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Rohstoffe weiterhin untergewichten


03.02.09 16:23
Swisscanto

Zürich (aktiencheck.de AG) - 2009 wird die Weltwirtschaft eine der schlimmsten Rezessionen der modernen Geschichte verzeichnen, so die Experten von Swisscanto.

Die erzwungenen Notverkäufe von stark fremdkapitalfinanzierten Investoren und der Nachfragezusammenbruch bei den Unternehmensinvestitionen und dem Privatkonsum würden zu einem hohen Deflationsrisiko führen. Problematisch sei insbesondere die Gleichzeitigkeit der Rezession. Es gebe derzeit praktisch keine Wachstumsinseln, weder in der geographischen Dimension, noch in der Industriedimension.

Welche Entwicklung sei für die einzelnen Anlagekategorien auf lange Frist zu erwarten? Geldmarktanlagen würden praktisch keinen Zins mehr abwerfen, das heiße so wenig wie noch nie in Friedenszeiten. Ein wichtiger Baustein der Krise bestehe darin, dass die Zentralbanken versuchen würden, "risikolose Anlagen" so teuer und unattraktiv wie möglich zu machen. So habe beispielsweise die Bank of England ihren Referenzzinssatz auf 1,5%, den tiefsten Stand seit ihrer Gründung 1694 gesenkt.

Eine ähnliche Aussage gelte für AAA-Staatsanleihen. Die explodierenden Staatshaushalte und die hohen Kreditspreads von Unternehmensanleihen würden mittelfristig gegen Staatsanleihen sprechen. Es könnte jedoch zu den nächsten unkonventionellen Maßnahmen der amerikanischen Zentralbank gehören, durch den Rückkauf von US-Staatsanleihen direkt den US-Staatshaushalt zu monetarisieren, um auch den Langfristzins nach unten zu drücken und extrem sichere Anlagen extrem teuer zu machen. Deshalb könnten Staatsanleihen kurzfristig durchaus attraktiv bleiben.

Aktien erscheinen zwar nach sehr vielen, auch konservativen Maßstäben, günstig bewertet, es stellt sich jedoch die Frage, welche Risikoprämie die Investoren dafür verlangen, mitten in der wohl größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg (zu früh) in Aktien zu investieren, so die Experten von Swisscanto. Aufgrund des stark negativen Wirtschaftsmomentums und der zu optimistischen Gewinnerwartungen der Analysten, welche zu Enttäuschungen führen würden, sei nur ein leichtes Aktienübergewicht opportun.

Firmenanleihen würden aufgrund der außergewöhnlich hohen Spreads selbst unter extremen Annahmen eine Outperformance gegenüber Staatsanleihen liefern. Nehme man an, dass rund 20% aller Firmen innerhalb von fünf Jahren Konkurs gehe und nur rund 20% der Ansprüche durch die Konkursmasse befriedigt werden könnten, so würde man mit Unternehmensanleihen immer noch eine bessere Rendite erzielen als mit Staatsanleihen. Allerdings wären die absoluten Renditen mit rund 3,9% alles andere als berauschend. Würden sich diese beiden Werte, wie sie in der der Weltwirtschaftskrise zu sehen gewesen seien, realisieren (man rechne mit einem optimistischeren Szenario), so würden Aktieninvestitionen zudem schlechter abschneiden als Firmenanleihen.

Aus drei Gründen halten die Experten von Swisscanto an ihrem Rohstoff-Untergewicht fest: Die ausgeprägte Contango-Situation bedinge eine hohe negative Rollrendite. Die Beschleunigung des Wirtschaftsabschwungs werde den Nachfrageeinbruch akzentuieren. Die Steilheit der Angebots- und Nachfragekurve bedeute, dass auch ein kleiner Nachfragerückgang einen hohen Preisrückgang auslösen könne. Die Tatsache, dass die erhöhten Spannungen im Nahen Osten und das gleichzeitige Auftreten des Gasstreites zwischen Russland und der Ukraine keinen nennenswerten preistreibenden Effekt erzielt hätten, sei ein negatives Zeichen. (Swisscanto Investment Update Februar 2009) (03.02.2009/fc/a/m)