Russische Wirtschaft im Blickpunkt


04.09.08 11:55
Robeco Deutschland

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - In den letzten zwei Monaten stand Russland im Mittelpunkt des Weltgeschehens, so Wim-Hein-Pals, Fondsmanager des Robeco Emerging Markets Fonds von Robeco Deutschland.

Die allgemeine Marktstimmung habe sich nicht zuletzt durch die Krise in Georgien eingetrübt, was zu einem enormen Abzug ausländischer Gelder vom russischen Aktienmarkt geführt habe. Die Gründe für den Abzug ausländischer Gelder aus dem russischen Aktienmarkt seien nach Meinung der Experten vielfältig und könnten nicht isoliert betrachtet werden.

Die globale Kreditkrise habe in den letzten Monaten dazu geführt, dass Investoren vermehrt Risiken in ihren Emerging Marktes-Portfolios abgebaut hätten. Im gleichen Zeitraum seien die Ölpreise und insgesamt der Rohstoffmarkt gefallen. Man stelle sich die Frage, was passiert sei.

Noch vor sechs Monaten sei Russland von vielen Investoren als der "sichere Hafen" gesehen worden. Bis dahin hätten die anziehenden Rohstoffpreise den russischen Markt vor den Auswirkungen der Kreditkrise weitestgehend abschirmen können. Diese Situation habe sich abrupt geändert. Nicht zuletzt das Thema Mechel, das viele Investoren an die Yukos-Affäre erinnert habe, habe einen unangenehmen Nachgeschmack im russischen Markt hinterlassen.

Als Folge hätten viele Aktienfonds Abflüsse in ihren Portfolios verzeichnet. Trotz allem hätten die letzten Untersuchungen gezeigt, dass passionierte Emerging Market-Fonds, auch wenn das Engagement reduziert worden sei, trotz allem ihre Übergewichtung in Russland beibehalten hätten. Für die russische Wirtschaft seien die Auswirkungen daher bisher minimal. Was am Markt jedoch zurückbleibe, seien verunsicherte Anleger. Die Bedenken der ausländischen Investoren könnten sich zukünftig in nachlassenden Direktinvestitionen auswirken, was bisher jedoch noch nicht absehbar sei.

Auch im Inland seien die Auswirkungen bisher moderat. Die Binnennachfrage sei weiterhin stabil. Die Unternehmensgewinne seien bisher von den politischen Gegebenheiten unberührt geblieben, mit der Ausnahme der Kohle- und Stahlbranche. Die Öl- und Rohstoffpreise seien weiterhin hoch und lägen damit über den Erwartungen vieler Analysten. Diese Entwicklung werde nach Meinung der Experten den inländischen Wohlstand und damit den inländischen Konsum auch zukünftig anheizen.

Die realen Gehälter seien im Juli in Russland um 11,6% angestiegen, was ebenso wie der anwachsende staatliche Stabilisierungsfonds, in den die Staatseinnahmen aus dem boomenden Ölgeschäft geleitet würden, für eine stabile Wirtschaft spreche. Darüber hinaus erwarte man in Russland eine rückläufige Inflation. Diese Kombination dürfte nach Meinung der Experten die Annahme einer stabilen, wenn nicht sogar anziehenden Binnennachfrage weiter unterstützen, auch wenn Investoren ihrer Meinung nach die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten sollten.

Man stelle sich die Frage, was diese politische Entwicklung für den Energiemarkt bedeute. Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass der russische Staat im Energiemarkt mitmische. Deutlich werde dies nicht zuletzt durch die hohe Besteuerung der Rohölexporteure. Ölpreise pro Barrel über 27 USD würden zu rund 85% besteuert. Die Steuereinnahmen hieraus würden Russlands anwachsenden Stabilisierungsfonds finanzieren. Der Nebeneffekt dieser Besteuerung sei, dass Investitionen in neue Ölfelder aktuell ausbleiben würden. Die russische Regierung habe jedoch erkannt, dass das aktuelle Steuerregime angepasst werden müsse, wenn die Ölproduktion in dem bestehenden Umfang fortgeführt werden solle.

Im Gegensatz zu den Erfahrungen mit anderen ölreichen Ländern gehe man in Russland von einer Steuersenkung aus. Dies sollte die Profitabilität des Ölsektors verbessern und das Wachstum nachhaltiger machen. Aktuell gehöre der russische Markt mit einem KGV von 7 zu den günstigsten Schwellenmärkten. Im Vergleich, der global Emerging Marktes werde momentan mit einem KGV von 10 gehandelt. Die Experten von Robeco Deutschland finden, dass der Preisabschlag für die politischen Risiken aktuell noch entschädigt.

Trotz allem sollten Anleger den Markt genau beobachten. Das Vertrauen in den russischen Markt sei zurückgegangen und habe einen schwierigen Markt zurückgelassen. Fallende Rohstoffpreise und politische Risiken hätten zu einem Abschwung am russischen Aktienmarkt geführt. Auch wenn die gesamtwirtschaftlichen Fundamentaldaten weiterhin positiv seien. (04.09.2008/fc/a/m)