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Kein Ende der fallenden Rohstoffpreise in Sicht?
04.08.15 14:41
Danske Invest
Kopenhagen (www.fondscheck.de) - Die Rohstoffpreise sind in den Fokus der Investoren gerückt. Teils, weil es am Markt erhebliche Bewegung gibt und teils, weil die Preise in letzter Zeit eine auffällig fallende Tendenz zeigten, so Bo Bejstrup Christensen, Chefanalyst bei Danske Invest.
Nach Meinung der Analysten hätten im Augenblick insbesondere drei wichtige Faktoren Einfluss auf die Rohstoffmärkte, die im Folgenden näher erläutert würden.
Während der letzten fünfzehn Jahre sei Chinas Nachfrage nach einer ganzen Reihe von Rohstoffen schier unersättlich erschienen. Die Nachfrage sei dramatisch gestiegen und China sei bei bestimmten Rohstoffen, wie Kupfer oder Eisenerz, die wesentliche Triebkraft einer insgesamt gestiegenen Nachfrage gewesen. Hintergrund dafür sei vor allem der massive Bauboom gewesen, den China in den letzten fünfzehn Jahren erlebt habe. Die Bautätigkeit sei geradewegs explodiert - und so sei heute beispielsweise Chinas Stahlproduktion unbestritten immer noch die weltweit größte.
Bereits in den 1990er Jahren habe China die seinerzeit größten Stahlproduzenten der Welt - die USA und Japan überholt. Heute, 20 Jahre später, habe sich die Stahlproduktion in China verachtfacht. Seit 2010/11 habe sich das chinesische Wirtschaftswachstum jedoch zu verlangsamen begonnen.
In den letzten beiden Jahren habe es bei der Bautätigkeit praktisch keinen Zuwachs mehr gegeben und in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten sei die Tätigkeit sogar deutlich zurückgegangen. Für einen Markt, der größtenteils eine ewig steigende Nachfrage von China erwartet habe, sei das eine große Überraschung gewesen. Dies sei einer der Gründe dafür gewesen, dass die Rohstoffpreise so deutlich nachgegeben hätten. Beispielsweise sei der Kupferpreis seit 2011 um 40 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum sei der Preis für Eisenerz sogar um 60 Prozent gefallen.
Der zweite wichtige Faktor, der für anhaltend niedrige Rohstoffpreise sorge, sei das globale Wachstum. Dann natürlich spiele nicht nur China bei den Rohstoffen eine Rolle. Obgleich sowohl die USA als auch die Eurozone wieder Zuwächse verzeichnen könnten, handele es sich um ein historisch gesehen relativ schwaches Wachstum.
Der dritte Einflussfaktor seien die Finanzmärkte. Seien Rohstoffe früher etwas gewesen, was vor allem für die Industrie- und Lebensmittelproduktion verwendet worden sei, hätten sie sich heute auch zu einer bedeutenden Anlageklasse etabliert. Rohstoffpreise würden - anders als noch vor 20 Jahren - in weit höherem Maße von Faktoren beeinflusst, die auch für die Entwicklung der Finanzmärkte maßgeblich seien. Bedeutende Einflussfaktoren seien beispielsweise die Risikoaversion der Investoren sowie die weltweite Zinsentwicklung - ins Gewicht falle dabei insbesondere die künftige amerikanische Geldpolitik.
Bevor wir uns fragen, wie sich diese drei Faktoren in Zukunft auswirken, sollten wir auch einen genaueren Blick auf den Rohstoff Öl werfen, so die Experten von Danske Invest. Fast von einem Tag auf den anderen habe man einen enormen Boom der Ölproduktion in den USA erlebt, der durch das Fracking erreicht worden sei.
Noch gebe es keine Anzeichen dafür, dass das Wachstum der amerikanischen Ölproduktion ende. Stattdessen würden die Experten immer wieder davon überrascht, welche Produktionszuwächse die amerikanische Ölindustrie liefern könne.
Der massive Preisverfall des Erdöls liege vor allem daran, dass das Angebot an Öl weit stärker gewachsen sei, als von den Märkten erwartet worden sei. Die tatsächliche Produktion sei deutlich höher, als die Experten noch vor wenigen Jahren erwartet hätten.
