ODDO BHF Green Planet-Fonds: Bei Elektromobilität führt kein Weg an China vorbei - Fondsanalyse


17.10.23 14:00
ODDO BHF Asset Management

Düsseldorf (www.fondscheck.de) - Anfang September hat die EU-Kommission angekündigt, eine Untersuchung der chinesischen Subventionen für Elektrofahrzeuge einzuleiten, so die Experten von ODDO BHF Asset Management.

"Ohne dem Ergebnis dieser Untersuchung vorgreifen zu wollen, wird China in der Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge, insbesondere für Europa, unumgänglich bleiben", schreibe Nicolas Jacob, Fondsmanager des ODDO BHF Green Planet, in einem aktuellen Marktkommentar. Laut dem Europäischen Verband der Automobilhersteller (ACEA) seien 2022 auf China 15% der Importe von Elektrofahrzeugen in die Europäische Union entfallenn; eine Zahl, die sich in den letzten fünf Jahren versechsfacht habe.

Da die Batterie etwa 40% des Wertes eines elektrischen Fahrzeugs ausmache, sei sie das kritische Element für die Kontrolle der Wertschöpfungskette. Daher rühre Chinas Dominanz, so Jacob: China kontrolliere 80% der Lieferkette, die der Batteriemontage vorgeschaltet sei, mit einem Marktanteil von 77% bei der Lithiumraffination, 99% bei LFP-Kathoden (Lithium. Eisen, Phosphat) und 59% bei NMC-Kathoden (Nickel, Mangan, Cobalt), 90% bei Anoden und 86% bei Elektrolyten.

"Die Produktionskosten für Batterien sind in China 36% niedriger als in Europa und 16% niedriger als die nach den positiven Auswirkungen des Inflation Reduction Action (IRA) gesunkenen Kosten in den USA", führe der Fondsmanager von ODDO BHF Asset Management aus. China verfüge aktuell über eine bedeutend höhere Kapazität: 1.000 GWh im Jahr 2022 gegenüber 140 GWh in Europa und 75 GWh in den USA. Bis 2030 dürfte China auf eine Produktionskapazität von über 3.000 GWh kommen, Europa und die USA auf rund 1.000 GWh.

Technologisch dominiere China Jacob zufolge die Produktion von LFP-Akkus, eine Technologie, die im Wettlauf um das schnelle Aufladen am weitesten fortgeschritten und im Vergleich zur NMC-Technologie um etwa 20% billiger sei. Beides seien Schlüsselelemente für die Entwicklung eines Massenmarktes für Elektrofahrzeuge. Entsprechend hoch sei Chinas Anteil beim Absatz von Elektrofahrzeugen: 2022 seien es 5 Millionen verkaufte Einheiten bzw. 65% des Gesamtmarktes gewesen.

Die Abkopplung der Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge von China sei nach wie vor ein Hauptziel der Maßnahmen zur Förderung des ökologischen Wandels in den Vereinigten Staaten (IRA) und Europa (Green Deal). "Die Verlagerung der Produktion scheint langfristig ein erreichbares Ziel zu sein", so Nicolas Jacob. "Aber die Abhängigkeit von China bei den Rohstoffen und im oberen Bereich der Wertschöpfungskette (Anoden, Kathoden) birgt das Risiko, dass die Verlagerung mehrheitlich auf Montageaufgaben beschränkt bleibt." Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Entwicklung eines Ökosystems für Elektrofahrzeuge auch ein wichtiges Ziel des 14. Fünfjahresplans Chinas 2021-2025 sei. Die Priorität liege bei der Entwicklung der Produktion von Elektrofahrzeugen nach den höchsten technologischen Standards.

Der chinesische Hersteller BYD* (ISIN CNE100000296 / WKN A0M4W9) kämpfe aktuell mit Tesla* (ISIN US88160R1014 / WKN A1CX3T) um die weltweite Marktführerschaft. Durch die Herstellung seiner eigenen Batterien und des dazugehörigen Batterie-Managementsystems verfolge BYD eine stark vertikal integrierte Strategie, mit der die Rentabilitätsschwelle für Fahrzeuge um 30% gesenkt werden könne. Mit über 55% erziele BYD nach wie vor einen Großteil des Umsatzes in China, aber das Unternehmen expandiere schnell in anderen asiatischen Märkten und seit zwei Jahren auch in Europa.

*Keines der vorstehend genannten Unternehmen stellt eine Anlageempfehlung dar. (17.10.2023/fc/a/f)





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