Erweiterte Funktionen

Rohöl startet jetzt eine neue Rally?


26.03.09 10:30
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Allzu lange ist es noch gar nicht her, dass das Thema Öl die Titelseiten nahezu sämtlicher Börsenzeitschriften zierte und sich die Analysten gegenseitig bei der Nennung von euphorischen Kurszielen überboten, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Doch wie heiße es so schön: Falle der Kurs erst einmal um, seien sie alle ruckzuck stumm. Derzeit scheine sich kaum noch jemand für das "schwarze Gold" zu interessieren. Häufig würden solche Phasen gute Einstiegsgelegenheiten für Anleger bieten. Sei es beim "Schmierstoff der Weltwirtschaft" jetzt genauso und stehe Öl möglicherweise unmittelbar vor einer neuen "Rally"?

Grund für den massiven Preisverfall von 140 auf 40 US-Dollar je Fass seien vor allem Sorgen gewesen, dass die momentane wirtschaftliche Schwächephase zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage führe. In der Tat werde gegenwärtig weniger Öl verbraucht als in den beiden Vorjahren, jedoch falle das Minus längst nicht so dramatisch aus wie befürchtet.

Das amerikanische Energieministerium habe die weltweite Nachfrage im laufenden Jahr aktuell auf 84,3 Millionen Barrel pro Tag beziffert. Das seien 1,4 Millionen Barrel weniger als 2008. Von einem wirklichen Einbruch des Verbrauchs könne mithin keine Rede sein, was primär daran liege, dass speziell in vielen Schwellenländern nach wie vor ansehnliche wirtschaftliche Zuwachsraten generiert würden und der Wohlstand der dortigen Bevölkerung kontinuierlich zunehme.

Nichtsdestotrotz hätten wir bei den Lagerbeständen in den zurückliegenden Monaten eine signifikante Entspannung gesehen. Mitte März hätten die US-Vorräte an Leichtöl bei 353,3 Millionen Barrel gelegen. Gegenüber den 306 Millionen Barrel zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres bedeute dies einen Zuwachs um rund 15 Prozent. Verantwortlich hierfür sei in erster Linie der Umstand gewesen, dass die Produktion in den letzten Monaten den Bedarf um etwa vier Millionen Barrel täglich überstiegen habe. Allzu lang sollte das allerdings nicht mehr der Fall sein.

Die OPEC habe bereits mehrfach ihre offizielle Fördermenge gekürzt. Zwar würden sich nicht alle Mitglieder an die Vorgaben halten. Unterm Strich habe der Output des Kartells im Februar aber dennoch lediglich 28,6 Millionen Barrel statt 31,8 Millionen Fässer im August 2008 betragen. Wesentlich bedeutsamer im Zusammenhang mit dem Angebot sei hingegen, dass eine Vielzahl von Ölfeldern, die auf einen hohen Weltmarktpreis angewiesen seien, zur Stunde nicht mehr profitabel arbeite.

Insofern müsse davon ausgegangen werden, dass die Produktion dort erheblich zurückgefahren oder vorübergehend ganz eingestellt werde. Das gelte in besonderem Maße für die Ölsand-Industrie in Kanada. Von daher verwundere es auch nicht, dass das Department of Energy für 2009 lediglich weltweite Produkte von 83,5 Millionen Fässer in Aussicht stelle. Treffe dies zu, würde der Markt erneut ein primäres Angebotsdefizit aufweisen. In einem derartigen Umfeld sei eher mit steigenden als mit weiter fallenden Notierungen zu rechnen.

Merklich aus dem Blickfeld der Marktteilnehmer geraten seien potenzielle Versorgungsstörungen. Zwar wäre es sicherlich übertrieben, die politische Situation in verschiedenen bedeutenden Erzeuger-Staaten als stabil zu bezeichnen. Dennoch spreche das Zugehen des amerikanischen Präsidenten auf den Iran dafür, dass es längerfristig zu einem vergleichsweise normalen Umgang zwischen der westlichen Welt und islamischen Produzenten-Ländern kommen könne. Auf der anderen Seite lasse sich jedoch nicht leugnen, dass dieser Zustand auch sehr schnell wieder kippen könne.

Natürlich seien Länder wie der Iran letztlich auf die Öl-Exporte zwingend angewiesen, so dass Drohungen, den Ölhahn zuzudrehen nur begrenzt ernst genommen werden könnten. Allerdings könnte eine Verschlechterung der Beziehungen in jedem Fall neue Ängste am Ölmarkt schüren, die mit Preisaufschlägen quittiert würden.

Wesentlich konkreter sei hingegen die in Bälde wieder anstehende Hurrikan-Saison in der Karibik. In den letzten Jahren sei diese recht moderat ausgefallen, was jedoch kein Garant dafür sei, dass es 2009 wieder so laufe. Nennenswerte Förderausfälle im Golf von Mexiko dürften dem Ölpreis einen ordentlichen Schub nach oben verleihen, vor allem weil die Versorgungssituation - wie gesehen - keineswegs so üppig sei, wie es einem die momentanen Notierungen glauben lassen machen könnten.

Für steigende Kurse spreche daneben auch die Charttechnik: Im Bereich von 40 US-Dollar scheine das "schwarze Gold" einen tragfähigen Boden ausgebildet zu haben. In den letzten Wochen hätten die Notierungen von diesem Niveau aus bereits erkennbar anziehen und sich über der wichtigen 18-Tage-Linie festsetzen können.

Entsprechend generiere der MACD auch ein unübersehbares Kaufsignal und auch der RSI liege deutlich im "bullischen" Bereich. Lediglich die schnellere Stochastik mahne zur Vorsicht bezüglich Long-Engagements. Kurzfristig wirke der Markt zwar etwas überkauft, so dass Rücksetzer nicht gänzlich auszuschließen seien. Auf Sicht von einigen Monaten gehe man aber davon aus, dass der Widerstand bei 60 US-Dollar überwunden werden könne. Dann seien schnell Kursen zwischen 70 und 80 US-Dollar drin. (26.03.2009/ac/a/m)