Erweiterte Funktionen

US-Dollar bald überflüssig?


30.03.09 10:15
Rohstoff-Trader

Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner schafft es derzeit von einem Fettnapf in den nächsten zu treten und macht dies sogar derart elegant, dass er alle kleineren Fettnäpfchen die dazwischen stehen ebenfalls mitnimmt, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".

In den USA werde dies als "learning by doing" oder "learning on the job" bezeichnet, jedoch könnte man von jemanden mit einer derart wichtigen Position, in dem aktuell sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld doch etwas mehr Feingefühl erwarten. Der neueste Affront sei in dieser Woche geschehen als Geithner auf einer Pressekonferenz mitgeteilt habe, dass er gegenüber Vorschlägen betreffend einer neuen Leitwährung offen sei. Damit habe er gemeint, dass man die so genannten "special drawing rights" mehr ausbauen könnte. Er habe vor versammelter Pressemannschaft mitgeteilt, dass er Ideen gerne entgegennehme. Der anwesende Moderator habe sofort den ernst der Lage erkannt und Geithner darum gebeten, sich genauer auszudrücken.

Geithner habe in dieser Sekunde offenbar selbst erkannt, was er gesagt habe und habe zurückgerudert. Er habe gesagt, dass der US-Dollar trotzdem die Leitwährung Nummer Eins bleiben werde. Doch da sei der Schaden schon passiert. Der US-Dollar habe binnen Sekunden ein Prozent an Wert auf den Devisenmärkten verloren, da die Währungshändler derartige Äußerungen sehr sensibel aufnehmen und bewerten würden.

Interessant an Geithners Äußerungen sei jedoch gewesen, dass hierin auch Wahrheit stecken könnte. Die USA würden ihre Vormachtstellung durch den US-Dollar sicherlich nicht aufgeben wollen, jedoch könnte alternativ zum US-Dollar in einigen Jahren eine Zusatzleitwährung eingeführt werden. Einige Länder wie beispielsweise China hätten bereits in den letzten Wochen mitgeteilt, dass sie die Entwicklung des US-Dollar besorgt verfolgen würden und deswegen die Bedeutung der "special drawing rights" des Internationalen Währungsfonds mehr ausbauen wollten.

Diese Rechte, die zu Deutsch als Sonderziehungsrechte bezeichnet würden, würden die eigene Währung des IWF darstellen. SDRs seien an einen Korb von vier Währungen gekoppelt, in dem der US-Dollar zu 44%, der Euro zu 34%, der japanische Yen zu 11% und das Britische Pfund zu 11% enthalten seien. Der IWF berechne täglich einen Wechselkurs für seine Währung, die auf der Homepage veröffentlich werde. Ein SDR betrage aktuell 1,4956 US-Dollar. Bereits jetzt schon hätten einige Länder ihre Währung an den SDR gekoppelt.

Man sehe jedoch keinen Vorteil diese Währung als Alternative zu verwenden, da in ihr ausschließlich die alten vier großen Währungen enthalten seien, die momentan ohnehin nicht am besten dastünden, da jede der vier Volkswirtschaften Probleme habe. Eine globale Leitwährung sollte an deutlich mehr Währungen gekoppelt werden und unter anderem auch den Chinesischen Yuan (CNY) sowie die Indische Rupie (INR) enthalten, um durch eine breite Streuung das Risiko der neuen Währung zu verringern und deren Stabilität zu gewährleisten. (30.03.2009/ac/a/m)