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Der Schatten des Brexit
12.07.16 13:05
Saxo Bank
Kopenhagen (www.fondscheck.de) - Unsicherheit ragt drohend über dem dritten Quartal 2016 und darüber hinaus, doch das muss nicht unbedingt negativ sein, so die Analysten der Saxo Bank.
Wenn diese Unsicherheit durch Reformen und Verbesserungen aufgefangen werde, könnten sich die gesamten derzeitigen Risiken im Nachhinein als Vorboten positiver Veränderungen entpuppen.
Die auf Multi-Asset-Anlagen spezialisierte Investmentbank Saxo Bank, habe den vierteljährlichen Ausblick zu globalen Märkten und wichtigen Handelsideen für das dritte Quartal 2016 veröffentlicht.
Der Sommer der Unzufriedenheit sei angebrochen. Unsicherheit regiere in Europa, der Schuldenzyklus habe seinen Höhepunkt erreicht und der Gesellschaftsvertrag werde angesichts der starken Abneigung der Wähler gegen das elitäre politische System neu gestaltet. Der Handel an den Märkten in Q3 werde sich um drei Aspekte drehen: höhere Volatilität umschiffen, Auswirkungen der populistischen Stimmung auf die soziale Ausrichtung erkennen und akzeptieren, dass die Weltwirtschaft (auch die Wirtschaft in den USA) wieder einmal mit der Rezession tändele.
Steen Jakobsen, Chefökonom und CIO der Saxo Bank, erläutere: "Persönlich mache ich mir keine allzu große Sorgen wegen des Brexit. In früheren Krisen habe ich gelernt, dass solche Ereignisse häufig zu handfesten Änderungen und manchmal sogar zu echten Reformen führen. Nach der Krise 1992 mit dem europäischen Wechselkursmechanismus sind das Wachstum und die Beschäftigung in Großbritannien sprunghaft angestiegen."
Er ergänze: "Die gute Nachricht ist: In den nächsten sechs bis zwölf Monaten werden wir ein Umschwenken hin zum dringend nötigen Mandat für Veränderungen feststellen. Die schlechte Nachricht: Das geht nur mit noch höherer Volatilität und noch stärkerer Unsicherheit."
Vor diesem Hintergrund liefere die Saxo Bank den folgenden Ausblick für die Hauptanlageklassen im dritten Quartal:
"Wir waren immer der Meinung, dass Europa sich in Krisenzeiten vorwärtsbewegt. Angesichts der zaghaften EU-Reformen der vergangenen Jahre hat sich dieser Eindruck leider in Wohlgefallen aufgelöst", so Christopher Dembik, Volkswirt bei der Saxo Bank.
Die Einwanderung sei das größte Risiko für die Europäische Union seit der Staatsschuldenkrise - und auch das Risiko, das am stärksten übersehen werde. So erscheine das Post-Brexit-Europa stärker gespalten als je zuvor. Die mangelhafte Einwanderungspolitik und die Wirtschaftsflaute hätten in ganz Kontinentaleuropa einen wachsenden Protest gegen die Elite ausgelöst. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Österreich, die fast ein ultrarechter Kandidat für sich habe entscheiden können und das unerwartete Resultat des britischen Referendums seien zwei deutliche Warnsignale an Brüssel: Eine Lösung müsse her, die die Randgruppen mit der Mitte vereinige und den zaghaften Reförmchen der Blockparteien in den letzten Jahren ein Ende mache.
Das Schreckgespenst der Brexit-Abstimmung werde angesichts der anhaltenden Schwäche des Pfund Sterling im Kielwasser des Referendums (die jedoch vermutlich bald an Schwung verlieren dürfte) noch lange eine große Rolle spielen. Dennoch würden die Analysten prognostizieren, dass der EUR/GBP-Wechselkurs im dritten Quartal vor anderen wichtigen GBP-Wechselkurspaaren im Zusammenhang mit den längerfristigen Fragen für Europa einen Spitzenwert erreichen werde, nachdem das Pfund Sterling schwere Einbußen habe hinnehmen müssen. Was die Marktstimmung vielleicht noch stärker belaste: Auch die FED scheine eher keine Unterstützung zu planen, die über ihre derzeitige Untätigkeit hinausgehe, und man sei wohl der Meinung, dass die Geldpolitik keine Antwort auf die neue Rezessionsgefahr sei. Kurz, der US-Dollar erscheine einmal mehr als sicherster Hafen für die kommenden Monate.
