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Rohöl Korrektur bereits beendet?
23.07.09 10:31
Rohstoff-Trader
Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Investoren, die zu Jahresbeginn noch davon ausgingen, dass der Ölpreis längerfristig "fertig" hat, wurden in den zurückliegenden Monaten eines Besseren belehrt, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".
Immerhin seien die Notierungen des "schwarzen Goldes" seit ihrem Wintertief im Bereich von 40 US-Dollar je Barrel zwischenzeitlich auf rund 70 US-Dollar angestiegen, bevor es zu einer neuerlichen Korrektur bis auf 60 US-Dollar gekommen sei. Von diesem Niveau aus habe sich der "Schmierstoff der Weltwirtschaft" zuletzt aber wieder nach oben arbeiten können und es stelle sich die Frage, ob die korrigierende Abwärtsbewegung damit bereits beendet sei und Öl vor einer neuen Hausse stehe.
Gegen eine "Mega-Rally" spreche zunächst einmal der Umstand, dass der Markt zur Stunde an einem nicht unerheblichen Überangebot leide. Seien 2008 lediglich 1,5 Millionen Barrel täglich produziert worden, die keine unmittelbaren Abnehmer gefunden hätten, seien es gegenwärtig 4,4 Millionen Fässer. Von daher stelle es keine allzu große Überraschung dar, dass die amerikanischen Lagerbestände per 10. Juli mit 344,5 Millionen Barrel 17 Prozent über dem Vorjahreswert liegen würden. Erkennbare Zuwächse bei den Vorräten hätten zudem auch die Öl-Produkte (Benzin, Heizöl, Diesel) sowie die strategische Öl-Reserve der Vereinigten Staaten verzeichnet. Gegenwärtig könne also von den in der Vergangenheit immer wieder gebetsmühlenartig beschworenen Versorgungsengpässen keine Rede sein.
Auf der anderen Seite sei es ein offenes Geheimnis, dass an der Börse die Zukunft gehandelt werde. Und in dieser Hinsicht sehe es gar nicht einmal so bärisch aus: So sei vonseiten der Internationalen Energie Agentur unlängst zu hören gewesen, dass man für 2010 von einem Nachfrage-Wachstum in Höhe von 1,7 Prozent oder 1,4 Millionen Barrel auf 82,5 Millionen Fässer ausgehe, nachdem der Bedarf im laufenden Jahr um etwa 2,9 Prozent zurückgehen dürfte. Überdurchschnittliche Zuwachsraten solle es in erster Linie in den Nicht-OECD-Staaten - allen voran China - geben, während man in den etablierten Industrienationen lediglich ein moderates Plus von 0,2 Prozent erwarte.
Angesichts der sich abzeichnenden konjunkturellen Erholung in zahlreichen Schwellenländern würden die Experten diese Vorhersage für durchaus realistisch halten. Allerdings sei dieses Szenario in den derzeitigen Kursen ihres Erachtens größtenteils bereits eingepreist, so dass die Experten das weitere Aufwärtspotenzial beim Öl unter Angebot/Nachfrage-Gesichtspunkten gegenwärtig eher für überschaubar halten würden. Längerfristig Besorgnis erregend für die "Öl-Bullen" sei darüber hinaus die Aussage der OPEC, dass es im Jahr 2013 zu einem Überangebot von 6,6 Millionen Barrel pro Tag kommen solle. Treffe diese Vorhersage ein, sei mit Kurssteigerungen ganz bestimmt nicht zu rechnen. Im Gegenteil: Dann werde es das "schwarze Gold" aller Voraussicht nach schwer haben, das aktuelle Preisniveau zu halten.
Mit vergleichsweise wenig Unterstützung hinsichtlich steigender Notierungen sei zudem kurzfristig an der politischen Front zu rechnen. Zu einer Eskalation des Iran-Konflikts scheine es wohl eher nicht zu kommen und möglicherweise liege das Regime in dem Mullah-Staat bereits in seinen "letzten Zügen". Für den Fall, dass es im Iran in absehbarer Zeit doch zu einer Öffnung gen Westen komme, wäre das Risiko von Lieferstörungen in dem wichtigen Erzeugerstaat merklich reduziert. In Ländern wie Nigeria müsse zwar nach wie vor immer wieder mit Anschlägen auf Fördereinrichtungen gerechnet werden. Allzu große Auswirkungen auf die Versorgungssituation habe solches jedoch nicht. Und auch die postkommunistischen Anwandlungen in Venezuela würden sich gegenwärtig im Rahmen halten.
Bullisch präsentiere sich demgegenüber die Saisonalität. Für gewöhnlich komme es zwischen August und Oktober zu signifikanten Kursanstiegen, die primär in Hurrikan bedingten Förderausfällen im Golf von Mexiko begründet liegen würden. Auch wenn bislang in dieser Hinsicht noch nicht allzu viel los gewesen sei, dürfe man diesen Gesichtspunkt sicher nicht unterschätzen. Für gewöhnlich erreiche die Hurrikan-Saison ihren Höhepunkt erst Mitte bis Ende September.
Auch aus charttechnischer Sicht könne mit tendenziell steigenden Notierungen gerechnet werden. Die wichtige Unterstützung bei 60 US-Dollar habe erfolgreich verteidigt werden können und zur Stunde kämpfe der August-Future mit seiner 18-Tages-Linie. Die Chancen, dass diese "geknackt" werde, stünden gar nicht schlecht, zumal die Stochastik bereits ein Kaufsignal generiere und der MACD unmittelbar vor einem solchen stehe. Ebenso sei der RSI im Steigen begriffen und nicht mehr weit vom bullishen Terrain über 50 entfernt.
