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Rentenmärkte im Wechselbad der Gefühle
19.06.08 14:56
Metzler Investment
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - In der ersten Hälfte des Berichtszeitraums vom 1. November 2007 bis 30. April 2008 kam es zu einer ungewöhnlichen Entkopplung der Rentenmärkte in der Eurozone und den USA, berichten die Experten von Metzler Investment.
In den USA sei die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen deutlich um mehr als 0,5% bis Punkte auf 4,03% gesunken; dagegen habe die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Jahresende mit 4,33% auf nahezu dem gleichen Niveau wie zu Beginn des Berichtszeitraums gelegen. Zurückzuführen sei die freundliche Entwicklung am US-amerikanischen Rentenmarkt auf die Reaktion der Federal Reserve auf die Finanzmarktkrise und die Rezessionsrisiken in den USA gewesen. Allein im vierten Quartal habe die US-amerikanische Notenbank den Leitzins in zwei Schritten von 4,75% auf 4,25% gesenkt und weitere Leitzinssenkungen in Aussicht gestellt.
In der Eurozone habe die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen keinen Spielraum für Leitzinssenkungen gehabt, weil die Inflation im November überraschend kräftig auf 3,1% gestiegen sei und sich das Wirtschaftsklima insgesamt abgekühlt habe - wenn auch nur moderat: Zwar seien die wichtigsten Konjunkturindikatoren gesunken, sie hätten jedoch immer noch über ihren langfristigen Durchschnittswerten verharrt.
Die zweite Hälfte des Berichtszeitraums sei von deutlich sinkenden Staatsanleiherenditen geprägt gewesen. So sei der Index für Staatsanleihen aus der Eurozone, der JPM EMU, um mehr als 2,3% gestiegen. Die Rentenmärkte hätten insbesondere von der Erwartung der Marktteilnehmer, dass die Leitzinsen weiter sinken würden, und von den Rezessionstendenzen in den USA profitiert. Im Verlauf des ersten Quartals 2008 hätten die Akteure am Euroland-Rentenmarkt zwischenzeitlich sogar Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank von mehr als 1%-Punkt eingepreist.
Im Quartalsverlauf habe jedoch die Finanzmarktkrise auch den Rentenmarkt zunehmend belastet, da die Investoren aufgrund fehlender Refinanzierungsmöglichkeiten gezwungen gewesen seien, so genannte "Carry-Trades" aufzulösen. Mit Carry-Trades lasse sich die Renditedifferenz zwischen Unternehmensanleihen und Staatsanleihen verdienen, ohne Zinsänderungsrisiken einzugehen. Die Rückabwicklung von Carry-Trades habe den Effekt gehabt, dass Unternehmensanleihen auf einen sowieso schon illiquiden Markt hätten geworfen werden müssen und die Nachfrage nach Staatsanleihen kräftig gestiegen sei.
Insgesamt hätten Unternehmensanleihen in der Eurozone vor diesem Hintergrund eine um knapp 3%-Punkte schlechtere Wertentwicklung als Staatsanleihen verzeichnet.
Fundamental spreche vieles für wieder steigende Renditen in den kommenden Monaten. Aufgrund der stabilen Konjunkturentwicklung in der Eurozone und der hohen Inflationsrisiken sei mit keinen Leitzinssenkungen der EZB zu rechnen. Der Umstand, dass sich die Inflation mit einer Rate von 3,5% im März noch weiter vom Inflationsziel der EZB von 2% entfernt habe als in den Vormonaten, würde unter normalen Umständen sogar Leitzinserhöhungen erfordern. Nur die Finanzmarktkrise halte die EZB nach Meinung der Experten von Metzler Investment noch von einer restriktiveren Gangart ab. Eine sich weiter verschärfende Finanzmarktkrise würde zweifellos den fundamental gerechtfertigten Renditeanstieg in einen Renditerückgang umkehren.
