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SNB zieht Notbremse
07.09.11 08:59
Vontobel Asset Management
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will mit sofortiger Wirkung einen Euro-Franken-Mindestkurs von 1,20 verteidigen und strebt eine "deutliche und dauerhafte Abschwächung des Frankens" an, so die Analysten von Vontobel Asset Management.
Das Vorhaben dürfte gelingen. Die Zentralbank begründe die Entscheidung vom 6. September mit der massiven Überbewertung des Frankens, die zu einer akuten Bedrohung für die Wirtschaft geworden sei. Nach der Bekanntmachung habe der Franken massiv an Wert verloren und zeitweise über zehn Prozent schwächer gegenüber dem Euro gehandelt. Er halte sich weiterhin knapp über der 1,20 Marke je Euro.
Vontobel gehe davon aus, dass die Verteidigung des neuen Wechselkursziels gelingen werde. Dies aus drei Gründen: Erstens habe die SNB durch die gewählte Formulierung ihre gesamte Reputation in die Waagschale geworfen. Zweitens dürfte sie das Einverständnis der Politik zu diesem ungewöhnlichen Schritt mit allen Konsequenzen eingeholt haben. Und drittens würden alle ernstzunehmenden Analysen selbst bei einem Kurs von 1,20 von einem überbewerteten Franken ausgehen. Die Analysten von Vontobel Asset Management selbst würden einen Kurs von rund 1,28 für angemessen halten.
Wie hoch seien die Kosten dieser Interventionen? Devisenmarktinterventionen zur Schwächung der eigenen Währung, sofern nicht sterilisiert, würden zu einer Erhöhung der Geldmenge und somit zu einer potenziell steigenden Inflation in der Zukunft führen. Sollte sich die Euro-Krise wieder verschärfen, könnten die nötigen Interventionsbeträge extrem ansteigen. Im derzeitigen deflationären Umfeld mit sich stark abkühlender Konjunktur stelle dies aber noch keine große Bedrohung dar. Vontobel erwarte, dass es der SNB gelingen werde, bei steigender Inflationsgefahr auch wieder angemessen Gegensteuer zu geben.
Die Euro-Franken-Analystenprognose in den kommenden Monaten bleibe unverändert bei 1,21. Allerdings erhöhe man die Zwölfmonatsprognose auf 1,20. Einen starken Anstieg des Euros gegenüber dem Schweizer Franken würden die Analysten in ihrem Basisszenario "muddling through" oder "Durchwursteln" noch für eher unwahrscheinlich halten. Denn die Euro-Probleme dürften nicht rasch gelöst werden.
Die potenziell anhaltenden Kapitalzuflüsse in den Schweizer Franken würden die SNB zu einer weiteren Erhöhung der Geldmenge veranlassen und die kurzfristigen Zinsen entsprechend sehr niedrig halten. Im Extremfall würden auch Negativzinsen in Betracht gezogen werden. Bei den längeren Laufzeiten im Anleihenbereich sei hingegen von einem Anstieg auszugehen, sodass man eine steilere Zinskurve erwarte. Denn das Wechselkursrisiko für Anleihen in Euro sei für Schweizer-Franken-Investoren deutlich geringer geworden. Allerdings gebe es weiterhin Gründe, warum sich die Anleihenrenditen nicht vollständig dem Euro-Niveau annähern würden. Die Solidität der Staatsfinanzen sei in der Schweiz nach wie vor deutlich höher und die Inflation niedriger.
Der Schweizer Aktienmarkt habe deutlich fester notiert. Vieles von der Wechselkursbewegung sei in den gestiegenen Preisen enthalten. Zudem seien die Probleme in der Eurozone nach wie vor ungelöst, sodass man zunächst von keinen weiteren namhaften Kursanstiegen ausgehe. Wichtiger für die Aktienmärkte werde sein, wie die Politiker in Europa die anstehenden Meilensteine im September angehen würden. Die Analysten würden somit bei Aktien unverändert untergewichtet bleiben.
Während die kurzen Zinsen weiterhin extrem niedrig bleiben würden, dürften die längeren Laufzeiten höher notieren. Der Nettoeffekt auf die Immobilienpreise sei leicht positiv. Auch der Goldpreis dürfte per saldo leicht profitieren, da der Schweizer Franken als "sicherer Hafen" nun weniger infrage kommen sollte. Das Gold werde dadurch noch mehr zum "safe haven" in unsicheren Zeiten.
