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Konjunktur: Die Falle schnappt zu
16.06.16 08:38
fairesearch
Frankfurt (www.fondscheck.de) - In ihrem neuen Wirtschaftsausblick benutzt die OECD sehr starke Formulierungen, um ihre Besorgnisse über den weiteren globalen Konjunkturverlauf auszudrücken: "Die Weltwirtschaft ist in einer Falle niedrigen Wachstums gefangen!", so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch"
Das klinge ganz nach japanischen Verhältnissen. Dort sei nach dem Platzen einer Aktien- und Immobilienblase im Jahr 1990 eine inzwischen 26 Jahre anhaltende Stagnationsphase eingetreten mit geringer Inflation, schwachen BIP-Wachstumsraten, stagnierendem Arbeitsmarkt und immer weiter steigender Staatsverschuldung auf zuletzt 245% des BIP.
China und Indien seien die Konjunkturlokomotiven für die Weltwirtschaft. Doch in China werde sich trotz der Nachfragestimulierung das BIP-Wachstum von 6,5% in 2016 auf 6,2% in 2017 verringern. In Indien dürfte die Wirtschaft dieses und nächstes Jahr um 7,5% wachsen. Doch viele Schwellenländer, so die OECD, würden an Schwung verlieren. Die Rezession in Russland und Brasilien halte weiter an. Brasiliens BIP dürfte sogar in 2016 um 4,3% und in 2017 um 1,7% schrumpfen.
Unter den großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften rechne die OECD für die USA mit einer moderaten Erholung. Doch 1,8% in 2016 und 2,2% in 2017 würden dennoch enttäuschend bleiben. Auch in der Eurozone entwickle sich das Wachstum nur langsam von 1,6% in 2016 auf 1,7% in 2017. Für Japan gehe die OECD von einem Wachstum von 0,7% in 2016 und 0,4% in 2017 aus. Für die 34 OECD-Mitglieder zusammengenommen würden 1,8% in 2016 und 2,1% in 2017 erwartet. Die OECD weise auf eine Reihe von Abwärtsrisiken hin, wie ein möglicher Brexit oder Verwerfungen an den Finanzmärkten.
Folgerung: Wie sollten Produktivität und Wachstum gesteigert werden? Die Geldpolitik sei am Ende und sei weniger effektiv als in der Vergangenheit. Der Grenznutzen der Lockerungen sei möglicherweise schon negativ. Die Finanzmärkte würden allmählich erkennen, dass der Allmacht der Zentralbanken Grenzen gesetzt seien und eine allzu expansive Geldpolitik kein Allheilmittel sei. Zu empfehlen wäre eine Normalisierung der Zinsstruktur, wie es die FED versuche, aber wegen der Schuldenhöhe nicht konsequent durchsetzen könne.
Die OECD rate zu einer umfassenderen Nutzung der Fiskalpolitik und einer Wiederaufnehmen struktureller Reformen. Doch kreditfinanzierte Investitionen der öffentlichen Hand würden nur die Staatsverschuldung erhöhen, die schon jetzt vielfach absurde Höhen erreicht habe. Die Forderung nach strukturellen Reformen höre sich theoretisch sehr gut an, sei aber an in der Praxis nicht durchzuführen, wenn sich die Parlamente gegen Reformen sträuben würden. "Ambitionierte Reformen", wie von der OECD gefordert, würden sich so gut wie gar nicht durchsetzen lassen.
Immer wahrscheinlicher werde eine Entwicklung wie in Japan. Die Solidität der öffentlichen Finanzen werde ständig weiter ausgehöhlt. Während die Welt in einem Schuldenmeer versinke, sei kein Verlass mehr auf das marode Papiergeldsystem. Die Finanzpolitik sei in keinem Land zu durchgreifenden Reformen fähig, da sie sich in den Parlamenten nicht durchsetzen lassen würden. So setze die Welt auf die Allmacht der Zentralbanken, die mit immer abenteuerlicheren Instrumenten der Geldpolitik die Konjunktur zu steuern versuchen würden. (Ausgabe vom 15.06.2016) (16.06.2016/fc/a/m)
Das klinge ganz nach japanischen Verhältnissen. Dort sei nach dem Platzen einer Aktien- und Immobilienblase im Jahr 1990 eine inzwischen 26 Jahre anhaltende Stagnationsphase eingetreten mit geringer Inflation, schwachen BIP-Wachstumsraten, stagnierendem Arbeitsmarkt und immer weiter steigender Staatsverschuldung auf zuletzt 245% des BIP.
China und Indien seien die Konjunkturlokomotiven für die Weltwirtschaft. Doch in China werde sich trotz der Nachfragestimulierung das BIP-Wachstum von 6,5% in 2016 auf 6,2% in 2017 verringern. In Indien dürfte die Wirtschaft dieses und nächstes Jahr um 7,5% wachsen. Doch viele Schwellenländer, so die OECD, würden an Schwung verlieren. Die Rezession in Russland und Brasilien halte weiter an. Brasiliens BIP dürfte sogar in 2016 um 4,3% und in 2017 um 1,7% schrumpfen.
Folgerung: Wie sollten Produktivität und Wachstum gesteigert werden? Die Geldpolitik sei am Ende und sei weniger effektiv als in der Vergangenheit. Der Grenznutzen der Lockerungen sei möglicherweise schon negativ. Die Finanzmärkte würden allmählich erkennen, dass der Allmacht der Zentralbanken Grenzen gesetzt seien und eine allzu expansive Geldpolitik kein Allheilmittel sei. Zu empfehlen wäre eine Normalisierung der Zinsstruktur, wie es die FED versuche, aber wegen der Schuldenhöhe nicht konsequent durchsetzen könne.
Die OECD rate zu einer umfassenderen Nutzung der Fiskalpolitik und einer Wiederaufnehmen struktureller Reformen. Doch kreditfinanzierte Investitionen der öffentlichen Hand würden nur die Staatsverschuldung erhöhen, die schon jetzt vielfach absurde Höhen erreicht habe. Die Forderung nach strukturellen Reformen höre sich theoretisch sehr gut an, sei aber an in der Praxis nicht durchzuführen, wenn sich die Parlamente gegen Reformen sträuben würden. "Ambitionierte Reformen", wie von der OECD gefordert, würden sich so gut wie gar nicht durchsetzen lassen.
Immer wahrscheinlicher werde eine Entwicklung wie in Japan. Die Solidität der öffentlichen Finanzen werde ständig weiter ausgehöhlt. Während die Welt in einem Schuldenmeer versinke, sei kein Verlass mehr auf das marode Papiergeldsystem. Die Finanzpolitik sei in keinem Land zu durchgreifenden Reformen fähig, da sie sich in den Parlamenten nicht durchsetzen lassen würden. So setze die Welt auf die Allmacht der Zentralbanken, die mit immer abenteuerlicheren Instrumenten der Geldpolitik die Konjunktur zu steuern versuchen würden. (Ausgabe vom 15.06.2016) (16.06.2016/fc/a/m)


