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Maispreis moderater Anstieg denkbar


06.02.09 09:19
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Derzeit kursiert im Internet eine Analyse, die bis Ende des laufenden Jahres einen Maispreis von 600 US-Cents prognostiziert, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Gegenüber den aktuellen Notierungen wäre das ein Plus von rund 70 Prozent. Selbst mit vergleichsweise defensiv gehebelten Anlageprodukten würde sich somit ein gewaltiger Gewinn ergeben, wenn die Vorhersage eintreffe. Das entscheidende Wörtchen in diesem Zusammenhang sei allerdings "wenn".

Besonders interessant sei, dass besagte Analyse zeitlich nach den letzten Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums veröffentlicht worden sei. Und diese seien alles andere als "bullisch" gewesen: Für die Saison 2008/09 würden die Endbestände mittlerweile bei 1,79 Milliarden Scheffel gesehen. Gegenüber den 1,474 Milliarden Scheffeln zuvor bedeute das einen signifikanten Anstieg, der jenseits aller Erwartungen gelegen habe. Die Ending Stock to Use-Ratio solle sich im Bereich von 15 Prozent bewegen und sei damit im oberen Mittelfeld der letzten acht Jahre angesiedelt.

Auch auf globaler Ebene würden die Behörden mit einem Zuwachs der Endbestände von 128 auf 136 Millionen Tonnen rechnen, woraus sich ein Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch von ebenfalls recht komfortablen 17 Prozent ergebe. Würden diese Zahlen im Wesentlichen eintreffen, werde es der Welt sicherlich an vielem mangeln, aber ganz bestimmt nicht an Mais.

Nicht zuletzt deswegen würden die Produktionsvorhersagen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums auch angezweifelt. Als Grund werde genannt, dass der Düngereinsatz aufgrund der angespannten finanziellen Lage bei vielen Produzenten deutlich zurückgehen solle. Wenngleich Düngemittel sicherlich schon billiger gewesen seien als derzeit, würden die Experten diese Argumentation zumindest für fragwürdig erachten. Farmer, die sich keinen Dünger mehr leisten könnten, seien wahrscheinlich am besten beraten, ihren Laden gleich ganz zu schließen.

Ferner sei zu bedenken, dass die Ernteschätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums mit 12,1 Milliarden Scheffeln bereits rund eine Milliarde Scheffel unter dem Wert des abgelaufenen Wirtschaftsjahrs liegen würden (13,04 Milliarden Scheffel). Damit werde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Anbaufläche in den Vereinigten Staaten 2008 ein absolutes Rekordniveau erreicht habe. Ob dem heuer ebenso sein werde, werde sich zeigen.

Da allerdings die Kultivierung von Mais zu den gegenwärtigen Weltmarktpreisen immer noch rentabel durchgeführt werden könne und andere Agrargüter, die auf dem Boden und in den Regionen gedeihen, keine besseren Margen versprechen würden, gehen die Experten vom "Rohstoff-Trader" von keinem noch höheren Rückgang der Anbaufläche aus. Die vier Prozent, die im Dezember 2008 von Informa Economics in Aussicht gestellt worden seien, würden ihnen realistisch erscheinen.

Nicht sonderlich optimistisch seien die Experten darüber hinaus für die Nachfrageseite. In den letzten beiden Jahren sei diese vor allem durch die Ethanol-Bemühungen der amerikanischen Regierung gestützt worden. Nachdem der Ölpreis nunmehr jedoch erkennbar zurückgekommen sei und der "Sprit vom Acker" ohnehin nur eine Übergangslösung darstelle, bis Elektroantriebe serienreif seien, sei zumindest nicht auszuschließen, dass der Ethanol-Boom vorbei sei, bevor er richtig begonnen habe.

Die entsprechenden Produzenten würden es bei den aktuellen Ölpreisen immer schwerer haben, Gewinne zu erwirtschaften und somit seien Produktionskürzungen sehr wahrscheinlich. Insofern würden sich die Experten nicht wundern, wenn der Maisbedarf sogar noch unter den prognostizierten 11,95 Milliarden Scheffeln liegen würde. Alles in allem spreche eine genaue Analyse der Angebot/Nachfrage-Situation also eher nicht für deutlich anziehende Mais-Notierungen.

Unter saisonalen Gesichtspunkten sei hingegen zumindest ein moderater Anstieg durchaus denkbar. Immerhin würden die Maispreise in den ersten Monaten eines jeden Jahres zur Stärke neigen, was vor allem auf Witterungsängste während der wichtigen frühen Anbauphase zurückzuführen sei. Da in den USA derzeit jedoch noch nicht mit der Aussaat begonnen worden sei, bestehe keine wirkliche Eile für den Aufbau von Long-Positionen. Im Frühjahr jedoch wollten die Experten nicht ausschließen, dass sich der eine oder andere Euro mit Engagements in Mais auf der "langen Seite" verdienen lasse.

Ein nicht zu unterschätzendes Argument für Long-Positionen sei des Weiteren die Positionierung der Teilnehmer am Terminmarkt. So seien beispielsweise die kommerziellen Händler zur Stunde mit über 30.000 Kontrakten netto long. Überaus interessant sei zudem, dass auch die Fonds in einer ähnlichen Größenordnung auf der "langen Seite" stünden. Per saldo auf der "kurzen Seite" würden sich die Kleinspekulanten befinden, die jedoch erfahrungsgemäß mit ihrer Meinung am häufigsten falsch liegen würden. Insofern komme man nicht umhin festzustellen, dass sich Long-Positionen nach den CoT-Daten in der Tat förmlich aufdrängen würden.

Gänzlich anders präsentiere sich demgegenüber die Charttechnik: Der Abwärtstrend seit Sommer letzten Jahres sei nach wie vor intakt. Erschwerend komme hinzu, dass der kleine Aufwärtstrend nach den jüngsten Rücksetzern gebrochen worden sei. Gleichzeitig würden sowohl der MACD als auch die Stochastik Verkaufssignale generieren. Auch der RSI sei mit 40 mittlerweile im bärischen Bereich angelangt und der März-Future notiere zudem erkennbar unter seiner 18-Tage-Linie. Alles in allem müsse daher aus technischer Sicht damit gerechnet werden, dass der Support bei etwa 350 US-Cents in Kürze erneut getestet werde. Halte dieser nicht, würden weitere Abgaben bis in den Bereich knapp über 300 US-Cents drohen.

Aufhellen würde sich das technische Bild erst bei einem Überschreiten der Widerstandszone zwischen 430 und 440 US-Cents. Davon sei der Markt gegenwärtig aber weit entfernt. Würden die 350 US-Cents verteidigt, könnten mutige Anleger den Aufbau einer spekulativen Long-Position wagen, wobei die Gewinnerwartungen allerdings nicht allzu hoch angesetzt werden sollten und ein solches Investment eher kurzfristigen Charakter haben sollte. (06.02.2009/ac/a/m)