Das Besondere an den Gewinnungsmethoden in den USA sei jedoch die Fähigkeit, sehr schnell zu reagieren. Es sei sehr einfach, eine Quelle zu öffnen und sie relativ schnell wieder zu schließen, wenn die Preise nachgeben würden. Daher hätten die USA die Rolle eines "Ausgleichsproduzenten der Welt" übernommen. Mit anderen Worten: Würden die Ölpreise deutlich steigen, so reagiere die amerikanische Ölindustrie sehr schnell und steigere das Angebot, woraufhin die Preise unter Druck geraten und wieder nachgeben würden. Dies funktioniere natürlich auch im umgekehrten Sinne, wenn die Ölpreise fallen würden.
Wir befinden uns aktuell in einer Phase, in der die Ölpreise eine ganze Zeit lang höchstwahrscheinlich deutlich niedriger bleiben werden als noch vor wenigen Jahren, so die Experten von Danske Invest. Seit 2010 bis zum letzten Sommer habe ein Barrel Brent-Öl etwa 110 Dollar gekostet. Im Augenblick bewege sich der Preis bei etwa 50 Dollar pro Barrel.
Wenden wir uns nun wieder dem Rohstoffmarkt insgesamt und unseren drei Faktoren zu, so sind die Aussichten weiterhin pessimistisch, soweit es China betrifft, so die Experten von Danske Invest. Bestenfalls werde die Bautätigkeit auf dem jetzigen Niveau verharren. In drei bis fünf Jahren würden die Experten damit rechnen, dass sie sogar abnehme. Die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen bleibe dementsprechend zunächst höchstens einigermaßen stabil. Im Horizont von drei bis fünf Jahren könne sie vielleicht sogar rückläufig sein.
Die Experten würden damit rechnen, dass China für den Rest dieses Jahrzehnts weiterhin mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von etwa fünf Prozent aufwarten könne. Doch dieses Wachstum werde weitaus weniger rohstoffintensiv als früher sein. Dies sei eine schlechte Nachricht für die Rohstoffförderer/ -produzenten, die über einen längeren Zeitraum enorme Summen investiert hätten, um das Angebot zu erhöhen und der - wie man geglaubt habe - ewig steigenden Nachfrage Chinas gerecht zu werden.
Für das globale Wachstum seien die Experten jedoch etwas optimistischer. Die Experten würden erwarten, dass die Wirtschaft der USA in den nächsten Jahren um etwa zwei bis drei Prozent wachsen werde, während das Wachstum in Europa noch einige Zeit lang bei zwei Prozent liegen werde. Dies stütze zwar das globale Wachstum, könne aber nach Ansicht der Experten nicht ganz die Abschwächung in China auffangen.
Schließlich würden die Experten damit rechnen, dass die US-Zentralbank im Herbst damit beginne, die Zinssätze zu erhöhen. Dies werde nicht nur eine einmalige Aktion sein, sondern der Beginn eines längeren Zinszyklus. Die Experten würden erwarten, dass die kurzfristigen Zinsen in den USA bis 2018 um mindestens vier Prozent steigen würden. Höhere Zinsen würden höhere Opportunitätskosten bei Investitionen in Rohstoffe bedeuten, was auf die Rohstoffpreise drücke.
Für langfristige Investoren würden die Experten daher das Renditepotenzial von Rohstoffen eher skeptisch sehen. Die Experten würden das Risiko von Investitionen in Rohstoffe für überdurchschnittlich hoch halten. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten richte sich der Fokus der Experten auf die beiden negativen Einflüsse, nämlich China und die Geldpolitik. Das Risiko von Verlusten bei Rohstoffen sei nach Meinung der Experten für den kurzfristigen Investor besonders hoch.
Niedrigere Rohstoffpreise würden die vom Rohstoffexport abhängigen Länder negativ treffen. Deshalb hätten die Experten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass sie damit rechnen würden, dass Lateinamerika in Schwierigkeiten geraten werde. Doch habe dies selbstverständlich auch Auswirkungen auf Länder, die sehr abhängig vom chinesischen Wachstum seien - hierzu zähle auch Australien. Daneben schaffe dies auch Probleme für Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf ein ewig anhaltendes hohes Wirtschaftswachstum in China ausgerichtet hätten.