Nach dem Brexit-Votum seien die globalen Erträge auf ein neues Allzeittief gefallen, und nachdem sich die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen endgültig der Gemäßigtheit ergeben habe, würden im Konsens sehr niedrige Erträge für sehr lange Zeit erwartet. Und doch gebe es hinter den düsteren Wirtschaftsschlagzeilen kleine Hoffnungsschimmer, dass sich die Stimmung in vielen Teilen der Wirtschaft wieder bessere. Einige wichtige Risikofaktoren, die die Märkte in den letzten sechs Monaten in Atem gehalten hätten, hätten sich entweder totgelaufen oder sind mittlerweile weitgehend irrelevant. Die Ängste im Hinblick auf die Instabilität der Schwellenmärkte seien zurückgegangen und die EZB ziehe die Aufhebung der quantitativen Lockerung in Betracht. Für den wahrscheinlichen Fall einer allmählichen Verbesserung der Weltwirtschaftsaussichten erwarte man einen raschen Anstieg der Kernerträge (insbesondere der europäischen Kernerträge).
Auf der Grundlage des gegenwärtigen Weltwirtschaftsverlaufs würden die Analysten Aktien im dritten Quartal eher negativ sehen. Unter den am stärksten betroffenen Sektoren würden europäische Banken infolge der negativen Zinssätze weiter unter mangelnder Zuversicht und erneuter genauer Überprüfung der Nettozinsspanne leiden, während auch britische Aktien eine niedrigere Bewertung erhalten würden - was den Druck auf den FTSE 100 erhöhe. Das Brexit-Votum sei ein schwerer Schlag für das Finanzsystem, sodass die Zuversicht bei Unternehmen und Verbrauchern unter Umständen so stark schwinde, dass die Weltwirtschaft im vierten Quartal an den Rand des Stillstands gedrängt werden könnte. Aus diesem Grund betrachte man die kommenden Monate als wichtigsten Zeitraum seit der Eurokrise 2012.
Das zweite Quartal habe sich gegen die Trends seit 2014 behauptet, und dieses Jahr sei keine Ausnahme gewesen, nachdem eine von Öl und Gold angeführte Hausse den gesamten Rohstoffkomplex angehoben habe. An der Schwelle zum dritten Quartal würden die Wachstumsperspektiven in einigen großen Wirtschaften (z. B. USA und China) weiterhin infrage gestellt und die Probleme in Europa könnten einen Dominoeffekt am Weltmarkt auslösen. Diese Tatsachen würden zusammen mit der Unsicherheit durch das Brexit-Votum und dem Potenzial einer weiteren Stärkung des USD für dieses Quartal ein begrenztes Aufwärtspotenzial oberhalb von 50 USD pro Barrel Rohöl erwarten lassen. Dieselbe Unsicherheit habe kürzlich den Goldkurs als Fluchtwert ansteigen lassen, und die Analysten seien weiterhin positiv eingestellt; hiermit würden sie ihre Prognose für das Jahresende auf 1.350 pro Feinunze erhöhen. (12.07.2016/fc/a/m)
Wenn diese Unsicherheit durch Reformen und Verbesserungen aufgefangen werde, könnten sich die gesamten derzeitigen Risiken im Nachhinein als Vorboten positiver Veränderungen entpuppen.
Die auf Multi-Asset-Anlagen spezialisierte Investmentbank Saxo Bank, habe den vierteljährlichen Ausblick zu globalen Märkten und wichtigen Handelsideen für das dritte Quartal 2016 veröffentlicht.
Der Sommer der Unzufriedenheit sei angebrochen. Unsicherheit regiere in Europa, der Schuldenzyklus habe seinen Höhepunkt erreicht und der Gesellschaftsvertrag werde angesichts der starken Abneigung der Wähler gegen das elitäre politische System neu gestaltet. Der Handel an den Märkten in Q3 werde sich um drei Aspekte drehen: höhere Volatilität umschiffen, Auswirkungen der populistischen Stimmung auf die soziale Ausrichtung erkennen und akzeptieren, dass die Weltwirtschaft (auch die Wirtschaft in den USA) wieder einmal mit der Rezession tändele.
Steen Jakobsen, Chefökonom und CIO der Saxo Bank, erläutere: "Persönlich mache ich mir keine allzu große Sorgen wegen des Brexit. In früheren Krisen habe ich gelernt, dass solche Ereignisse häufig zu handfesten Änderungen und manchmal sogar zu echten Reformen führen. Nach der Krise 1992 mit dem europäischen Wechselkursmechanismus sind das Wachstum und die Beschäftigung in Großbritannien sprunghaft angestiegen."
Er ergänze: "Die gute Nachricht ist: In den nächsten sechs bis zwölf Monaten werden wir ein Umschwenken hin zum dringend nötigen Mandat für Veränderungen feststellen. Die schlechte Nachricht: Das geht nur mit noch höherer Volatilität und noch stärkerer Unsicherheit."
"Wir waren immer der Meinung, dass Europa sich in Krisenzeiten vorwärtsbewegt. Angesichts der zaghaften EU-Reformen der vergangenen Jahre hat sich dieser Eindruck leider in Wohlgefallen aufgelöst", so Christopher Dembik, Volkswirt bei der Saxo Bank.
