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Rohstoffe untergewichten, Aktien übergewichten


29.07.08 17:37
Swisscanto

Zürich (aktiencheck.de AG) - Mit Öl kann man sich derzeit viele Aktien kaufen, berichten die Experten von Swisscanto.

Die hohen Erdölpreise würden jedoch langsam ihre Wirkung in Form verminderter Nachfrage zeigen. Subventionskürzungen in Schwellenländern würden diesen Effekt verstärken. Dies dürfte auch den vergleichsweise günstig bewerteten Aktien Auftrieb geben. Viele schlechte Nachrichten und ein Gewinnrückgang von 20% seien bereits eskomptiert.

Für langfristig orientierte Staatsfonds Erdöl produzierender Länder dürfte es Sinn machen, ihre Aktienquoten zulasten von Regierungsanleihen zu erhöhen. Zwar seien viele Aktiencrashs durch geopolitische Spannungen in Erdöl produzierenden Ländern ausgelöst worden, weshalb damit zu rechnen sei, dass der Erdölpreis seine Versicherungsfunktion auch in Zukunft erfüllen werde. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass das physische Horten von Öl in den nächsten 35 Jahren nochmals höhere Renditen als der Weltaktienmarkt abwerfen werde. Nur nach dem ersten großen Erdölschock 1973 habe man noch mehr Aktien pro Barrel Rohöl einkaufen können.

Gleichzeitig seien Aktien nach dem jüngsten Kurseinbruch im Vergleich zu Staatsanleihen und dem Geldmarkt äußerst attraktiv, wenn man sich auf die Gewinnschätzungen und die realisierten Gewinne stütze, oder sie seien zumindest bei der Berechnung mit um fast 20% tieferen Trendgewinnen leicht unterbewertet. Ein rund 20-prozentiger Gewinnrückgang sei somit in den heutigen Kursen bereits mehr als eskomptiert.

Aufgrund der relativ attraktiven Bewertung der Aktien gegenüber Anleihen und gegenüber der (teuren) Strategie, Öl physisch zu horten, sowie der negativen Rollrenditen am kurzen Ende der Erdölkurve, die sich derzeit leicht im Contango befinde, würden die Experten Aktien zulasten von Rohstoffen und Cash leicht übergewichten.

Eine Verlangsamung des Rohstoffbooms würde den Aktienmärkten unmittelbar in Form von tieferen Inflationsraten und tieferen Inputkosten zugute kommen und dürfte eine Erholungsrally auslösen. Die Zentralbanken müssten sich weniger um die Inflationsbekämpfung kümmern, da der Inflationsanstieg sein Maximum erreicht hätte. Damit wäre ihre Munition größer, um gegen die Wirtschaftsabschwächung zu kämpfen.

Zudem stünden die Chancen auf eine weitere Entspannung an den Energiemärkten gut. Die Nachfrage reduzierende Wirkung der hohen Erdölpreise habe begonnen: Viele Airlines würden ihre Kapazität reduzieren oder hätten dies aufgrund Chapter 11 tun müssen. Die Anzahl stillgelegter Flugzeuge steige. Die Anzahl zurückgelegter Meilen und der Benzinverbrauch in den USA seien rückläufig. Der Verkauf von SUV-Spritmonstern kollabiere, und der Flottenverbrauch von Neuwagen sei massiv tiefer.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Treibstoff- und Energiesubventionen in diversen Entwicklungsländern wie China, Indonesien, Indien weiter gekürzt würden. Diese Kürzungen würden die Verbraucher in diesen Schwellenländern erstmals die Auswirkungen der vergangenen Ölpreisexplosion schmerzhaft spüren lassen und würden nach einigen Quartalen ebenfalls einen Nachfragerückgang auslösen.

Beispielsweise müssten die Preise für Diesel in Indonesien (China) um 167% (90%) steigen, um dasselbe Preisniveau wie in den USA zu erreichen. Subventionen in dieser Größenordnung könnten nicht lange aufrechterhalten werden, da sie den Staatshaushalt ruinieren würden. Die Wirtschaftsabschwächung in den entwickelten Ländern trage ebenfalls zur Entspannung bei.

Aufgrund der in Krisenfällen (bei Wiederaufflammen des Nahostkonflikts, Verschärfung der Irankrise, Ressourcenzwangsverstaatlichung in Russland und anderen Schwellenländern) negativen Korrelation mit Aktien und anderen Risikopapieren und der Möglichkeit, dass sich der Angebotsschock weiter fortsetze, würden die Experten jedoch nur ein moderates Untergewicht der Rohstoffe fahren. Grundsätzlich empfehle es sich, einen gewissen Versicherungsschutz gegen adverse Angebotschocks durch Investitionen in Rohstofffonds zuzulegen.

Generell dürfte zu viel Geld in Angstanlagen und zu wenig Geld in unterbewerteten riskanten Assets investiert sein. Mit der Stabilisierung der Inflationsraten würden die Stagflationsängste abgebaut, so dass nur noch die Rezessionsängste übrig bleiben würden. (Swisscanto Investment Update August 2008) (29.07.2008/fc/a/m)