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Renminbi weiterhin auf Wachstumskurs


27.03.12 11:42
AllianceBernstein

London (www.fondscheck.de) - Die Aussicht auf Währungsgewinne ist seit langem ein wichtiger Anziehungspunkt für Investoren, die ein Engagement in chinesische Vermögenswerte suchen. Jedoch bekundete die Chinesische Notenbank - The People's Bank of China (PBOC) - Mitte März, dass der Renminbi (CNY) nahe einer "ausgeglichenen" Bewertung zu anderen Währungen sei, so Anthony Chan, Ökonom für die asiatischen Märkte bei ACMBernstein in Hongkong.

Der Aufwärtstrend der chinesischen Währung sei nach Einschätzung der Experten trotzdem noch lange nicht zu Ende. Mit der Währungsbewertung Mitte März habe die chinesische Notenbank offenbar auf den jüngsten Rückgang des chinesischen Handelsüberschusses reagiert. Dieser sei in den letzten Monaten immer kleiner geworden. Im Februar habe China das größte monatliche Handelsdefizit seit 1989 verzeichnet. Ein Grund: Die Konjunkturschwäche in Europa und anderen Industrieländern, die weniger chinesische Exportgüter nachgefragt hätten. Gleichzeitig hätten steigende Energie- und Rohstoffpreise die Importpreise nach oben getrieben. Zusammen mit den höheren Kapitalabflüssen in der zweiten Jahreshälfte 2011 habe der jüngste Rückgang des Handelsüberschusses das Wachstum der enormen Fremdwährungsreserven Chinas gebremst und den Aufwertungsdruck auf den Renminbi gemindert.

Nur das Handelsdefizit im Februar zu betrachten, sei jedoch zu eng gedacht. Die Februardaten seien aufgrund des chinesischen Neujahrsfestes verzerrt. Dieses dauere traditionell eine Woche und belaste am Anfang jeden Jahres das Handelssaldo. Wenn sich die Entwicklung der vergangenen Jahre wiederhole, dürfte im zweiten Quartal eine erhebliche Verbesserung eintreten.

Nach Einschätzung der Experten werde der chinesische Handelsüberschuss vermutlich auch 2012 etwa zwei Prozent des BIPs beziehungsweise 150 Milliarden US-Dollar betragen und möglicherweise sogar noch etwas steigen, wenn die Ölpreise fallen würden oder die Exportnachfrage im Jahresverlauf anziehe. Die Fundamentaldaten würden also weiter eher für einen starken als für einen schwachen Renminbi sprechen.

Seit China sein Währungsregime in 2005 etwas gelockert habe und von einem festen zu einem flexiblen System übergegangen sei, habe der Renminbi im Vergleich zu dem gewichteten Durchschnitt der zentralen Währungen um etwa 20 Prozent aufgewertet. Im gleichen Zeitraum hätten sich die Währungsreserven des Landes mehr als vervierfacht, weil die chinesische Notenbank enorme Mengen an Fremdwährungen erworben habe (vor allem US-Dollar), um die Aufwertung des Renminbi zu bremsen. Die Währung dürfte also noch weiterhin eine Menge Aufholbedarf haben.

Als weiterer Grund für eine Renminbi-Aufwertung spreche, dass es China helfe, die Wirtschaft weniger exportabhängig zu machen. Die chinesische Politik versuche, die Exportabhängigkeit durch die Förderung der Binnennachfrage zu verringern. Ein stärkerer Renminbi könnte diesen Wandel erleichtern, weil sich die Chinesen dann mehr Importgüter leisten könnten.

Außerdem könne eine starke Währung dazu beitragen, die Inflation zu bremsen. Angesichts der steigenden Energie- und Rohstoffpreise sei das besonders wichtig. Zurzeit sei Asien der größte Verbraucher von Öl und Rohstoffen weltweit, mit China an der Spitze. Stärkere asiatische Währungen könnten dazu beitragen, die Last der Energieimporte zu mindern.

Schließlich würden die Experten davon ausgehen, dass im Zuge der Liberalisierung des chinesischen Finanzsektors auch die Investitionen aus dem Ausland steigen würden. Die Zuflüsse ausländischen Kapitals nach China, wo die Renditen erheblich höher seien als in den Industrieländern, dürften auch in den nächsten Jahren eine Aufwertung der Währung begünstigen.

Das Fazit laute: Trotz aller gegenteiligen Berichte und Diskussionen gehe man davon aus, dass der Renminbi sowohl im Jahr 2012 als auch in den Folgejahren weiter in moderatem Tempo aufwerte. (27.03.2012/fc/a/m)