus den Schwellenländern einstufen. Das Wirtschaftswachstum sei im internationalen Vergleich überdurchschnittlich und die Gesamtverschuldung gering. Somit seien diese Staaten derzeit gute Schuldner, und entsprechend gern werde aktuell auf sie zurückgegriffen.

Den Aktienmärkten fehle dieser Tage der Treibstoff, um neue Kursgipfel zu erklimmen. Die Berichtssaison zum ersten Quartal sei fast beendet, und insgesamt lasse sich ein positives Resümee ziehen. Die Mehrzahl der Unternehmen habe bei Umsatz und Gewinn stärker zulegen können, als die Analysten erwartet hätten. Und gut ein Drittel der deutschen Unternehmen hätten sogar ihre ohnehin schon positiven Erwartungen für das Gesamtjahr 2011 nochmals angehoben. Das laute Ticken der Schuldenuhr lasse die Reaktion der Marktteilnehmer auf diese guten Zahlen jedoch nur sehr verhalten ausfallen. Sollten Fortschritte bei der Lösung der Schuldenkrise gemacht werden und damit ein wichtiger Belastungsfaktor verschwinden, habe der deutsche Aktienmarkt aber das Potenzial, im weiteren Jahresverlauf die Hochs aus dem Jahr 2008 anzustreben.

Auch in den Schwellenländern laufe die Konjunktur gut, und die Unternehmensgewinne sollten in diesem Jahr um 15 bis 20% zulegen. Die Börsen der Schwellenländer stünden jedoch aktuell nicht im Fokus der internationalen Anleger, und so würden die Aktienkurse dort seit Jahresbeginn im Minus notieren. Die Analysten würden für die zweite Jahreshälfte, ähnlich wie im vergangenen Jahr, einen Stimmungswechsel zugunsten der Schwellenländer und einhergehend eine Trendwende bei den Aktien dieses Segments erwarten.

Der US-Dollar habe zuletzt von Äußerungen der Europäischen Zentralbank profitiert, die eine weniger dynamische Zinsentwicklung als vorerst erwartet angedeutet hätten. In nächster Zeit rechnen die Analysten der Weberbank mit einer Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen Niveau. (20.05.2011/ac/a/m)