Japan-ETF: Der Phoenix aus Fernost?


29.12.14 12:10
Lyxor Asset Management

Paris (www.fondscheck.de) - Die Experten von Lyxor Asset Management stellen in einer aktuellen Ausgabe ihres Magazins "Die Welt der ETFs" den Lyxor UCITS ETF Japan (Topix®) (ISIN FR0010245514 / WKN A0ESMK) und den Lyxor UCITS ETF JPX-NIKKEI 400 vor.

Die Folgen der Wirtschaftspolitik des japanischen Premierminister Shinzo Abe seien bemerkenswert: Im zweiten Quartal sei das japanische Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal um 1,7 Prozent geschrumpft - auf zwölf Monate hochgerechnet würde dies einem Minus von 6,8 Prozent entsprechen. Hintergrund des ungewöhnlichen Einbruchs sei die Erhöhung der Mehrwertsteuer von fünf auf acht Prozent, die am 1. April 2014 erfolgt sei. Vor diesem Hintergrund hätten viele Japaner größere Anschaffungen vorgezogen, um noch von dem alten Steuersatz profitieren zu können. Entsprechend sei die Wirtschaft im ersten Quartal um hochgerechnet 6,1 Prozent gewachsen, bevor sie von April bis Juni eingebrochen sei. Der daraus resultierende Jo-Jo-artige Konjunkturverlauf sei also ein Stück weit erklärbar.

Japan leide seit den 1990er Jahren unter schwachem Wachstum und Deflation - also fehlender Teuerung. Um Unternehmen und Verbraucher aus ihrer Lethargie zu reißen, habe der Premierminister nach seinem Amtsantritt im Jahr 2012 umfangreiche staatliche Konjunkturpakete aufgelegt. Zudem verfolge die Bank of Japan eine sehr expansive Geldpolitik, um den JPY im Vergleich zu internationalen Leitwährungen wie dem Euro, USD oder dem Renminbi zu verbilligen. Dahinter habe das Ziel gestanden, Japans Exportwirtschaft auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger zu machen.

Der Anfangserfolg dieser auch als "Abenomics" bezeichneten Maßnahmen sei groß gewesen und von der Börse entsprechend honoriert worden: Im Jahr 2013 habe der japanische Aktienindex Topix auf JPY-Basis einen Anstieg von rund 50 Prozent erzielt, nachdem er 2012 bereits mehr als 20 Prozent zugelegt habe. In diesem Jahr stünden bislang rund 9 Prozent Kursgewinn zu Buche. Wer investiert gewesen sei, habe trotz der schwachen Währung teils hohe Wertsteigerungen erzielen können.

Als Kontrast zur expansiven Geld- und Fiskalpolitik sei die Mehrwertsteuererhöhung von April zu bewerten. Höhere Umsatzsteuern würden normalerweise das Gegenteil jener Stimulierung bewirken, die Abe eigentlich anstrebe. Das Parlament habe die Erhöhung jedoch bereits beschlossen, bevor er im September 2012 ins Amt gekommen sei. Auf eine Revision der Entscheidung habe der Premier allerdings nicht gedrängt - vielleicht auch, weil er die Einnahmen aus der Steuer brauche, um die Staatsverschuldung nicht noch weiter explodieren zu lassen.

Vieles werde davon abhängen, wann die japanische Wirtschaft zukünftig wieder Fahrt aufnehme. Beobachter würden mit einem merklichen Plus rechnen, Optimisten würden gar ein Wachstum von hochgerechnet drei bis fünf Prozent für das laufende Quartal prognostizieren. Indes scheine die Politik alles zu versuchen, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Die japanische Notenbank habe im Oktober beschlossen, ihre Anleihen-Käufe auszuweiten, nachdem das Inflationsziel von zwei Prozent zunehmend außer Reichweite geraten sei. Konkret plane die Bank of Japan, ihre jährlichen Anleihen-Käufe - das wichtigste Werkzeug, um die Inflation anzutreiben - auf 80 Billionen JPY aufzustocken. Die bisherige Bandbreite habe bei 60 bis 70 Billionen JPY gelegen. Hauptsächlich sollten japanische Regierungsanleihen gekauft werden, außerdem wolle die Notenbank aber auch bei Aktien- und Immobilienfonds zulegen.