Die Einwanderung sei das größte Risiko für die Europäische Union seit der Staatsschuldenkrise - und auch das Risiko, das am stärksten übersehen werde. So erscheine das Post-Brexit-Europa stärker gespalten als je zuvor. Die mangelhafte Einwanderungspolitik und die Wirtschaftsflaute hätten in ganz Kontinentaleuropa einen wachsenden Protest gegen die Elite ausgelöst. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Österreich, die fast ein ultrarechter Kandidat für sich habe entscheiden können und das unerwartete Resultat des britischen Referendums seien zwei deutliche Warnsignale an Brüssel: Eine Lösung müsse her, die die Randgruppen mit der Mitte vereinige und den zaghaften Reförmchen der Blockparteien in den letzten Jahren ein Ende mache.
Das Schreckgespenst der Brexit-Abstimmung werde angesichts der anhaltenden Schwäche des Pfund Sterling im Kielwasser des Referendums (die jedoch vermutlich bald an Schwung verlieren dürfte) noch lange eine große Rolle spielen. Dennoch würden die Analysten prognostizieren, dass der EUR/GBP-Wechselkurs im dritten Quartal vor anderen wichtigen GBP-Wechselkurspaaren im Zusammenhang mit den längerfristigen Fragen für Europa einen Spitzenwert erreichen werde, nachdem das Pfund Sterling schwere Einbußen habe hinnehmen müssen. Was die Marktstimmung vielleicht noch stärker belaste: Auch die FED scheine eher keine Unterstützung zu planen, die über ihre derzeitige Untätigkeit hinausgehe, und man sei wohl der Meinung, dass die Geldpolitik keine Antwort auf die neue Rezessionsgefahr sei. Kurz, der US-Dollar erscheine einmal mehr als sicherster Hafen für die kommenden Monate.
Nach dem Brexit-Votum seien die globalen Erträge auf ein neues Allzeittief gefallen, und nachdem sich die US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen endgültig der Gemäßigtheit ergeben habe, würden im Konsens sehr niedrige Erträge für sehr lange Zeit erwartet. Und doch gebe es hinter den düsteren Wirtschaftsschlagzeilen kleine Hoffnungsschimmer, dass sich die Stimmung in vielen Teilen der Wirtschaft wieder bessere. Einige wichtige Risikofaktoren, die die Märkte in den letzten sechs Monaten in Atem gehalten hätten, hätten sich entweder totgelaufen oder sind mittlerweile weitgehend irrelevant. Die Ängste im Hinblick auf die Instabilität der Schwellenmärkte seien zurückgegangen und die EZB ziehe die Aufhebung der quantitativen Lockerung in Betracht. Für den wahrscheinlichen Fall einer allmählichen Verbesserung der Weltwirtschaftsaussichten erwarte man einen raschen Anstieg der Kernerträge (insbesondere der europäischen Kernerträge).
Auf der Grundlage des gegenwärtigen Weltwirtschaftsverlaufs würden die Analysten Aktien im dritten Quartal eher negativ sehen. Unter den am stärksten betroffenen Sektoren würden europäische Banken infolge der negativen Zinssätze weiter unter mangelnder Zuversicht und erneuter genauer Überprüfung der Nettozinsspanne leiden, während auch britische Aktien eine niedrigere Bewertung erhalten würden - was den Druck auf den FTSE 100 erhöhe. Das Brexit-Votum sei ein schwerer Schlag für das Finanzsystem, sodass die Zuversicht bei Unternehmen und Verbrauchern unter Umständen so stark schwinde, dass die Weltwirtschaft im vierten Quartal an den Rand des Stillstands gedrängt werden könnte. Aus diesem Grund betrachte man die kommenden Monate als wichtigsten Zeitraum seit der Eurokrise 2012.
Das zweite Quartal habe sich gegen die Trends seit 2014 behauptet, und dieses Jahr sei keine Ausnahme gewesen, nachdem eine von Öl und Gold angeführte Hausse den gesamten Rohstoffkomplex angehoben habe. An der Schwelle zum dritten Quartal würden die Wachstumsperspektiven in einigen großen Wirtschaften (z. B. USA und China) weiterhin infrage gestellt und die Probleme in Europa könnten einen Dominoeffekt am Weltmarkt auslösen. Diese Tatsachen würden zusammen mit der Unsicherheit durch das Brexit-Votum und dem Potenzial einer weiteren Stärkung des USD für dieses Quartal ein begrenztes Aufwärtspotenzial oberhalb von 50 USD pro Barrel Rohöl erwarten lassen. Dieselbe Unsicherheit habe kürzlich den Goldkurs als Fluchtwert ansteigen lassen, und die Analysten seien weiterhin positiv eingestellt; hiermit würden sie ihre Prognose für das Jahresende auf 1.350 pro Feinunze erhöhen. (12.07.2016/fc/a/m)