Von daher können sich die Experten vom "Rohstoff-Trader" vorstellen, dass zumindest der Widerstand bei etwa 73 US-Dollar in den kommenden Wochen erneut getestet wird. Könne diese Marke überwunden werden, könnte es wenigstens bis auf 80 US-Dollar aufwärts gehen. Ob es dazu aber komme, bleibe abzuwarten. Mutige Anleger könnten das Eingehen von kurzfristigen Long-Positionen mit Hebel durchaus in Betracht ziehen, wobei ihnen klar sein sollte, dass das Aufwärtspotenzial beim Öl auf dem gegenwärtigen Niveau etwas begrenzt sei. (23.07.2009/ac/a/m)
Immerhin seien die Notierungen des "schwarzen Goldes" seit ihrem Wintertief im Bereich von 40 US-Dollar je Barrel zwischenzeitlich auf rund 70 US-Dollar angestiegen, bevor es zu einer neuerlichen Korrektur bis auf 60 US-Dollar gekommen sei. Von diesem Niveau aus habe sich der "Schmierstoff der Weltwirtschaft" zuletzt aber wieder nach oben arbeiten können und es stelle sich die Frage, ob die korrigierende Abwärtsbewegung damit bereits beendet sei und Öl vor einer neuen Hausse stehe.
Gegen eine "Mega-Rally" spreche zunächst einmal der Umstand, dass der Markt zur Stunde an einem nicht unerheblichen Überangebot leide. Seien 2008 lediglich 1,5 Millionen Barrel täglich produziert worden, die keine unmittelbaren Abnehmer gefunden hätten, seien es gegenwärtig 4,4 Millionen Fässer. Von daher stelle es keine allzu große Überraschung dar, dass die amerikanischen Lagerbestände per 10. Juli mit 344,5 Millionen Barrel 17 Prozent über dem Vorjahreswert liegen würden. Erkennbare Zuwächse bei den Vorräten hätten zudem auch die Öl-Produkte (Benzin, Heizöl, Diesel) sowie die strategische Öl-Reserve der Vereinigten Staaten verzeichnet. Gegenwärtig könne also von den in der Vergangenheit immer wieder gebetsmühlenartig beschworenen Versorgungsengpässen keine Rede sein.
Auf der anderen Seite sei es ein offenes Geheimnis, dass an der Börse die Zukunft gehandelt werde. Und in dieser Hinsicht sehe es gar nicht einmal so bärisch aus: So sei vonseiten der Internationalen Energie Agentur unlängst zu hören gewesen, dass man für 2010 von einem Nachfrage-Wachstum in Höhe von 1,7 Prozent oder 1,4 Millionen Barrel auf 82,5 Millionen Fässer ausgehe, nachdem der Bedarf im laufenden Jahr um etwa 2,9 Prozent zurückgehen dürfte. Überdurchschnittliche Zuwachsraten solle es in erster Linie in den Nicht-OECD-Staaten - allen voran China - geben, während man in den etablierten Industrienationen lediglich ein moderates Plus von 0,2 Prozent erwarte.
Mit vergleichsweise wenig Unterstützung hinsichtlich steigender Notierungen sei zudem kurzfristig an der politischen Front zu rechnen. Zu einer Eskalation des Iran-Konflikts scheine es wohl eher nicht zu kommen und möglicherweise liege das Regime in dem Mullah-Staat bereits in seinen "letzten Zügen". Für den Fall, dass es im Iran in absehbarer Zeit doch zu einer Öffnung gen Westen komme, wäre das Risiko von Lieferstörungen in dem wichtigen Erzeugerstaat merklich reduziert. In Ländern wie Nigeria müsse zwar nach wie vor immer wieder mit Anschlägen auf Fördereinrichtungen gerechnet werden. Allzu große Auswirkungen auf die Versorgungssituation habe solches jedoch nicht. Und auch die postkommunistischen Anwandlungen in Venezuela würden sich gegenwärtig im Rahmen halten.
Bullisch präsentiere sich demgegenüber die Saisonalität. Für gewöhnlich komme es zwischen August und Oktober zu signifikanten Kursanstiegen, die primär in Hurrikan bedingten Förderausfällen im Golf von Mexiko begründet liegen würden. Auch wenn bislang in dieser Hinsicht noch nicht allzu viel los gewesen sei, dürfe man diesen Gesichtspunkt sicher nicht unterschätzen. Für gewöhnlich erreiche die Hurrikan-Saison ihren Höhepunkt erst Mitte bis Ende September.
Auch aus charttechnischer Sicht könne mit tendenziell steigenden Notierungen gerechnet werden. Die wichtige Unterstützung bei 60 US-Dollar habe erfolgreich verteidigt werden können und zur Stunde kämpfe der August-Future mit seiner 18-Tages-Linie. Die Chancen, dass diese "geknackt" werde, stünden gar nicht schlecht, zumal die Stochastik bereits ein Kaufsignal generiere und der MACD unmittelbar vor einem solchen stehe. Ebenso sei der RSI im Steigen begriffen und nicht mehr weit vom bullishen Terrain über 50 entfernt.
Von daher können sich die Experten vom "Rohstoff-Trader" vorstellen, dass zumindest der Widerstand bei etwa 73 US-Dollar in den kommenden Wochen erneut getestet wird. Könne diese Marke überwunden werden, könnte es wenigstens bis auf 80 US-Dollar aufwärts gehen. Ob es dazu aber komme, bleibe abzuwarten. Mutige Anleger könnten das Eingehen von kurzfristigen Long-Positionen mit Hebel durchaus in Betracht ziehen, wobei ihnen klar sein sollte, dass das Aufwärtspotenzial beim Öl auf dem gegenwärtigen Niveau etwas begrenzt sei. (23.07.2009/ac/a/m)


