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Orangensaft massiver Preisverfall


27.02.09 09:45
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - "Katerstimmung" dürfte derzeit nicht nur bei den überzeugten Karnevalisten herrschen sondern sogar bereits seit längerem bei Anlegern, die auf steigende Orangensaft-Notierungen hoffen, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Seit eine mehrjährige "Party" die Kurse von 60 auf über 200 US-Cents getrieben habe, seien die Preise in den vergangenen beiden Jahren nahezu wieder auf ihr Ausgangsniveau zurückgekommen. Nicht wenige Investoren würden sich deshalb derzeit fragen, wann der massive Kursverfall sein Ende finde.

Durchaus "bullische" News habe es kürzlich vonseiten des US-Landwirtschaftsministeriums gegeben: Für die laufende Saison würden die Behörden einen Rückgang der Florida-Ernte von 170 Mio. Kisten 2008 auf 158 Mio. Kisten im laufenden Jahr erwarten. Damit bewege sich die neuste Schätzung leicht unter den vorherigen Prognosen von 162 Mio. Boxen. Ebenfalls zurückgenommen worden seien die Vorhersagen für die Saft-Erzeugung. Im letzten Jahr sei der Rekordwert von 1,67 Gallonen pro Box produziert worden. 2009 sollten es lediglich 1,61 Gallonen werden.

Wenngleich die Nachrichten grundsätzlich die Vermutung steigender Notierungen nähren könnten, sollten Anleger nicht vergessen, dass Versorgungsengpässe bei Orangensaft bis auf weiteres ganz bestimmt nicht drohen würden. Immerhin würden sich ausweislich des jüngsten Cold Storage Reports 1,19 Mrd. amerikanische Pfund Orangensaft-Konzentrat in den US-Kühlhäusern befinden. Gegenüber dem Vorjahr bedeute dies einen Anstieg um 42 Prozent.

Abgesehen davon dürfte auch in Brasilien - dem weltweit größten Produzenten von Orangensaft - eine üppige Ernte heranwachsen, nachdem eine Krankheit zwar zwei Mio. Orangenbäume gekostet habe, mittlerweile aber im Griff zu sein scheine. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Weltmarktpreise würden einige Farmer sicherlich andere Feldfrüchte kultivieren und man gehe davon aus, dass der Orangen-Output ähnlich wie 2008 um etwa acht Prozent fallen dürfte. Nichtsdestotrotz sei der Markt damit immer noch mehr als ausreichend versorgt.

Das vor allem vor dem Hintergrund der massiven Nachfrage-Schwäche in den traditionellen Konsumentenstaaten, insbesondere den USA. Orangensaft erfreue sich dort bereits seit längerem einer sinkenden Popularität und werde immer öfter durch andere Säfte oder Mischgetränke ersetzt. Negative Auswirkungen auf die Nachfrage dürfte zudem die momentane wirtschaftliche Schwächephase haben, weil Orangensaft im Vergleich zu anderen Durstlöschern relativ teuer sei.

In einigen Schwellenländern steige der Konsum zwar kontinuierlich an, aber auch in diesen Staaten werde die Wirtschaftsflaute nicht spurlos an der Nachfrage vorübergehen. Abgesehen davon seien die dortigen Zuwächse nicht hoch genug, um das Minus in den etablierten Industrienationen zu kompensieren. Ungeachtet der aller Voraussicht nach sinkenden Ernteerträge in Florida stelle sich die fundamentale Situation damit nicht wirklich "bullisch" dar, sodass man zur Stunde eher von weiter rückläufigen als steigenden Kursen ausgehe.

Einen Long-Einstieg sollten Anleger frühestens mit Beginn der Hurrikan-Saison ab Sommer in Betracht ziehen, wobei zu berücksichtigen sei, dass die Wirbelstürme in punkto Häufigkeit und Heftigkeit erst Mitte September bis Mitte Oktober ihren Höhepunkt erreichen würden. Bis dahin sei noch reichlich Zeit und speziell in den kommenden Wochen und Monaten spreche die Saisonalität sowie das generelle Marktumfeld für einen weiteren Preisverfall.

Auch unter technischen Gesichtspunkten würden sich Long-Engagements zur Stunde nicht wirklich aufdrängen. Sämtliche Abwärtstrends seien unverändert intakt. Im Bereich von 65 US-Cents habe sich zwar eine Unterstützung herausgebildet, aber wenn man sich den Kursverlauf der letzten Monate anschaue, habe es derer viele gegeben, bevor es dann wieder eine Etage tiefer gegangen sei. Aufgrund des zuletzt gesehenen Anstiegs würden der MACD und die Stochastik zwar ein Kaufsignal generieren und auch der RSI befinde sich auf dem Weg in den "bullischen" Bereich.

Trotzdem werten die Experten vom "Rohstoff-Trader" die technische Lage lediglich als Konsolidierung in dem starken Abwärtssog und sehen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass es im Bereich des Widerstandes bei 70 bis 72 US-Cents wieder südwärts geht. Kurz- bis mittelfristig würden sie einen Test der langfristigen Unterstützung bei 60 US-Cents erwarten. In diesem Bereich könnte Orangensaft dann vielleicht wieder für die "Bullen" interessant werden. Derzeit sei das aber eher nicht der Fall. (27.02.2009/ac/a/m)