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Next-11 als neuester Trend in Investmentbranche


31.05.07 10:56
comdirect bank

Quickborn (aktiencheck.de AG) - Elf Länder aus drei Kontinenten, kurz: Next-11 oder N-11 - das ist der neueste Trend in der Investmentbranche, so die Analysten der comdirect bank.

Dahinter würden sich, in alphabetischer Reihenfolge, Ägypten, Bangladesch, Indonesien, der Iran, Korea, Mexiko, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, die Türkei und Vietnam verbergen. Unter Investmentexperten würden die "nächsten Elf" als aussichtsreiche Nachfolger der vier BRIC-Staaten gehandelt, sie würden als die Stars von morgen gelten. Goldman-Sachs-Chefvolkswirt, Jim O’Neill, gehe davon aus, dass 80 Prozent der N-11-Länder im Jahr 2050 zu den Top-20-Wirtschaftsnationen zählen würden; aktuell würden sie zusammen rund 7 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmachen.

Um die elf neuen Hoffnungsträger herauszufiltern, hätten O’Neill und sein Analystenteam insgesamt 170 Länder unter die Lupe genommen. Dabei sei vor allem die Fähigkeit der Staaten geprüft worden, dauerhaft ein hohes Wachstumstempo beizubehalten. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von zuletzt 8,2 Prozent zähle beispielsweise Vietnam neben China und Indien zu den wachstumsstärksten Ländern der Welt. Analysten würden bis 2010 mit einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 7,9 Prozent rechnen, bis 2050 solle das Volkseinkommen des Landes auf das 60-Fache ansteigen. Auch Südkorea und Mexiko würden laut Goldman-Sachs-Prognosen über sehr gute Wachstumsaussichten verfügen.

Darüber hinaus hätten Inflation und Staatsverschuldung, Offenheit der Volkswirtschaft, politische Stabilität sowie demografische Faktoren eine entscheidende Rolle gespielt. Aktuell würden rund 1,2 Milliarden Menschen in den N-11-Staaten leben - Tendenz steigend. O’Neill und sein Team würden davon ausgehen, dass die wachsenden Bevölkerungszahlen den Volkswirtschaften einen zusätzlichen Aufschwung verleihen würden - insbesondere wenn die Ausbildungsniveaus in diesen Ländern weiter angehoben würden.

In diesem Punkt würden, O’Neill zufolge, derzeit vor allem Vietnam und Mexiko unter den N-11-Staaten eine Vorreiterrolle einnehmen. Ein weiterer Pluspunkt sei folgender: Die meisten Länder der Emerging Markets würden über eine sehr junge Einwohnerstruktur verfügen - im Gegensatz zu Westeuropa und Japan, wo der Trend eher zu einer Überalterung der Bevölkerung gehe.

Den großen Chancen und überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten der N-11-Länder stünden jedoch auch Risiken gegenüber. So sei die Größe ihrer Wirtschaft beziehungsweise der jeweiligen Börsen nicht einmal ansatzweise mit denen der BRIC-Staaten vergleichbar.

Auch durch politische Unsicherheiten müsse mit einer deutlich höheren Volatilität der Märkte gerechnet werden. Das jüngste Beispiel sei folgendes: Aufgrund der politischen Situation in der Türkei - Streit um die Präsidentenwahl und Putschdrohungen des Militärs - sei der türkische ISE-Index innerhalb von zwei Tagen um 10 Prozent in die Tiefe gesackt. Hinzu komme, dass die Aktienmärkte der meisten N-11-Staaten vergleichsweise gering kapitalisiert seien - ein Zugang nach Nigeria, Bangladesch und Iran sei noch gar nicht möglich.

Das spiegele sich auch in der Zusammensetzung der N-11-Fonds und Zertifikate wider; in den Produkten seien derzeit lediglich Titel aus acht statt elf Länder vertreten. Bei Zertifikaten sei die Nachfrage seitens der Kunden nach Emerging-Markets-Titeln immens. Seit kurzem würden daher zunehmend Zertifikate aufgelegt, die auch in Schwellenländern der dritten Generation investieren würden. Aufgrund ungleich höherer wirtschaftlicher und politischer Risiken als in den Märkten etablierter Industrienationen sollten Anleger insbesondere auf die Seriosität des Emittenten, ein aktives Management der Investments und eine ausgewogene Diversifizierung sowohl im Depot als auch innerhalb der Emerging-Markets-Investments achten. (Ausgabe Juni 2007) (31.05.2007/fc/a/m)