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Rohstoffpreisinflation gestoppt


02.09.08 14:48
Swisscanto

Zürich (aktiencheck.de AG) - Der rückläufige Treibstoffkonsum in den Industrieländern und das Auflösen spekulativer Rohstoffpositionen stoppten die (Rohstoffpreis-) Inflation, so die Experten von Swisscanto.

Die Spitze scheine erreicht, womit sich der Spielraum der Nationalbanken wieder etwas ausweite. Mit der Bondrally würden sich Anpassungen in der Bondstrategie der Experten ergeben.

Bei Betrachtung der Inflationsraten müsse es den Notenbank-Chefs Angst und Bange werden: Die Jahresinflation, gemessen am Konsumentenpreisindex (KPI), habe in den USA 5,6%, in Europa 4%, in Großbritannien 4,4% und in der Schweiz 3,1% erreicht. Mit diesen Werten bewege sich die Inflation weit über den von den Notenbanken als komfortabel angesehenen 2%. Der Inflationsanstieg sei jedoch weitgehend von der starken Aufwärtsbewegung der Rohstoffpreise getrieben gewesen.

Es sei damit zu rechnen, dass sich die Inflation wieder der Kerninflation nähere und nicht umgekehrt. Damit werde auch die Spitze erreicht sein - und die Inflationsraten würden wieder zurückkommen. Ein anhaltend hohes Inflationsniveau sei nur denkbar, wenn es zu einem erneuten und dauerhaften Anstieg der Rohstoffpreise komme. Aufgrund der weiter erwarteten Wachstumsabschwächung bewerte Swisscanto dieses Szenario mit einer tiefen Wahrscheinlichkeit. Auch das Risiko der so genannten Zweitrunden-Effekte - die Inflation schlage auf die Löhne durch und dies wiederum auf die Kerninflation - würden die Experten als gering einschätzen.

Mit dem rückläufigen Treibstoff-Konsum in den Industrieländern und durch das Auflösen spekulativer Rohstoff-Positionen sei die (Rohstoffpreis-)Inflation vorerst gestoppt. Damit erleichtere sich auch die Arbeit der wichtigsten Notenbanken wieder etwas. Sie könnten sich wieder vermehrt auf die Liquiditätsversorgung des Finanzsystems und auf die Maßnahmen zur Bekämpfung der Wachstumsverlangsamung konzentrieren.

Dass dies notwendig sei, zeige sich daran, dass der Wirtschaftsabschwung nicht nur die USA, sondern auch Europa erreicht habe. Deutschland könne die negativen Wirtschaftsdaten vor allem aus Spanien, Italien und Irland nicht mehr kompensieren. Die Schweiz präsentiere sich dagegen bisher noch ausgesprochen resistent, wie die Einzelhandelszahlen und die Arbeitsmarktdaten zeigen würden, werde sich der erwarteten globalen wirtschaftlichen Abkühlung aber auch nicht entziehen können. Der Spielraum sei für die SNB (Schweizerische Nationalbank) begrenzt und die Experten würden mit keiner Zinsänderung rechnen.

Der Monat August sei von einer eigentlichen Bondrally geprägt gewesen; die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen seien auf breiter Front (USD, EUR, CHF, JPY, GBP) zurückgekommen. Diese Zinsbewegungen würden die Bondstrategie für den Monat September beeinflussen. Die Experten würden die Duration in Europa verlängern, da sie aufgrund der sich abkühlenden Konjunktur mit einer Zinssenkung durch die EZB rechnen würden. In der Schweiz würden sie die Duration bei den CHF-Anleihen hingegen leicht verkürzen und die Laufzeiten länger als zehn Jahre neu unter und diejenigen unter zehn Jahren neutral gewichten. Zudem würden sie sowohl in den USD- als auch in den JPY-Anleihen das ultralange Ende meiden.

Die Aktienstrategie setze weiterhin auf großkapitalisierte Titel und Wachstumstitel, untergewichte die teuren kleinkapitalisierten Titel und übergewichte den nichtzyklischen Detailhandel sowie Pharma- und IT-Titel. Der Kapitalgüterbereich sowie Finanzwerte würden untergewichtet bleiben. Die Experten würden das Finanzuntergewicht allerdings stetig durch Zukäufe von Versicherungen (Übergewicht), Brokern und japanischen Banken reduzieren.

Das Aktienübergewicht von 2% in der Balanced-Strategie würden die Experten beibehalten, da Aktien gegenüber Anleihen, d.h. vor allem gegenüber Staatsanleihen, immer noch attraktiv bewertet seien. Ebenso werde nichts am Untergewicht in den Rohstoffen geändert, da mit der Wirtschaftsabschwächung mit einem weiteren Rückgang vor allem der Energiepreise zu rechnen sei. Und zu guter letzt würden die Experten weiterhin auf Unternehmensanleihen setzen, die wegen hoher Credit-Spreads attraktiv bewertet seien. (Swisscanto Investment Update September 2008) (02.09.2008/fc/a/m)