Aber die Experten möchten betonen, dass es ihrer Einschätzung nach auch positive Auswirkungen geben werde. Viele Industrieunternehmen würden von den anhaltend niedrigen Rohstoffkosten profitieren. Dies stütze ihre Erträge. Zugleich werde die Gesamtinflation gedämpft, was die Kaufkraft der Verbraucher stärke und dafür sorge, dass die Zentralbanken nicht zu unnötigen Zinserhöhungen gezwungen seien. (04.08.2015/fc/a/m)
Nach Meinung der Analysten hätten im Augenblick insbesondere drei wichtige Faktoren Einfluss auf die Rohstoffmärkte, die im Folgenden näher erläutert würden.
Während der letzten fünfzehn Jahre sei Chinas Nachfrage nach einer ganzen Reihe von Rohstoffen schier unersättlich erschienen. Die Nachfrage sei dramatisch gestiegen und China sei bei bestimmten Rohstoffen, wie Kupfer oder Eisenerz, die wesentliche Triebkraft einer insgesamt gestiegenen Nachfrage gewesen. Hintergrund dafür sei vor allem der massive Bauboom gewesen, den China in den letzten fünfzehn Jahren erlebt habe. Die Bautätigkeit sei geradewegs explodiert - und so sei heute beispielsweise Chinas Stahlproduktion unbestritten immer noch die weltweit größte.
Bereits in den 1990er Jahren habe China die seinerzeit größten Stahlproduzenten der Welt - die USA und Japan überholt. Heute, 20 Jahre später, habe sich die Stahlproduktion in China verachtfacht. Seit 2010/11 habe sich das chinesische Wirtschaftswachstum jedoch zu verlangsamen begonnen.
In den letzten beiden Jahren habe es bei der Bautätigkeit praktisch keinen Zuwachs mehr gegeben und in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten sei die Tätigkeit sogar deutlich zurückgegangen. Für einen Markt, der größtenteils eine ewig steigende Nachfrage von China erwartet habe, sei das eine große Überraschung gewesen. Dies sei einer der Gründe dafür gewesen, dass die Rohstoffpreise so deutlich nachgegeben hätten. Beispielsweise sei der Kupferpreis seit 2011 um 40 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum sei der Preis für Eisenerz sogar um 60 Prozent gefallen.
Der zweite wichtige Faktor, der für anhaltend niedrige Rohstoffpreise sorge, sei das globale Wachstum. Dann natürlich spiele nicht nur China bei den Rohstoffen eine Rolle. Obgleich sowohl die USA als auch die Eurozone wieder Zuwächse verzeichnen könnten, handele es sich um ein historisch gesehen relativ schwaches Wachstum.
Der dritte Einflussfaktor seien die Finanzmärkte. Seien Rohstoffe früher etwas gewesen, was vor allem für die Industrie- und Lebensmittelproduktion verwendet worden sei, hätten sie sich heute auch zu einer bedeutenden Anlageklasse etabliert. Rohstoffpreise würden - anders als noch vor 20 Jahren - in weit höherem Maße von Faktoren beeinflusst, die auch für die Entwicklung der Finanzmärkte maßgeblich seien. Bedeutende Einflussfaktoren seien beispielsweise die Risikoaversion der Investoren sowie die weltweite Zinsentwicklung - ins Gewicht falle dabei insbesondere die künftige amerikanische Geldpolitik.
Bevor wir uns fragen, wie sich diese drei Faktoren in Zukunft auswirken, sollten wir auch einen genaueren Blick auf den Rohstoff Öl werfen, so die Experten von Danske Invest. Fast von einem Tag auf den anderen habe man einen enormen Boom der Ölproduktion in den USA erlebt, der durch das Fracking erreicht worden sei.
Noch gebe es keine Anzeichen dafür, dass das Wachstum der amerikanischen Ölproduktion ende. Stattdessen würden die Experten immer wieder davon überrascht, welche Produktionszuwächse die amerikanische Ölindustrie liefern könne.
Das Besondere an den Gewinnungsmethoden in den USA sei jedoch die Fähigkeit, sehr schnell zu reagieren. Es sei sehr einfach, eine Quelle zu öffnen und sie relativ schnell wieder zu schließen, wenn die Preise nachgeben würden. Daher hätten die USA die Rolle eines "Ausgleichsproduzenten der Welt" übernommen. Mit anderen Worten: Würden die Ölpreise deutlich steigen, so reagiere die amerikanische Ölindustrie sehr schnell und steigere das Angebot, woraufhin die Preise unter Druck geraten und wieder nachgeben würden. Dies funktioniere natürlich auch im umgekehrten Sinne, wenn die Ölpreise fallen würden.
