Silber auf Achterbahnfahrt


27.12.11 12:13
Nord LB

Hannover (aktiencheck.de AG) - Im Verlauf des Jahres 2011 gab sich der Silbermarkt überaus volatil und hielt die Spannung auf höchstem Niveau, so die Analysten der Nord LB.

Im November 2010 habe die Feinunze Silber noch um 25 USD notiert, im März 2011 hätten die Analysten bereits ein vorläufiges 31-Jahreshoch bei 38,17 USD kommentiert und schließlich seien ihre Erwartungen am 25. April mit einem Rekordhoch bei 49,79 USD übertroffen worden. Im Mai sei dann eine Abkühlung auf 32,31 USD je Feinunze gefolgt, welche jedoch von einem erneuten Anstieg auf 44,25 USD im August abgelöst worden sei. Die Feinunze habe am 26.09.2011 ein zwischenzeitliches Tief bei 26,07 USD erreicht. Dieser massive Kurseinbruch sei von vielen Marktbeobachtern den Marginerhöhungen an der Leitbörse COMEX zugeschrieben worden. Diese habe sich gezwungen gesehen, die Sicherheitsleistungen aufgrund der starken Wertschwankungen anzuheben.

Weitere Gründe für den Kurseinbruch möchten Verkäufe Not leidender Staaten sowie der Liquiditätsbedarf einiger Hedgefonds gewesen sein. Der Markt habe sich zunächst wieder erholen können und Ende Oktober sogar über 35 USD je Feinunze notiert. Am aktuellen Rand sei der Preis je Unze allerdings wieder unter die 30 USD-Grenze gefallen. Trotz der insgesamt hohen Volatilität hätten Investoren ihre Nerven behalten und Kursrückgänge hätten viele Anleger und Fabrikanten veranlasst, zusätzlich Silber nachzufragen. Die Katastrophe in Japan, Unruhen im Mittleren Osten und besonders die anhaltende Eurokrise hätten 2011 ausreichend Anlass gegeben, um einen möglichen "sicheren Hafen" in Edelmetallen zu suchen.

Das Silberangebot habe 2010 zu 71% aus der Minenproduktion, zu 20% aus dem Recycling, zu 5% aus Absicherungsgeschäften von Produzenten und zu 4% aus Staatsverkäufen gestammt. Sowohl die globale Minenproduktion als auch das Recycling hätten 2010 ein Rekordhoch erreicht. So seien weltweit 735,9 Mio. Unzen Silber gefördert worden und 215 Mio. Unzen seien recycelt worden.

Beim Produzenten-Hedging handle es sich um hedginginduzierte Leerverkäufe von physischem Silber durch die Absicherungspartner der Minen. Mit derartigen Verkäufen würden sich die Kontrahenten der Minen bei den Absicherungsgeschäften selber absichern. Die größten Mengen an Silber würden in Mexiko, Peru und China gefördert. Laut World Silver Survey 2011 habe 2010 der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton die Silberproduktion mit 46,6 Mio. Feinunzen angeführt. Darauf seien die Unternehmen Fresnillo aus Mexiko mit 38,6 Mio. und KGHM aus Polen mit 11,5 Mio. Unzen gefolgt.

Viele Industriebereiche, welche Silber als Rohstoff nachgefragt hätten, hätten ihren Bedarf deutlich reduziert. Seien 2001 noch 213,1 Mio. Feinunzen nachgefragt worden, habe sich die Nachfrage der Fotoindustrie 2010 auf 72,7 Mio. Unzen belaufen, da die digitale Fotografie ohne den Einsatz von Silber auskomme. Allerdings bleibe die gesamte industrielle Nachfrage nach Silber konstant. So würden beispielsweise die Elektroindustrie, die Nanotechnologie und die chemische Industrie große Mengen Silber nachfragen. Der Silberanteil eines Produktes aus diesen Bereichen sei jedoch sehr gering. Dies verhindere, dass sich ein Recycling dieser Produkte lohne, sodass ein Großteil des dort eingesetzten Silbers für immer verloren gehe.

Aber auch die Medizin habe Silber für sich entdeckt. Dies liege an den bakterientötenden und hygienischen Eigenschaften, welche beim Kontakt von Silber und Sauerstoff entstünden. Aus diesem Grund würden z. B. chirurgische Instrumente und Operationstische aus Silber gefertigt. Silber als Assetklasse stelle seit 2009 einen großen Teil der Nachfrage. So seien 2008 noch netto 18,2 Mio. Feinunzen (etwa 2% der Gesamtnachtfrage) als Investition nachgefragt worden, 2009 seien es bereits 120,7 Mio. Unzen gewesen (13,1% der Gesamtnachfrage).

Die Investitionsmöglichkeiten seien sehr vielseitig. So könne ein Anleger zum Beispiel in Barren, Münzen oder Exchange Traded Funds (ETFs) investieren. Exchange Traded Funds bzw. Exchange Traded Commodities (ETCs) seien börsengehandelte Fondsprodukte bzw. Rohstoffzertifikate. Diese könnten als unbefristete Schuldverschreibung angesehen werden, wobei die Investoren gemäß ihres Anteils am Gesamtvermögen bedient würden. Seit 2006 könne das erste reine Silber ETC am Markt erworben werden. ETCs böten Investoren viele Vorteile, so könnten sie zum Beispiel leicht an Wertpapierbörsen gehandelt und in gewöhnlichen Wertpapierdepots verwaltet werden. Sie seien durch physisch gehandeltes Metall gedeckt und würden juristisch als Sondervermögen gelten. Das mindere das Emittentenrisiko, da insolvente Fondsgesellschaften auf dieses Vermögen nicht zugreifen könnten.

Ein weiterer Vorteil liege darin begründet, dass beim Kauf bzw. Verkauf großer Mengen Silber in Form von ETCs keine wesentlichen zeitlichen Verzögerungen entstünden. Investoren, die Silber nicht physisch handeln könnten oder möchten, würden häufig in Aktien von Minengesellschaften und Silberproduzenten unter der Annahme investieren, dass sich diese Aktien ähnlich wie der Silberpreis verhalten würden. Diese Annahme könne jedoch aufgrund firmenspezifischer Faktoren wie Management, Fördertechnologien oder dem Hedgeverhalten häufig nicht bestätigt werden. So würden Silberproduzenten Vorwärtsverkäufe tätigen, um sich gegen einen fallenden Silberpreis abzusichern. Damit sei der Ertrag zukünftiger Silberförderung garantiert. Sollte der Silberpreis jedoch steigen, würden die Förderer nicht profitieren.

Die Entwicklung des Silbermarktes werde auch 2012 sehr interessant bleiben. Auch wenn Silber am aktuellen Rand Kursverluste habe hinnehmen müssen, gelte das Edelmetall gerade in Krisenzeiten als "sicherer Hafen". Vor dem Hintergrund einer nicht enden wollenden Eurokrise bleibe Silber ein sehr interessantes Investitionsmetall. Aber auch Anwendungen aus dem Bereich der Medizintechnik, der Solarenergie und der Nanotechnologie könnten die Nachfrage nach Silber langfristig stabil halten. (Ausgabe Dezember 2011) (27.12.2011/ac/a/m)