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Japan historische Wende in der Geldpolitik


19.10.10 09:22
Metzler Asset Management

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - In Japan scheint sich eine historische Wende in der Geldpolitik abzuzeichnen, so die Experten von Metzler Asset Management.

Bisher habe sich die Bank von Japan als äußerst unkooperativ erwiesen und jede Schuld für die Deflation von sich gewiesen. Die japanische Wirtschaftspolitik habe diesen Zustand über viele Jahre akzeptiert, weil durch die hohen Realzinsen das Einkommen von der jungen auf die alte Generation umverteilt worden sei. Letztere sei im Parlament überrepräsentiert und habe damit eine ausgesprochen starke Lobby. Die Dauerkrise habe jedoch bei den Politikern zu einem Umdenken geführt.

So würden die japanischen Parlamentarier derzeit ernsthaft einen Gesetzesentwurf diskutieren, wonach ein Inflationsziel von 2% für den Konsumentenpreisindex festgeschrieben werden solle - und Sanktionen für den Fall, dass dieses Ziel nicht erreicht werde. Der Gesetzentwurf sei von der neuen Partei "Your Party" eingebracht worden, die hauptsächlich von der jungen städtischen Bevölkerung gewählt worden sei. Vor diesem Hintergrund sei der Druck auf die Bank von Japan erstmals seit mehr als 20 Jahren merklich gestiegen, ihre Strategie in der Geldpolitik grundsätzlich zu überdenken.

Der Druck auf die Japanische Zentralbank habe sich noch durch die enttäuschenden Konjunkturindikatoren erhöht, die im Verlauf des dritten Quartals veröffentlicht worden seien. Anfang Oktober habe die Japanische Zentralbank reagiert und umfangreiche geldpolitische Lockerungen verkündet, um endlich die Deflation zu überwinden und die Binnenkonjunktur zu stimulieren.

Gleichzeitig habe die Regierung ein neues Konjunkturprogramm verabschiedet. Die Chancen für eine erfolgreiche Reflationierung der japanischen Wirtschaft seien nach Einschätzung der Experten damit so gut wie seit langem nicht mehr - zumal die für den japanischen Export wichtige chinesische Wirtschaft im Verlauf des dritten Quartals wieder an Dynamik gewonnen habe.

Chinas wichtiger Einkaufsmanagerindex sei im September auf 53,8 gestiegen, nachdem er noch im Juli auf 51,2 gefallen sei. Die chinesische Wirtschaft dürfte damit von einem zu hohen Wachstumstempo von 12% im ersten Halbjahr auf einen nachhaltigeren Wachstumspfad von 8% im zweiten Halbjahr eingeschwenkt sein.

Das größte Risiko für den Aufschwung in Asien würden die Experten in einer deutlich anziehenden Inflation sehen. Sowohl die Löhne als auch die Rohstoffpreise seien in den vergangenen Monaten so stark gestiegen, dass sie im vierten Quartal für entsprechend negative Inflationsüberraschungen sorgen könnten. Solche Befürchtungen würden auch dadurch genährt, dass in China zunehmend über Lohnsteigerungen von 20 bis 40% berichtet werde. (19.10.2010/fc/a/m)