Trotzdem würden die Akteure am Rentenmarkt nach Erachten der Experten immer noch die mittelfristigen Inflationsrisiken unterschätzen. Sobald sich die vorherrschende Marktmeinung dahingehend ändern sollte, dass die Preissteigerungen nicht mehr als temporärer Inflationsbuckel, sondern als dauerhaft hohe Inflation zu bewerten seien, würden kräftig steigende Renditen bei gleichzeitig zunehmender Steilheit der Renditestrukturkurve drohen. (19.06.2008/fc/a/m)
In den USA sei die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen deutlich um mehr als 0,5% bis Punkte auf 4,03% gesunken; dagegen habe die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen am Jahresende mit 4,33% auf nahezu dem gleichen Niveau wie zu Beginn des Berichtszeitraums gelegen. Zurückzuführen sei die freundliche Entwicklung am US-amerikanischen Rentenmarkt auf die Reaktion der Federal Reserve auf die Finanzmarktkrise und die Rezessionsrisiken in den USA gewesen. Allein im vierten Quartal habe die US-amerikanische Notenbank den Leitzins in zwei Schritten von 4,75% auf 4,25% gesenkt und weitere Leitzinssenkungen in Aussicht gestellt.
In der Eurozone habe die Europäische Zentralbank (EZB) dagegen keinen Spielraum für Leitzinssenkungen gehabt, weil die Inflation im November überraschend kräftig auf 3,1% gestiegen sei und sich das Wirtschaftsklima insgesamt abgekühlt habe - wenn auch nur moderat: Zwar seien die wichtigsten Konjunkturindikatoren gesunken, sie hätten jedoch immer noch über ihren langfristigen Durchschnittswerten verharrt.
Im Quartalsverlauf habe jedoch die Finanzmarktkrise auch den Rentenmarkt zunehmend belastet, da die Investoren aufgrund fehlender Refinanzierungsmöglichkeiten gezwungen gewesen seien, so genannte "Carry-Trades" aufzulösen. Mit Carry-Trades lasse sich die Renditedifferenz zwischen Unternehmensanleihen und Staatsanleihen verdienen, ohne Zinsänderungsrisiken einzugehen. Die Rückabwicklung von Carry-Trades habe den Effekt gehabt, dass Unternehmensanleihen auf einen sowieso schon illiquiden Markt hätten geworfen werden müssen und die Nachfrage nach Staatsanleihen kräftig gestiegen sei.
Insgesamt hätten Unternehmensanleihen in der Eurozone vor diesem Hintergrund eine um knapp 3%-Punkte schlechtere Wertentwicklung als Staatsanleihen verzeichnet.
Fundamental spreche vieles für wieder steigende Renditen in den kommenden Monaten. Aufgrund der stabilen Konjunkturentwicklung in der Eurozone und der hohen Inflationsrisiken sei mit keinen Leitzinssenkungen der EZB zu rechnen. Der Umstand, dass sich die Inflation mit einer Rate von 3,5% im März noch weiter vom Inflationsziel der EZB von 2% entfernt habe als in den Vormonaten, würde unter normalen Umständen sogar Leitzinserhöhungen erfordern. Nur die Finanzmarktkrise halte die EZB nach Meinung der Experten von Metzler Investment noch von einer restriktiveren Gangart ab. Eine sich weiter verschärfende Finanzmarktkrise würde zweifellos den fundamental gerechtfertigten Renditeanstieg in einen Renditerückgang umkehren.
Trotzdem würden die Akteure am Rentenmarkt nach Erachten der Experten immer noch die mittelfristigen Inflationsrisiken unterschätzen. Sobald sich die vorherrschende Marktmeinung dahingehend ändern sollte, dass die Preissteigerungen nicht mehr als temporärer Inflationsbuckel, sondern als dauerhaft hohe Inflation zu bewerten seien, würden kräftig steigende Renditen bei gleichzeitig zunehmender Steilheit der Renditestrukturkurve drohen. (19.06.2008/fc/a/m)