Wir befinden uns aktuell in einer Phase, in der die Ölpreise eine ganze Zeit lang höchstwahrscheinlich deutlich niedriger bleiben werden als noch vor wenigen Jahren, so die Experten von Danske Invest. Seit 2010 bis zum letzten Sommer habe ein Barrel Brent-Öl etwa 110 Dollar gekostet. Im Augenblick bewege sich der Preis bei etwa 50 Dollar pro Barrel.
Wenden wir uns nun wieder dem Rohstoffmarkt insgesamt und unseren drei Faktoren zu, so sind die Aussichten weiterhin pessimistisch, soweit es China betrifft, so die Experten von Danske Invest. Bestenfalls werde die Bautätigkeit auf dem jetzigen Niveau verharren. In drei bis fünf Jahren würden die Experten damit rechnen, dass sie sogar abnehme. Die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen bleibe dementsprechend zunächst höchstens einigermaßen stabil. Im Horizont von drei bis fünf Jahren könne sie vielleicht sogar rückläufig sein.
Die Experten würden damit rechnen, dass China für den Rest dieses Jahrzehnts weiterhin mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von etwa fünf Prozent aufwarten könne. Doch dieses Wachstum werde weitaus weniger rohstoffintensiv als früher sein. Dies sei eine schlechte Nachricht für die Rohstoffförderer/ -produzenten, die über einen längeren Zeitraum enorme Summen investiert hätten, um das Angebot zu erhöhen und der - wie man geglaubt habe - ewig steigenden Nachfrage Chinas gerecht zu werden.
Für das globale Wachstum seien die Experten jedoch etwas optimistischer. Die Experten würden erwarten, dass die Wirtschaft der USA in den nächsten Jahren um etwa zwei bis drei Prozent wachsen werde, während das Wachstum in Europa noch einige Zeit lang bei zwei Prozent liegen werde. Dies stütze zwar das globale Wachstum, könne aber nach Ansicht der Experten nicht ganz die Abschwächung in China auffangen.
Schließlich würden die Experten damit rechnen, dass die US-Zentralbank im Herbst damit beginne, die Zinssätze zu erhöhen. Dies werde nicht nur eine einmalige Aktion sein, sondern der Beginn eines längeren Zinszyklus. Die Experten würden erwarten, dass die kurzfristigen Zinsen in den USA bis 2018 um mindestens vier Prozent steigen würden. Höhere Zinsen würden höhere Opportunitätskosten bei Investitionen in Rohstoffe bedeuten, was auf die Rohstoffpreise drücke.
Für langfristige Investoren würden die Experten daher das Renditepotenzial von Rohstoffen eher skeptisch sehen. Die Experten würden das Risiko von Investitionen in Rohstoffe für überdurchschnittlich hoch halten. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten richte sich der Fokus der Experten auf die beiden negativen Einflüsse, nämlich China und die Geldpolitik. Das Risiko von Verlusten bei Rohstoffen sei nach Meinung der Experten für den kurzfristigen Investor besonders hoch.
Niedrigere Rohstoffpreise würden die vom Rohstoffexport abhängigen Länder negativ treffen. Deshalb hätten die Experten bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass sie damit rechnen würden, dass Lateinamerika in Schwierigkeiten geraten werde. Doch habe dies selbstverständlich auch Auswirkungen auf Länder, die sehr abhängig vom chinesischen Wachstum seien - hierzu zähle auch Australien. Daneben schaffe dies auch Probleme für Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf ein ewig anhaltendes hohes Wirtschaftswachstum in China ausgerichtet hätten.
Aber die Experten möchten betonen, dass es ihrer Einschätzung nach auch positive Auswirkungen geben werde. Viele Industrieunternehmen würden von den anhaltend niedrigen Rohstoffkosten profitieren. Dies stütze ihre Erträge. Zugleich werde die Gesamtinflation gedämpft, was die Kaufkraft der Verbraucher stärke und dafür sorge, dass die Zentralbanken nicht zu unnötigen Zinserhöhungen gezwungen seien. (04.08.2015/fc/a/m)


