Erweiterte Funktionen
Japan Talsohle bald durchschritten?
27.12.10 12:52
Schroders
London (aktiencheck.de AG) - Der japanische Markt hat 2010 eine Seitwärtsbewegung verzeichnet: Zwar gab es zögerliche Ansätze einer Konjunkturerholung, aber die Marktentwicklung wurde durch die Aufwertung des Yen gebremst, so Shogo Maeda, Leiter des Bereichs japanische Aktien bei Schroders.
Man rechne nach wie vor mit einer Fortsetzung der Erholung, die allerdings schwach ausfallen werde, da die im letzten Jahr von der Regierung ergriffenen Maßnahmen wohl in nächster Zeit ohne Wirkung auf die Realwirtschaft bleiben würden. Die Deflation, die man in Europa und den USA bisher nur befürchte, sei in Japan längst eingetreten und zum fundamentalsten strukturellen Problem des Landes geworden. Dass die Regierung und die Zentralbank endlich entschlossen handeln würden, könnte die Anleger jedoch zu einer vorzeitigen Änderung ihrer Haltung gegenüber diesem unpopulären (und billigen) Markt bewegen.
Der Optimismus, der Ende 2009 bezüglich der japanischen Politik geherrscht habe, sei im Laufe dieses Jahres geschwunden. Yukio Hatoyama habe seinen Platz für Naoto Kann geräumt, dem wiederum die absolute Mehrheit fehle. So würden im Ober- und Unterhaus verschiedene Parteien den Ton angeben. Aus Sicht des Aktienmarktes seien häufige politische Wechsel jedoch nicht zu begrüßen.
Trotzdem habe es einige Verbesserungen der politischen Verhältnisse und der Politik gegeben. So sei die Position des Premierministers gestärkt worden, als er sich bei der Wahl zum Parteichef im September gegen das politische Schwergewicht Ichiro Ozawa durchgesetzt habe. Damit sei das Regieren für ihn etwas leichter geworden, und er habe den zusätzlichen Einfluss genutzt, um eine Politik zur Steuerung des Wechselkurses auf den Weg zu bringen.
Die Währung habe sich in Japan als fundamentales Wachstumshemmnis erwiesen. Nachdem der Japanische Yen gegenüber dem US-Dollar ein Fünfzehnjahreshoch erreicht habe, sei am Tag nach dem innerparteilichen Wahlsieg von Naoto Kan im September gemeldet worden, dass Japan erstmals seit 2004 wieder einseitig Yen gegen US-Dollar verkauft habe.
Diese Maßnahme werde den Wechselkurs zwar nicht unbedingt langfristig beeinflussen. Die Tatsache, dass die japanische Regierung tatsächlich interveniert habe, signalisiere jedoch einen wichtigen Kurswechsel (und stelle möglicherweise einen ersten Schritt hin zu einer konsequenten Wirtschaftspolitik dar).
Im Oktober habe die japanische Zentralbank den Leitzins auf null gesenkt und ein Wertpapierankaufsprogramm mit einem Volumen von fünf Bio. Yen angekündigt. Damit habe sie ein positives Signal an die Märkte gesandt. Die Hoffnung, dass die Zentralbank und die Regierung nun endlich zusammenarbeiten würden, um der Deflation und der Konjunkturabkühlung zu begegnen, habe die allgemeine Stimmung gehoben.
Seit 2005 sei der Anteil anderer asiatischer Länder an den japanischen Exporten im Vergleich zu Europa und den USA gestiegen. Besonders ausgeprägt sei dieser Trend seit Mitte 2008 aufgrund der gegensätzlichen Wachstumsentwicklung in den Industrie- und den Schwellenländern. Letztere seien zusammengerückt und würden sich gegenseitig unterstützen. Für Japan sei dies von Vorteil, da der Handel nicht mehr ausschließlich von der westlichen Welt und den Verbrauchern in den USA abhänge.
Das schnelle Wachstum Chinas eröffne Japan enorme Chancen. So sei China - gemessen an den Importen, den Exporten und den Investitionen - bereits der wichtigste Wirtschaftspartner Japans. Mit der Verschiebung des chinesischen Wachstums von Investitionen hin zu Privatem Konsum werde diese Beziehung den Unternehmen in ganz Japan und in der übrigen Region wohl weiter zugute kommen.
Man habe sich in Japan schon oft zu früh gefreut. Man könne zudem nicht behaupten, dass das Land sein Wachstumsproblem oder die Deflation erfolgreich gemeistert hätte. Mit einem Wirtschaftswunder würden die Experten nicht rechnen, aber sie würden Japan trotz des geringen Wachstums letztendlich auf dem Weg nach oben sehen. Zudem würden sich Impulse abzeichnen, die ausreichen könnten, um auf diesem billigen Markt die Wende einzuläuten.
Etwa zwei Drittel der Aktien würden zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von weniger als eins gehandelt. Solche Werte wären plausibler, wenn mit einer deutlichen Verschlechterung der Rentabilität zu rechnen wäre, aber dies sei nicht der Fall.
Den japanischen Unternehmen gehe es besser, als die niedrigen Aktienkurse vermuten lassen würden. So stimme optimistisch, dass viele von ihnen ihre Gewinnprognosen angehoben und gleichzeitig ihre Wechselkursannahmen angepasst hätten, um der Stärke des Yens Rechnung zu tragen. Für die Stabilität der Wirtschaft spreche außerdem, dass sich die Renditen trotz des geringeren nominalen Wirtschaftswachstums und der deutlich stärkeren Währung wieder dem Niveau von 2007 angenähert hätten.