Insgesamt behalte man die neutralen Fremdwährungspositionierungen in Euro und US-Dollar bei. Entsprechend empfehle man, Wetten gegen den Euro und für den Franken bei aktuellen Kursen um 1,20 aufgrund der klaren Äußerungen der SNB aufzulösen. (07.09.2011/ac/a/m)
Das Vorhaben dürfte gelingen. Die Zentralbank begründe die Entscheidung vom 6. September mit der massiven Überbewertung des Frankens, die zu einer akuten Bedrohung für die Wirtschaft geworden sei. Nach der Bekanntmachung habe der Franken massiv an Wert verloren und zeitweise über zehn Prozent schwächer gegenüber dem Euro gehandelt. Er halte sich weiterhin knapp über der 1,20 Marke je Euro.
Vontobel gehe davon aus, dass die Verteidigung des neuen Wechselkursziels gelingen werde. Dies aus drei Gründen: Erstens habe die SNB durch die gewählte Formulierung ihre gesamte Reputation in die Waagschale geworfen. Zweitens dürfte sie das Einverständnis der Politik zu diesem ungewöhnlichen Schritt mit allen Konsequenzen eingeholt haben. Und drittens würden alle ernstzunehmenden Analysen selbst bei einem Kurs von 1,20 von einem überbewerteten Franken ausgehen. Die Analysten von Vontobel Asset Management selbst würden einen Kurs von rund 1,28 für angemessen halten.
Wie hoch seien die Kosten dieser Interventionen? Devisenmarktinterventionen zur Schwächung der eigenen Währung, sofern nicht sterilisiert, würden zu einer Erhöhung der Geldmenge und somit zu einer potenziell steigenden Inflation in der Zukunft führen. Sollte sich die Euro-Krise wieder verschärfen, könnten die nötigen Interventionsbeträge extrem ansteigen. Im derzeitigen deflationären Umfeld mit sich stark abkühlender Konjunktur stelle dies aber noch keine große Bedrohung dar. Vontobel erwarte, dass es der SNB gelingen werde, bei steigender Inflationsgefahr auch wieder angemessen Gegensteuer zu geben.
Die potenziell anhaltenden Kapitalzuflüsse in den Schweizer Franken würden die SNB zu einer weiteren Erhöhung der Geldmenge veranlassen und die kurzfristigen Zinsen entsprechend sehr niedrig halten. Im Extremfall würden auch Negativzinsen in Betracht gezogen werden. Bei den längeren Laufzeiten im Anleihenbereich sei hingegen von einem Anstieg auszugehen, sodass man eine steilere Zinskurve erwarte. Denn das Wechselkursrisiko für Anleihen in Euro sei für Schweizer-Franken-Investoren deutlich geringer geworden. Allerdings gebe es weiterhin Gründe, warum sich die Anleihenrenditen nicht vollständig dem Euro-Niveau annähern würden. Die Solidität der Staatsfinanzen sei in der Schweiz nach wie vor deutlich höher und die Inflation niedriger.
Der Schweizer Aktienmarkt habe deutlich fester notiert. Vieles von der Wechselkursbewegung sei in den gestiegenen Preisen enthalten. Zudem seien die Probleme in der Eurozone nach wie vor ungelöst, sodass man zunächst von keinen weiteren namhaften Kursanstiegen ausgehe. Wichtiger für die Aktienmärkte werde sein, wie die Politiker in Europa die anstehenden Meilensteine im September angehen würden. Die Analysten würden somit bei Aktien unverändert untergewichtet bleiben.
Während die kurzen Zinsen weiterhin extrem niedrig bleiben würden, dürften die längeren Laufzeiten höher notieren. Der Nettoeffekt auf die Immobilienpreise sei leicht positiv. Auch der Goldpreis dürfte per saldo leicht profitieren, da der Schweizer Franken als "sicherer Hafen" nun weniger infrage kommen sollte. Das Gold werde dadurch noch mehr zum "safe haven" in unsicheren Zeiten.
Insgesamt behalte man die neutralen Fremdwährungspositionierungen in Euro und US-Dollar bei. Entsprechend empfehle man, Wetten gegen den Euro und für den Franken bei aktuellen Kursen um 1,20 aufgrund der klaren Äußerungen der SNB aufzulösen. (07.09.2011/ac/a/m)


