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Kaffeepreise vor Trendwende nach oben?


20.03.09 12:46
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Nicht viel Freude hatten in den letzten Monaten Anleger, die auf steigende Kaffeepreise spekulierten, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Ein erwarteter Angebotsüberschuss von rund fünf Millionen Säcken sei ebenso wenig ein geeigneter Nährboden für eine dauerhafte "Rally" wie die teilweise sehr schwachen konjunkturellen Aussichten für das laufende Jahr. Kürzlich jedoch hätten die Notierungen einen ordentlichen Satz nach oben gemacht. Und das nicht ohne Grund:

In ihrem Februar-Report habe die Internationale Kaffee-Organisation ihre Schätzung bezüglich des weltweiten Outputs von zuvor 133,4 auf jetzt 127,8 Millionen Bags reduziert. Verantwortlich hierfür seien in erster Linie signifikante Ernteeinbußen in Kolumbien, Vietnam und Indien. Anfang Januar habe sich zudem auch die brasilianische Regierung zu Wort gemeldet und die 2009er-Ernte auf 37,8 Millionen Säcke nach 51,1 Millionen Bags in der letzten Saison veranschlagt.

Auch wenn die Schätzungen der Behörden im "Land am Zuckerhut" traditionell eher etwas zu niedrig seien, herrsche Einigkeit darüber, dass die brasilianische Ernte erheblich geringer ausfallen werde als 2008. Insgesamt müsse davon ausgegangen werden, dass auch das amerikanische Landwirtschaftsministerium in Bälde seine Produktions-Prognose erkennbar zurücknehme. Bislang gehe man dort noch von einer Produktion zwischen 138 und 140 Millionen Bags sowie dem oben erwähnten Angebotsüberschuss von fünf Millionen Säcken aus.

Zudem präsentiere sich die Nachfrage überaus robust. Bereits seit Jahren steige der globale Kaffeekonsum und daran werde weder die Finanzkrise noch eine Rezession viel ändern können. Die Internationale Kaffee-Organisation sehe den Bedarf in diesem Jahr bei 128 Millionen Säcken und damit leicht über dem Angebot. Ob diese sehr bullishe Markteinschätzung eintreffe, müsse man sehen. Aber nach Einschätzung der Experten bestehe eine recht hohe Chance, dass der Angebotsüberschuss deutlich unter den noch geltenden Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums liegen werde.

Jedoch bleibe die Versorgungssituation selbst dann außerordentlich angespannt, wenn man die letzten USDA-Schätzungen als korrekt unterstelle. Dann würden die Endbestände auf 39,6 Millionen Säcke steigen. Das Ending Stock to Use Ratio liege bei 29 Prozent. Das seien zwar zwei Prozent mehr als im letzten Jahr. Im historischen Vergleich allerdings sei dieser Wert sehr niedrig. So habe sich die wichtige Kennzahl in den Jahren 2005 bis 2007 stets über 30 Prozent bewegt. Unter fundamentalen Gesichtspunkten spreche also eine ganze Menge für anziehende Kaffeepreise.

Anlass zur Hoffnung auf steigende Notierungen gebe darüber hinaus die Saisonalität. Von Mitte April bis Mitte Mai erhalte der Markt eine sehr starke Long-Unterstützung, die vor allem daher herrühre, dass es in dieser Zeit immer wieder zu Nachfrösten in Brasilien komme, die den empfindlichen Pflanzen schaden würden. Häufig jedoch seien die dahingehenden Ängste übertrieben, wodurch sich der anschließende Preisverfall erkläre. Nichtsdestotrotz dürften für kurzfristig orientierte Trader in den nächsten Wochen einige Prozent Gewinn mit Long-Engagements in Kaffee drin sein.

So denke offenbar auch die Mehrheit der kommerziellen Marktteilnehmer. Immerhin seien die Commercials - wenn auch marginal - netto long positioniert. Die Experten vom "Rohstoff-Trader" beobachten und handeln Kaffee nun schon seit vielen Jahren und speziell in der jüngeren Vergangenheit war es immer so, dass bei einer solchen Positionierung Kursaufschläge nicht allzu lange auf sich warten ließen. Sie würden aktuell keinen Grund sehen, warum es in diesem Jahr nicht ähnlich laufen sollte.

Sehr positiv hinsichtlich höherer Kaffeepreise präsentiere sich zudem die technische Seite. Der starke Support bei 105 US-Cents habe kürzlich das Ende der monatelangen Abwärtsbewegung markiert. In den zurückliegenden Tagen hätten die Notierungen dann bereits zulegen können. Entsprechend würden sowohl der MACD als auch die Stochastik momentan ein Kaufsignal generieren. Auch der RSI liege mit 55 im bullishen Bereich. Kurzfristig sollte damit der Widerstand bei 122 US-Cents getestet werden. Falle dieser, könnte es schnell auf bis zu 140 US-Cents hoch gehen. Risikobewusste Anleger sollten somit das Eingehen einer spekulativen Long-Position ernsthaft in Betracht ziehen. (20.03.2009/ac/a/m)