Erweiterte Funktionen

Lebendrind long lohnenswert?


09.07.09 09:02
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Die Fleischmärkte gehören traditionell nicht zu den Segmenten, in denen sich Privat-Investoren mit einem Hang zu Rohstoffen überdurchschnittlich stark engagieren, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Völlig links liegen lassen sollte man den Bereich jedoch nicht. Denn nicht selten böten sich speziell in diesem Sektor beachtliche Gewinn-Chancen. Mit am interessantesten dürfte gegenwärtig Lebendrind sein, weil man hier aus guten Gründen ein nicht zu unterschätzendes Aufwärtspotenzial sehe. Zu diesem Schluss komme man vor allem, wenn man sich die außerordentlich angespannte Angebotssituation vor Augen führe. Immerhin würden sich die amerikanischen Rinderbestände mit 94,49 Mio. Tieren aktuell auf einem 50-Jahrestief bewegen. Ausweislich des jüngsten Cattle-on-Feed-Reports von Anfang Juni würden sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten 10,407 Mio. Tiere in der Mast befinden. Gegenüber dem Vorjahr bedeute das ein Minus von 3,8 Prozent.

Zugleich habe der Wert recht deutlich unter den Erwartungen des Marktes gelegen. Von daher sei es nicht verwunderlich, dass das US-Landwirtschaftsministerium für das laufende Jahr von einem moderaten Rückgang der Rindfleisch-Produktion ausgehe. Bis dato sei der Output um vier Prozent gesunken. Und selbst wenn die Schlachtgewichte zunehmen sollten, rechne man angesichts der geringen Anzahl von Rindern mit einem Minus des Primärangebots von mindestens drei Prozent für 2009. Auch im nächsten Jahr werde es nicht viel besser aussehen. Die amerikanischen Behörden hätten sich kürzlich dahingehend geäußert, dass es im nächsten Jahr zu einem abermaligen Rückgang von etwa zwei Prozent komme. So gesehen lasse sich nicht leugnen, dass US-Rindfleisch momentan ein vergleichsweise knappes Gut sei.

Dieser Tatsache stehe auf der anderen Seite eine wahrlich boomende Nachfrage gegenüber, die in erster Linie vom starken Export getragen werde. Nachdem die letzten BSE-Fälle bereits einige Jahre zurücklägen, hätten diverse asiatische Staaten wie Süd-Korea oder Japan das Einfuhrverbot für amerikanisches Rindfleisch erkennbar gelockert oder sogar ganz aufgehoben. Nicht zuletzt deshalb seien die US-Ausfuhren im vergangenen Jahr regelrecht explodiert und um satte 35 Prozent angestiegen. Trotz dieses beeindruckenden Plus lasse sich ein Ende des Trends zu mehr amerikanischem Rindfleisch nicht ausmachen. In den ersten vier Monaten 2009 hätten die Exporte nochmals um sieben Prozent zugelegt, was ausgehend von dem deutlich erhöhten Anfangsniveau überaus bemerkenswert sei.

In den USA selbst könne es naturgemäß nicht zu einem vergleichbaren Konsum-Wachstum kommen. Tendenziell jedoch verderbe den Bürgern nicht einmal die massive Wirtschaftskrise die Lust auf das eher teure Rindfleisch. Unterm Strich dürfte die Nachfrage demzufolge im laufenden Jahr wenigstens in einem hohen einstelligen Prozentbereich zunehmen. Unter Berücksichtigung des sinkenden Angebots komme man somit nicht umhin, die Versorgungssituation fast schon als prekär zu bezeichnen. Auf die Schnelle fällt den Experten vom "Rohstoff-Trader" kaum ein anderer Rohstoff ein, bei dem die fundamentalen Rahmenbedingungen derart bullisch sind.

Auch technisch sehe der Markt im Hinblick auf steigende Notierungen durchaus viel versprechend aus. Zwar sei der August-Future nach einem recht deutlichen Anstieg zuletzt an seinem Widerstand bei etwa 86 US-Cents erst einmal nach unten abgeprallt. Dabei dürfte es sich allerdings lediglich um eine gesunde Korrektur handeln. Denn bislang habe der Markt keine Probleme die wichtige 18-Tages-Linie zu verteidigen. Abgesehen davon sei der seit Mitte Juni vorherrschende Aufwärtstrend trotz der Rücksetzer vollständig intakt und der MACD generiere nach wie vor ein Kaufsignal.

Gleiches gelte für den RSI. Lediglich die Stochastik habe mittlerweile auf verkaufen gedreht, wobei man das nicht überbewerten sollte, weil gerade dieser Indikator wegen seiner hohen Dynamik häufig Fehlsignale liefere. Kurzfristig könne man sich vorstellen, dass die Unterstützung bei 82,50 US-Cents möglicherweise noch einmal getestet werde. Im Extremfall könnte sogar der nächste Support bei 80,00 US-Cents in Angriff genommen werden. Auf Sicht von einigen Monaten sehe man jedoch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für signifikant höhere Kurse. Insofern sollten Investoren den Markt unbedingt im Auge behalten und bei weiteren Rücksetzern Long-Engagements ernsthaft in Betracht ziehen. (09.07.2009/ac/a/m)