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Internationalisierung der chinesischen Währung wird vorangetrieben


23.04.15 13:09
Erste Asset Management

Wien (www.fondscheck.de) - Der Renminbi könnte bald den Status als konvertierbare Währung zuerkannt bekommen, so Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Erste Asset Management.

"Ob der Renminbi auch in das Sonderziehungsrecht, also in den Währungskorb für die Buchwährung des Internationalen Währungsfonds, aufgenommen wird, hängt nur noch von politischen Argumenten ab", habe Winzer gesagt. Diese Entwicklungen würden sich auf den Abbau der Kapitalverkehrsrichtlinien und die Internationalisierung der chinesischen Währung zurückführen lassen. "Die Errichtung der multilateralen Entwicklungsbank AIIB für den asiatischen Raum ist nur die letzte in einer Reihe von zahlreichen Maßnahmen", so der Experte weiter.

Laut Winzer impliziere dieser Fortschritt, dass es nicht in Chinas Interesse liege, sich am globalen Abwertungswettlauf zu beteiligen. Außerdem werde der Anteil von chinesischen Aktien und Anleihen in globalen Indices zunehmen. "Aktien werden durch die aktuellen Entwicklungen unterstützt", habe Winzer gesagt. "Und da die Renditen in China deutlich über dem Niveau der Reservewährungen liegen, dürfte auch ein zunehmendes Emissionsvolumen von chinesischen Anleihen kein Problem darstellen", so der Chefvolkswirt weiter.

Für den Experten sei damit klar: "Die Bedeutung von China für das weltweite Wirtschafts- und Finanzsystem nimmt weiter rasant zu." Bereits im vergangenen Jahr sei China die größte Volkswirtschaft der Welt gewesen. Die produzierten Güter und Dienstleistungen seien höher als die der Vereinigten Staaten gewesen, und mit 30 Prozent habe das Land den größten Beitrag zum Wachstum der weltweiten Wirtschaft geliefert. Für 2015 liege das Ziel für das reale Wirtschaftswachstum bei 7 Prozent. Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren würden jedoch auf einen Wert unter dieser Zielvorstellung hindeuten.

"Die chinesische Volkswirtschaft befindet sich derzeit in einem langfristigen Transformationsprozess", habe Winzer gesagt. "Das von Exporten und Investitionen getriebene und von einem Kreditwachstum finanzierte Wachstum soll auf nachhaltige Beine gestellt werden", erkläre er weiter.

Um eine Stagnation auf einem mittleren Einkommensniveau abzuwehren, sollten Konsum- und Servicesektor langfristig einen dominanten Anteil der Wirtschaftsleistung darstellen - so wie es in einer modernen Volkswirtschaft üblich sei. Dazu gehöre auch ein Liberalisierungsprozess, der die Planwirtschaft zugunsten eines marktwirtschaftlichen Systems zurückdränge. Ebenfalls notwendig seien Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption.

"Damit die langfristig angelegte Abschwächung des Wirtschaftswachstums ein nachhaltiges Niveau halten kann, muss die chinesische Wirtschaftspolitik im Fall von enttäuschenden Wirtschaftsdaten gegenlenken", so Winzer. "Deswegen senkten die Chinesen in den vergangenen Monaten bereits den Leitzins und die Mindestreservesätze. Und auch die Anhebung des Budgetdefizits und die Lockerung der Eigenkapitalerfordernisse für Immobilienkäufe sind eine Folge daraus", so der Chefvolkswirt weiter. (23.04.2015/fc/a/m)