Rohöl steht der "Bärenmarkt" vor seinem Ende?


29.01.09 11:19
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Was hoch steigt, kann tief fallen: An diese Volksweisheit fühlt man sich unweigerlich erinnert, wenn man die Entwicklung des Ölpreises in den letzten Monaten und Jahren betrachtet, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

Noch im Sommer hätten für ein Fass des "schwarzen Goldes" rund 140 US-Dollar berappt werden müssen. Ende 2008 sei die gleiche Menge Öl teilweise für unter 40 US-Dollar zu haben gewesen. Die Experten würden sich fragen, wie die "Bären" bei dem einstigen "Superstar" unter den Rohstoffen derart die Oberhand hätten gewinnen können und ob berechtigte Hoffnung bestehe, dass die Baisse in Bälde ihr Ende finde.

Hauptursächlich für die "abschmierenden" Notierungen sei der durch die globale Wirtschaftskrise bewirkte Nachfragerückgang gewesen. Bereits in 2008 sei der Verbrauch leicht zurückgegangen und auch für dieses Jahr rechne das amerikanische Energieministerium mit einem Minus von mindestens 810.000 Barrel pro Tag auf nur noch 85,1 Millionen Barrel. Noch vor gut sechs Monaten sei für 2009 von einem Verbrauch in der Größenordnung von 86,5 Millionen Barrel täglich die Rede gewesen. Aber zum damaligen Zeitpunkt habe auch kaum jemand mit einem derart massiven konjunkturellen Einbruch gerechnet.

Angesichts dieser Entwicklung sei es nicht weiter verwunderlich, dass sich die Versorgungssituation beim "Schmierstoff der Weltwirtschaft" merklich entspannt habe. So habe sich am 16. Januar dieses Jahres 14 Prozent mehr Rohöl in den amerikanischen Lagertanks befunden als ein Jahr zuvor. Ob dieser Trend aber noch allzu lange anhalte, bleibe abzuwarten.

Denn im "Schlepptau" der geringeren Nachfrage sinke auch die weltweite Produktion. Für das laufende Jahr habe das US-Department of Energy einen Gesamt-Output von 84,9 Millionen Barrel pro Tag in Aussicht gestellt. Nach Erachten der Experten dürfte sich diese Schätzung als etwas zu defensiv entpuppen, vor allem weil die jüngsten Kürzungen der OPEC-Förderquote um 1,5 und 2,2 Millionen Barrel täglich einmal mehr von einigen Mitgliedern nicht konsequent umgesetzt würden. So sei die OPEC-Förderung im Dezember im Vergleich zum Vormonat nur um 500.000 Barrel auf 30,1 Millionen Fässer zurückgegangen.

Auf der anderen Seite sei zu berücksichtigen, dass viele Öl-Produzenten, die auf vergleichsweise hohe Weltmarktpreise angewiesen seien, ihre Förderung signifikant drosseln oder ganz einstellen würden. Aus diesem Grund erwarte man für dieses Jahr auch nur eine Fördermenge, die ganz leicht über dem Gesamtverbrauch liege. Von einer "Öl-Schwemme", wie sie die Kurseinbrüche vermuten lassen könnten, könne mithin keine Rede sein. Unter fundamentalen Gesichtspunkten halte man Öl gegenwärtig für zu billig, auch wenn mit einer neuen ausgeprägten "Rally" zumindest kurzfristig eher nicht zu rechnen sei.

Zu moderaten Kurszuwächsen könnte es jedoch allein unter saisonalen Gesichtspunkten demnächst kommen. Für gewöhnlich würden die Rohöl-Notierungen ab Ende Februar bis in den Herbst hinein deutlich zulegen. Von daher gebe es aktuell sicherlich erheblich schlechtere Zeitpunkte, um langsam aber sicher den Aufbau einer spekulativen Long-Position in Erwägung zu ziehen.

Charttechnisch spreche einiges dafür, dass der März-Future im Bereich von 40 US-Dollar einen tragfähigen Boden ausbilden könne. Immerhin sei die Marke bereits zweimal verteidigt worden. In den vergangenen Tagen habe der Markt jedoch abermals zur Schwäche geneigt und notiere erkennbar unter seiner 18-Tage-Linie. Zudem würden sowohl der MACD als auch die Stochastik ein Verkaufssignal generieren.

Zusätzlich befinde sich der RSI auf dem Rückzug und sei mittlerweile in den "bärischen" Bereich (unter 50) vorgedrungen. Kurzfristig seien weitere Abgaben demzufolge nicht auszuschließen. Vorerst sollte man den Markt am besten nur beobachten und sehen, ob die 40 US-Dollar abermals halten würden. Ergebe sich danach eine Umkehrformation, könne man sein Glück auf der "langen Seite" sicherlich versuchen. (29.01.2009/ac/a/m)