Jupiter India Select SICAV-Fonds: Einheitliche Steuer hilft Indiens Wirtschaft - Fondsanalyse


10.07.17 13:42
Jupiter AM

London (www.fondscheck.de) - Die indische Steuer auf Waren und Dienstleistungen (Goods and Services Tax, GST) trat jüngst in Kraft, so Avinash Vazirani, Fondsmanager des Jupiter India Select SICAV bei Jupiter Asset Management.

Obgleich es auf kurze Sicht zu Herausforderungen kommen könne, dürften die mittel- bis langfristigen Auswirkungen für die indische Volkswirtschaft positiv ausfallen.

Mit der neu eingeführten Steuer auf Waren und Dienstleistungen setze die Modi-Regierung ihren Plan fort, das indische Finanzsystem zu modernisieren und zu rationalisieren. Ziel sei es, das komplexe System aus regionalen Steuern zu vereinfachen. Indien setze sich aus 29 Bundesstaaten zusammen und vor Einführung der GST hätten indische Unternehmen jedesmal, wenn sie Waren oder Dienstleistungen über die Bundesstaatsgrenzen hätten verkaufen wollen, Steuern zahlen müssen.

Die GST werde nun insgesamt 17 Abgaben auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene ersetzen. Aufgrund der Komplexität des vorherigen Systems sei die Logistik sehr aufwändig und kostspielig gewesen. Inoffizielle Bestechungsgelder seien an der Tagesordnung gewesen. Folge davon sei gewesen, dass die Logistikkosten in Indien mit 13 bis 14 Prozent des BIP zu den höchsten weltweit gezählt hätten. In Brasilien, Russland und China lägen sie zum Vergleich durchschnittlich bei 9 bis 10 Prozent und in den Industrieländern bei 7 bis 8 Prozent des BIP.

Die GST ersetze das alte Staat-für-Staat-System, womit Indien zum ersten Mal seit Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1947 ein gemeinsamer Markt sein werde.

Neben der Senkung der Logistikkosten für Unternehmen werde sich die GST auch auf den Steuersatz auswirken, den Verbraucher beim Kauf von Waren und Dienstleistungen zahlen müssten. Die Reform beinhalte die Schaffung unterschiedlicher Steuerstufen. Diese würden von gänzlichen GST-steuerbefreiten Stufen für Grundnahrungsmittel und Krankenhausrechnungen bis zum Höchstsatz von 28 Prozent für Unterhaltungselektronik und Kinotickets reichen.

Unternehmen müssten ihre Steuererklärungen künftig elektronisch einreichen, was es erschweren werde, Steuern zu vermeiden. Jene Firmen, die die Steuerregelungen bereits einhalten, sind im Vorteil und die Experten von Jupiter Asset Management denken, dass es zu einer Geschäftsverlagerung vom informellen Sektor zu diesen Unternehmen kommen wird.

Für viele Unternehmen bedeute die Einführung der GST eine Nettosenkung ihres Steueraufwands. Hierzu würden Unternehmen aus den Segmenten Grundnahrungsmittel, Smartphones und Luxusautos zählen. An anderer Stelle werde die GST zu einer höheren Gesamtbesteuerung führen, wie beispielsweise in der Unterhaltungselektronik oder im Bereich der Körperpflegeprodukte.

Nach Ansicht der Experten von Jupiter Asset Management greift die Aussage, dass die Sektoren mit niedrigeren Steuern profitieren, während Sektoren mit höheren Steuern verlieren, jedoch zu kurz. So bestünden in Indien beispielsweise Regelungen, die sich gegen Profitmacherei richten würden und wonach Unternehmen Steuersenkungen an Verbraucher weitergeben müssten. Auf der anderen Seite gebe es viele gut geführte Unternehmen mit soliden Marken, die trotz höherer Steuern ihre Umsätze und Gewinne weiter steigern könnten.

Was die direkten Auswirkungen auf den Jupiter India Select SICAV betreffe, so sollten sich diese in Grenzen halten. Der Fonds verfüge über breit gefächerte Anlagen in der indischen Wirtschaft und sei in Unternehmen investiert, die alle Steuerstufen der GST abdecken würden. Die Experten würden denken, dass die Unternehmen in ihrem Portfolio auf lange Sicht von der Reform profitieren würden, da sich das Geschäft vom informellen Sektor auf Unternehmen verlagern dürfte, die bereits steuerkonform agieren würden.

Die Experten von Jupiter Asset Management sind der Meinung, dass die neue einheitliche Steuer Indien mittel- bis langfristig nutzen wird. Die Steuereinnahmen des Landes dürften um bis zu 2 Prozent zulegen und die GST werde zu einer niedrigeren Inflation beitragen. Die niedrigeren Logistikkosten und eine geringere Anzahl an Steuerlöchern sollten dazu führen, dass Kosteneinsparungen am Ende an die Verbraucher weitergegeben würden.

Gleichwohl erkennen wir an, dass wir uns derzeit auf unbekanntem Terrain bewegen, so die Experten von Jupiter Asset Management. Da sich die Verbraucher an die neue Preisgestaltung anpassen müssten, könnte die Wirtschaft vorübergehend Probleme bekommen. Im September beginne die Festsaison in Indien und die Reaktion der Verbraucher werde ein erster Test für die Auswirkungen der Reform sein. Die Experten würden aber davon ausgehen, dass man starke Umsätze sehen werde. Festzuhalten sei auch, dass der Konsum selbst vor der Einführung der GST hoch gewesen sei, da Geschäfte bestrebt gewesen seien, ihre alten Bestände noch unter dem alten Steuersystem zu leeren. Hierdurch sei ein einmaliger wirtschaftlicher Impuls entstanden, der selbst eine womöglich darauffolgende Abschwächung des Konsums einigermaßen auffangen dürfte.

Obwohl die Einführung der GST unsere Anlagestrategie nicht nennenswert ändert, unterstreicht sie unsere wesentliche wirtschaftliche These: Die Modernisierung und Reformen der Modi-Regierung tragen dazu bei, das langfristige Wachstum der indischen Wirtschaft auf ein starkes Fundament zu stellen, so die Experten von Jupiter Asset Management. (10.07.2017/fc/a/f)






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