Quo vadis Weizen?


03.07.09 10:39
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - An den Getreidemärkten kam es in den zurückliegenden Handelswochen zu heftigen Abwärtskorrekturen, nachdem die Preise zuvor erkennbar anziehen konnten, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Besonders hart habe es dabei Weizen erwischt. Mittlerweile sei das begehrte Korn nicht mehr weit von seinen Tiefs aus dem letzten Dezember entfernt. Grund genug sich den Sektor wieder einmal etwas genauer anzusehen.

Unter Berücksichtigung der fundamentalen Rahmenbedingungen seien die jüngsten Kursrückgänge eigentlich überfällig gewesen. Denn genau genommen habe es keine handfesten Gründe für den vorangegangenen Anstieg der Notierungen gegeben. Immerhin stelle sich die Versorgungssituation im längerfristigen Vergleich überaus komfortabel dar. Zwar sehe das US-Landwirtschaftsministerium laut der Prognose vom 10. Juni die 2009/10er Endbestände nur noch bei 647 Millionen Scheffeln nach 669 Millionen Scheffeln in der Vorsaison. Nichtsdestotrotz liege das erwartete Ending Stock to Use Ratio damit bei 30 Prozent. In der zurückliegenden Dekade sei diese viel beachtete Messzahl nur einmal höher gewesen.

Auf globaler Ebene sehe es ähnlich aus: Hier würden die Experten mit einem Anstieg der Vorräte von 168 auf 183 Millionen Tonnen rechnen, was einem Verhältnis zwischen Beständen und Verbrauch von ebenfalls üppigen 28 Prozent entspreche. Kurz gesagt: An Weizen werde aller Voraussicht nach in näherer Zukunft kein Mangel herrschen.

Verantwortlich hierfür seien vor allem die in vielen wichtigen Erzeugerstaaten tendenziell günstigen Witterungsbedingungen, die kaum nennenswerte Ernteausfälle befürchten lassen würden. So seien in den Vereinigten Staaten zur Stunde bereits 40 Prozent des Winterweizens eingebracht worden. Im Fünfjahresvergleich bewege sich dieser Wert am oberen Ende. Zudem würden gegenwärtig 76 Prozent des Frühlingsweizens mit "good to excellent" bewertet. In der Vorsaison seien es zum jetzigen Zeitpunkt lediglich 74 Prozent gewesen. Aber auch in Staaten wie Kanada oder Australien sowie in der europäischen Region hätten sich die zeitweilig grassierenden Ängste vor größeren Ertragseinbußen nicht bestätigt.

Wenig Positives gebe es darüber hinaus auch von der Export-Front zu berichten. Nach Einschätzung der US-Behörden sollten die amerikanischen Weizenausfuhren in der laufenden 2009/10er Saison nicht zuletzt angesichts der überdurchschnittlichen Ernten in den meisten Produzenten-Ländern um elf Prozent fallen. Bislang liege das Minus gegenüber dem letzten Wirtschaftsjahr jedoch bei 36 Prozent. Getragen werde die Hoffnung primär von der Tatsache, dass US-Weizen mittlerweile wieder erheblich billiger geworden sei. Auf der anderen Seite müsse allerdings bedacht werden, dass die Preise im direkten Vergleich zu Weizen aus anderen Staaten immer noch ziemlich hoch seien.

Von daher sei die genannte Prognose nach Erachten der Experten mit einem nicht unerheblichen Risikofaktor verbunden. Sie würden es für durchaus möglich halten, dass die Ausfuhren stärker zurückgehen würden als bisher vermutet. Das hätte dann zwangsläufig weiter steigende Lagerbestände zur Folge, die Druck auf die Notierungen ausüben dürften. Alles in allem könne festgehalten werden, dass die Angebot/Nachfrage-Lage eher für fallende als für steigende Kurse spreche.

Zu einem gänzlich anderen Schluss gelange man demgegenüber, wenn man das Augenmerk auf die Saisonalität richte. Für gewöhnlich bilde Weizen Ende Juni sein Jahrestief aus. Im Anschluss gehe es regelmäßig aufwärts bis Mitte Oktober. Auch wenn der jahreszeitliche Preisverlauf speziell bei Weizen eine nicht zu unterschätzende Aussagekraft besitze, müsse letztlich abgewartet werden, ob dieses Muster auch im aktuellen Wirtschaftsjahr zutreffe. Vor dem Hintergrund des fast schon erdrückenden Angebots seien dahingehend zumindest Zweifel angebracht.

Erschwerend komme hinzu, dass die technische Situation zur Stunde keinen echten Spielraum für die Erwartung steigender Notierungen lasse. Ganz im Gegenteil: Der Juli-Kontrakt sei zuletzt unter seine zentrale Unterstützung bei etwa 520 US-Cents gerutscht. Damit werde ein Test des nächsten Supports bei 500 US-Cents zunehmend wahrscheinlicher, zumal sowohl der MACD als auch der RSI glasklare Verkaufssignale generieren würden. Da könne es auch nur eingeschränkt beruhigen, dass die Stochastik seit kurzem wieder auf "kaufen" gedreht habe, zumal der Markt erkennbar unter seinen wichtigen gleitenden Durchschnitten notiere und der Abwärtstrend seit März vergangenen Jahres nach wie vor absolut intakt sei.

Die Experten vom "Rohstoff-Trader" wollen nicht ausschließen, dass Weizen im Bereich der genannten 500 US-Cents nicht zuletzt in Anbetracht der Saisonalität einen Boden ausbilden kann. Für übermäßig wahrscheinlich würden die Experten diese Annahme jedoch nicht erachten. Von daher müssten sie zur Stunde von Long-Engagements tendenziell abraten - zumindest solange die Bodenbildung mit anschließender Trendwende noch nicht erfolgt sei. Bleibe eine solche aus und fällt der Markt unter die Marke von 500 US-Cents, seien eher Short-Spekulationen eine überlegenswerte Sache. (03.07.2009/ac/a/m)