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Mais mit weiterem Aufwärtspotenzial


13.05.09 09:35
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Mitte Januar des laufenden Jahres sorgte das US-Landwirtschaftsministerium für Aufsehen, als es seine Schätzungen bezüglich der 2009er-Endbestände von zuvor 1,474 auf 1,79 Milliarden Scheffel anhob, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Nichtsdestotrotz seien die Notierungen des beliebten Futtergetreides nur kurzfristig unter Abgabedruck geraten und speziell in den letzten Wochen habe der Markt sogar eine bemerkenswerte Stärke aufgewiesen. Nicht wenige Anleger würden sich daher die Frage stellen, ob und wenn wie viel Aufwärtspotenzial Mais auf dem gegenwärtigen Niveau noch habe.

Auch wenn die US-Behörde kürzlich die Ending-Stock-Prognose leicht auf 1,7 Milliarden Scheffel zurückgenommen habe, müsse man die Versorgungssituation bei Mais als durchaus komfortabel bezeichnen. Für 2009 und 2010 gehe man von einem Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch von 14 Prozent aus. Im historischen Vergleich bewege sich dieser Wert in etwa im oberen Mittelfeld. Weltweit liege die Ending Stock to Use Ratio ausgehend von einem Anstieg der Vortragsbestände von 130 auf 143 Millionen Tonnen sogar bei 19 Prozent. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne mithin nicht davon ausgegangen werden, dass es der Menschheit in absehbarer Zeit an Mais mangle.

Auf der anderen Seite bleibe festzuhalten, dass die Nachfrage in den kommenden beiden Jahren tendenziell über dem Angebot liegen dürfte. Für die USA rechne das Landwirtschaftsministerium zwar für das laufende Jahr noch mit einem kleinen Überangebot, welches sich jedoch ab 2010 in ein Angebotsdefizit verwandle. Auf globaler Ebene habe der Internationale Getreiderat bereits für die aktuelle Saison eine Angebotslücke von 13 Millionen Tonnen ausgemacht. Verantwortlich hierfür sei insbesondere das heiße und trockene Wetter in Südamerika, das den Pflanzen nicht unerheblich zugesetzt habe.

Darüber hinaus müsse nach dem gegenwärtigen Stand davon ausgegangen werden, dass die in Aussicht gestellte US-Produktion von 12,1 Milliarden Scheffeln im laufenden Wirtschaftsjahr nur schwerlich erreicht werden dürfte. Grund: Am 11. Mai seien lediglich 48 Prozent der Aussaat vollbracht gewesen. Ein Jahr zuvor seien es zu diesem Zeitpunkt stattliche 71 Prozent gewesen. Nachdem sich die Witterungsbedingungen mittlerweile verbessert hätten, werde ein Teil sicher aufgeholt.

Allerdings drohe die konkrete Gefahr, dass nicht wenige Farmer Sojabohnen statt Mais anpflanzen würden, weil das erstgenannte Getreide eine kürzere Anbauzeit benötige. Insofern sehe man eine nicht zu unterschätzende Wahrscheinlichkeit, dass die prognostizierte Anbaufläche für Mais von 85 Millionen Morgen sich als zu hoch erweise und der Output in den Vereinigten Staaten herabgesetzt werden müsse.

Sollte sich die Vermutung der Experten bestätigen, dass der Ertrag in den Vereinigten Staaten nicht wie prophezeit um zwei Prozent zunehme sondern stattdessen um einige Prozentpunkte zurückgehe, könnte sich die Versorgungssituation ungeachtet des schwachen Exports (für 2009 werde ein Minus von 30 Prozent erwartet, bis dato seien es sogar 35 Prozent) in Anbetracht der steigenden Ethanol-Nachfrage erkennbar verschlechtern.

Zugegeben: Bei den momentanen Erdölpreisen sei die Notwenigkeit, die Kapazitäten bei alternativen Kraftstoffen auszuweiten, nicht ganz so groß wie noch vor zwölf Monaten. Allerdings scheinen die Amerikaner mittlerweile ein Faible für Klimaschutz entwickelt zu haben und fördern mit beträchtlichen Mitteln die Verbreitung von Alkohol als Kraftstoff, so die Experten vom "Rohstoff-Trader". Wenngleich Ethanol nicht unbedingt der langfristige "Königsweg" sei, dürfte die Maismarkt zumindest in den kommenden Jahren eine gewisse Unterstützung von dieser Warte aus erhalten.

Die wenigstens moderat bullischen fundamentalen Rahmenbedingungen würden ergänzt durch eine Saisonalität, die in den kommenden Wochen noch für steigende Notierungen spreche. Ihr Jahreshoch würden die Maispreise für gewöhnlich Mitte/Ende Juni erreichen. Im den zweiten sechs Monaten komme es dann regelmäßig zu größeren Abverkäufen im Zusammenhang mit der Einbringung der US-Ernte. Dennoch könne sich ein spekulatives Long-Engagement im Hinblick auf die Saisonalität derzeit noch lohnen.

Durchaus vielversprechend in Bezug auf Kurszuwächse präsentiere sich auch die technische Seite: Der Abwärtstrend seit Sommer vergangenen Jahres sei mittlerweile "Geschichte" und stattdessen habe sich ein zarter Aufwärtstrend seit Ende 2008 herausgebildet. Im Bereich bei 350 US-Cents habe der Markt einen tragfähigen Boden generiert, der auch längerfristig nicht unterschritten werden dürfte. Sowohl der MACD als auch die Stochastik würden derzeit ein Kaufsignal geben und auch der RSI sei mit knapp 65 im bullischen Bereich.

In den kommenden Wochen bestehe damit einen recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass wenigstens der Widerstand bei 440/450 US-Cents getestet werde. Ausgehend von den aktuellen Kursen sei dieses Aufwärtspotenzial nicht unbedingt allzu beeindruckend. Mit einer schönen Hebelwirkung könnten Anleger aber auch von dieser Bewegung anständig profitieren.

Alles in allem erachte man Mais long für eine hoch interessante Trading-Idee zumindest auf Sicht von vier bis sechs Wochen. (13.05.2009/ac/a/m)