Schroder ISF Latin American neutral


07.06.06 08:38
FC Research

Westerburg, 7. Juni 2006 (aktiencheck.de AG) - Die Analysten von FC Research, der Analystenabteilung von fondscheck.de, stufen den Schroder ISF Latin American von "übergewichten" auf "neutral" herunter.

Im Zuge eines schwachen weltweiten Börsenumfeldes seien die Kurse an den lateinamerikanischen Börsen zuletzt erheblich unter Druck geraten. So habe der brasilianische Bovespa-Index im Mai, nach einem Anstieg auf knapp 42.000 Zähler, rund 13 Prozent verloren. Auch der argentinische Merval-Index habe, ausgehend von 1.900 Punkten, um 13 Prozent nachgelassen. Beim mexikanischen IPC-Index bewege sich der Kursrücksetzer sogar bei 14 Prozent, nachdem das Börsenbarometer bei knapp 22.000 Zählern ein neues Hoch erzielt habe. Angeheizt worden sei der Kursdruck zudem noch durch die letzten Aussagen von Ben Bernanke, dem Chef der US-Notenbank FED. Dieser habe nämlich auf Inflationsgefahren hingewiesen und vor einem verlangsamten Wirtschaftswachstum in den USA gewarnt. Die Marktteilnehmer hätten daher auf eine weitere Zinserhöhung gesetzt. Von einer raschen Kurserholung könne man daher zunächst nicht mehr ausgehen. Allerdings sei eine Entspannung am Aktienmarkt denkbar, mit einer darauf folgenden Seitwärtstendenz. Da der US-Aktienmarkt eine Leitfunktion besitze, wäre ein ähnlicher Verlauf auch an den lateinamerikanischen Börsen denkbar.

In diesem Umfeld sei es natürlich verständlich, weshalb der Schroder ISF Latin American seit Beginn des Jahres lediglich eine Performance von 0,9 Prozent geboten habe. Im Vergleich zu neun weiteren - von FC Research ausgesuchten - konkurrierenden Fonds sei die Performance des Schroder-Fonds allerdings ein wenig unterdurchschnittlich. So hätten die Vergleichsfonds im Schnitt ein Kursplus von 3 Prozent erzielt. Hinzu komme, dass sich der Latin American in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zur Benchmark, dem MSCI EM Latin America, eher marktneutral entwickelt habe.

Offenbar sei der seit August letzten Jahres amtierende Fondsmanager Allan Conway auf dem falschen Fuß erwischt worden. Conway sei bereits seit September 2004 bei Schroder an Bord. Damals habe er die Leitung des Teams für Schwellenländer-Aktien übernommen, bevor er schließlich den von ehemals James Gotto verwalteten Schroder ISF Latin America übernommen habe. Auf Sicht von drei Jahren stehe die Performance des Aktienfonds für lateinamerikanische Titel besser da. Hier könne der Fonds ein Kursplus von rund 204 Prozent verbuchen, während der Schnitt bei gut 200 Prozent gelegen habe. Hier sei allerdings ein Großteil des Ertrages dem ehemaligen Fondsmanager Gotto zuzurechnen.

Zu berücksichtigen sei neben der leicht überdurchschnittlichen Performance auch das leicht überdurchschnittliche Risiko. Mit einer Standardabweichung in den vergangenen 36 Monaten von knapp 20,9 Prozent liege der Schroder Latin American leicht über dem Durchschnitt von 20,2 Prozent. Der Kennziffer zufolge, habe der Fonds also seine Performance ein wenig volatiler erzielt als die Produkte der Konkurrenz. Damit zeige sich der Fonds schwankungsfreudiger als noch vor einem Jahr.

Mit rund 540 Mio. USD habe der Fonds jedenfalls einen guten Zulauf bekommen. Offenbar hätten Anleger seit der letzten FC Research-Empfehlung vor knapp einem Jahr verstärkt auf den Sektor Lateinamerika gesetzt. Der "neue" Fondsmanager sei jedenfalls seinem Vorgänger - was die Ausrichtung des Fonds angehe - Brasilien treu gewesen. Das Land mache mit 56 Prozent (Stand April 2006) immer noch den größten Anteil im Portfolio aus. Dabei setze der Schroder-Fonds im Gegensatz zum letzten Jahr verstärkt auf das Finanzwesen (Anteil von rund 22 Prozent), während der ehemalige stärkste Sektor Telekommunikationsdienstleistungen auf lediglich 16,3 Prozent komme. Mit Petrobras komme der stärkste Einzelwert allerdings aus dem Energiesektor.

Unverändert positiv sehe das Rating der Agenturen Standard & Poor's sowie Morningstar aus. Der Latin American erhalte von beiden Ratingagenturen weiterhin vier von vier möglichen Sternen. Ein gemischtes Bild biete derweilen die Gebührenstruktur des Schroder-Fonds. Mit einem Ausgabeaufschlag von 5,26 Prozent bewege man sich im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten eher am oberen Rand. Die Verwaltungsgebühren von 1,5 Prozent würden sich dagegen im grünen Bereich bewegen.

Für die Marktteilnehmer stelle sich nun die Frage, wie die Entwicklung an den lateinamerikanischen Märkten weiter gehe. Die Performance des Schroder-Fonds verdeutliche, dass der Sektor jahrelang gut gelaufen sei. Neben den Optimisten würden sich allerdings die Stimmen mehren, dass der Markt heiß gelaufen sein könnte. Mit dem Latin American aus dem Hause Schroder spiele man in diesem Markt nach Ansicht der FC Research-Analysten seit dem Managerwechsel mit leicht erhöhtem Risiko, da sich Conway mit seinem Fonds erst noch beweisen müsse. An einen Ausstieg aus dem Schroder Fonds sollten Anleger, die dem lateinamerikanischen Aktienmarkt unverändert positiv gegenüber stehen würden, aber nicht denken.

Vor diesem Hintergrund stufen die Analysten von FC Research ihr Rating für den Schroder ISF Latin American von "übergewichten" auf "neutral" herunter.






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