Neben der Rentabilität seien auch die Cashflows gestiegen. Dieses Geld fließe teils in die Tilgung von Schulden und teils in Fusionen und Übernahmen, komme aber auch den Aktionären in Form von Aktienrückkäufen oder Dividenden zugute. (Ausgabe Dezember 2010) (27.12.2010/fc/a/m)
Man rechne nach wie vor mit einer Fortsetzung der Erholung, die allerdings schwach ausfallen werde, da die im letzten Jahr von der Regierung ergriffenen Maßnahmen wohl in nächster Zeit ohne Wirkung auf die Realwirtschaft bleiben würden. Die Deflation, die man in Europa und den USA bisher nur befürchte, sei in Japan längst eingetreten und zum fundamentalsten strukturellen Problem des Landes geworden. Dass die Regierung und die Zentralbank endlich entschlossen handeln würden, könnte die Anleger jedoch zu einer vorzeitigen Änderung ihrer Haltung gegenüber diesem unpopulären (und billigen) Markt bewegen.
Der Optimismus, der Ende 2009 bezüglich der japanischen Politik geherrscht habe, sei im Laufe dieses Jahres geschwunden. Yukio Hatoyama habe seinen Platz für Naoto Kann geräumt, dem wiederum die absolute Mehrheit fehle. So würden im Ober- und Unterhaus verschiedene Parteien den Ton angeben. Aus Sicht des Aktienmarktes seien häufige politische Wechsel jedoch nicht zu begrüßen.
Trotzdem habe es einige Verbesserungen der politischen Verhältnisse und der Politik gegeben. So sei die Position des Premierministers gestärkt worden, als er sich bei der Wahl zum Parteichef im September gegen das politische Schwergewicht Ichiro Ozawa durchgesetzt habe. Damit sei das Regieren für ihn etwas leichter geworden, und er habe den zusätzlichen Einfluss genutzt, um eine Politik zur Steuerung des Wechselkurses auf den Weg zu bringen.
Die Währung habe sich in Japan als fundamentales Wachstumshemmnis erwiesen. Nachdem der Japanische Yen gegenüber dem US-Dollar ein Fünfzehnjahreshoch erreicht habe, sei am Tag nach dem innerparteilichen Wahlsieg von Naoto Kan im September gemeldet worden, dass Japan erstmals seit 2004 wieder einseitig Yen gegen US-Dollar verkauft habe.
Diese Maßnahme werde den Wechselkurs zwar nicht unbedingt langfristig beeinflussen. Die Tatsache, dass die japanische Regierung tatsächlich interveniert habe, signalisiere jedoch einen wichtigen Kurswechsel (und stelle möglicherweise einen ersten Schritt hin zu einer konsequenten Wirtschaftspolitik dar).
Seit 2005 sei der Anteil anderer asiatischer Länder an den japanischen Exporten im Vergleich zu Europa und den USA gestiegen. Besonders ausgeprägt sei dieser Trend seit Mitte 2008 aufgrund der gegensätzlichen Wachstumsentwicklung in den Industrie- und den Schwellenländern. Letztere seien zusammengerückt und würden sich gegenseitig unterstützen. Für Japan sei dies von Vorteil, da der Handel nicht mehr ausschließlich von der westlichen Welt und den Verbrauchern in den USA abhänge.
Das schnelle Wachstum Chinas eröffne Japan enorme Chancen. So sei China - gemessen an den Importen, den Exporten und den Investitionen - bereits der wichtigste Wirtschaftspartner Japans. Mit der Verschiebung des chinesischen Wachstums von Investitionen hin zu Privatem Konsum werde diese Beziehung den Unternehmen in ganz Japan und in der übrigen Region wohl weiter zugute kommen.
Man habe sich in Japan schon oft zu früh gefreut. Man könne zudem nicht behaupten, dass das Land sein Wachstumsproblem oder die Deflation erfolgreich gemeistert hätte. Mit einem Wirtschaftswunder würden die Experten nicht rechnen, aber sie würden Japan trotz des geringen Wachstums letztendlich auf dem Weg nach oben sehen. Zudem würden sich Impulse abzeichnen, die ausreichen könnten, um auf diesem billigen Markt die Wende einzuläuten.
Etwa zwei Drittel der Aktien würden zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von weniger als eins gehandelt. Solche Werte wären plausibler, wenn mit einer deutlichen Verschlechterung der Rentabilität zu rechnen wäre, aber dies sei nicht der Fall.
Den japanischen Unternehmen gehe es besser, als die niedrigen Aktienkurse vermuten lassen würden. So stimme optimistisch, dass viele von ihnen ihre Gewinnprognosen angehoben und gleichzeitig ihre Wechselkursannahmen angepasst hätten, um der Stärke des Yens Rechnung zu tragen. Für die Stabilität der Wirtschaft spreche außerdem, dass sich die Renditen trotz des geringeren nominalen Wirtschaftswachstums und der deutlich stärkeren Währung wieder dem Niveau von 2007 angenähert hätten.
Neben der Rentabilität seien auch die Cashflows gestiegen. Dieses Geld fließe teils in die Tilgung von Schulden und teils in Fusionen und Übernahmen, komme aber auch den Aktionären in Form von Aktienrückkäufen oder Dividenden zugute. (Ausgabe Dezember 2010) (27.12.2010/fc/a/m)