Der Schritt zeige, dass die bisherige Planung zur wirtschaftlichen Belebung seit der Mehrwertsteuererhöhung im April dieses Jahres vom Weg abgekommen sei; die Erhöhung habe die Konsumfreude der Japaner und damit die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt insgesamt mehr belastet als erwartet worden sei. Die Japanische Zentralbank schlage dabei mit ihren Maßnahmen die entgegengesetzte Richtung der US-Notenbank FED ein. An den Aktienmärkten jedenfalls sei die Aktion begrüßt worden: Der Nikkei 225 Index, der die 225 wichtigsten japanischen Aktienwerte abbilde, sei erstmals seit sieben Jahren wieder über die Marke von 18.000 Punkten geklettert.

Unabhängig von den jüngsten Kurssteigerungen sollte Japan in einem globalen Aktienportfolio als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt grundsätzlich nicht fehlen. Mit rund 6,5 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts rangiere Japan nach China und den USA an der Spitze. Die Nähe zu den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften schaffe zudem einen tendenziell wachsenden Absatzmarkt für japanische Produkte, und mit einer sinnvollen Einwanderungspolitik ließe sich dem Problem der Überalterung der Gesellschaft entgegenwirken.

Eine interessante Alternative zum klassischen Nikkei Index 225 sei der neue JPX-Nikkei-400-TR-Index, der als neue Benchmark für japanische Aktien gelte. Das Konzept des im Januar 2014 aufgelegten Index sehe vor, dass sowohl Large-Cap als auch Small-Cap Aktien im Index abgebildet würden, ebenso wie Wachstums- als auch Technologiewerte. Im Unterschied zu anderen Benchmarks für den japanischen Aktienmarkt fokussiere sich der JPX-Nikkei-400-Index jedoch auf Unternehmen, deren Management sich darauf konzentriere, Shareholder Value zu generieren. Dabei sehe das Indexkonzept, das von Nikkei und der Japan Exchange Group entwickelt worden sei, vor, dass die Gewichtung der Indexunternehmen nicht ausschließlich anhand der Marktkapitalisierung vorgenommen werde, sondern auch Fundamentalkennziffern wie die Eigenkapitalrendite, das Betriebsergebnis und die Corporate-Governance-Orientierung berücksichtigt würden.

Hintergrund dafür sei, dass die stärkere Dynamisierung des Aktienmarktes ein wichtiger Bestandteil des Wachstumsprogramms der japanischen Regierung sei. Viele japanische Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten hohe Bargeldbestände gebildet, anstatt ihre Kapitalmittel langfristig zu investieren. Der Effekt sei, dass japanische Konzerne gegenüber Unternehmen in anderen Regionen vergleichsweise niedrige Renditen für ihre Anteilseigner erzielt hätten. Damit sei der neue Index für Investoren hochattraktiv, denn er versammle Unternehmen, die ihr Kapital effizient nutzen und die globalen Corporate Governance Standards einhalten würden. Seit der Auflage im Januar 2014 werde der JPX-Nikkei-400 Index von immer mehr institutionellen Investoren wie etwa den staatlichen japanischen Pensionsfonds als Benchmark akzeptiert.

Darüber hinaus gebe es Anzeichen dafür, dass einige Unternehmen ihr Verhalten anpassen würden, um die Chancen zu verbessern, in die neue Benchmark aufgenommen zu werden - etwa, indem sie Aktienrückkaufprogramme starten oder Dividenden bezahlen würden, was Investoren entsprechend zugute komme. (Ausgabe Dezember 2014) (29.12.2014/fc/a/e)






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