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US-Dollar mit neuer Strahlkraft
05.11.14 16:48
Vontobel Asset Management
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Auf die Verbesserung der Fundamentaldaten der größten Volkswirtschaft der Welt hat der US-Dollar lange kaum reagiert, so die Experten von Vontobel Asset Management.
In den vergangenen Monaten sei er gegenüber den europäischen Währungen jedoch in Gang gekommen. Sei dies ein vorübergehender Anstieg oder könne man noch mehr erwarten? Nach Erachten der Experten stehe man am Anfang eines langfristigen Aufwärtstrends des "Greenback".
Die Experten seien seit einiger Zeit "Dollar-Optimisten". Als solche hätten sie zunehmend frustriert beobachtet, wie schwach die US-Währung bis Mai dieses Jahres gegenüber europäischen Währungen wie dem Euro, dem Schweizer Franken oder dem Britischen Pfund notiert habe. Die zuvor erfolgte Aufwertung des Greenback gegenüber dem Japanischen Yen sowie Rohstoff- und Schwellenländerwährungen sei da nur ein schwacher Trost gewesen.
Nun schwinge das Pendel anscheinend zurück. Sei dies der Beginn eines Trends, der den "allmächtigen Dollar zum Objekt der universellen Anbetung macht", um Washington Irving, einen Schriftsteller und Diplomaten des 19ten. Jahrhunderts, leicht abgewandelt zu zitieren?
Rückblickend betrachtet sei die übertriebene restriktive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich in der deutlichen Kürzung ihrer Bilanz widergespiegelt habe, der Hauptgrund für die starke Performance des Euro bis Mitte 2014 gewesen. Auch die erheblichen Kapitalflüsse amerikanischer Anleger in Anleihen der sogenannten Peripherieländer sowie in Aktien der Eurozone hätten zur Stärke der europäischen Einheitswährung beigetragen. Zu jener Zeit sei die restriktive Haltung der EZB angesichts der Bereitstellung massiver Liquidität durch die US-Notenbank (FED) noch stärker zum Tragen gekommen.
Nun habe sich das Blatt gewendet: Die EZB habe am 9. September 2014 signalisiert, dass sie bereit sei, ihre Bilanz deutlich auszuweiten, um die Deflationsrisiken einzudämmen und das schwache Wachstum anzukurbeln. Die US-Notenbank dagegen sei gerade dabei, ihre Geldpolitik schrittweise zu straffen. Die Richtungsänderungen der Zentralbanken hätten dazu geführt, dass sich die Aussichten des US-Dollars verbessert hätten. Sei es das nun gewesen oder bestehe noch mehr Aufwärtspotenzial?
Nach Erachten der Experten stehe man am Beginn einer mehrere Jahre andauernden strukturellen Stärke des US-Dollars, und zwar aus folgenden Gründen:
Der US-Dollar sei gegenwärtig fundamental nicht überbewertet. Die Kaufkraftparität deute auf eine faire Bandbreite von 1,25 bis 1,30 US-Dollar pro Euro hin (1,28 gemäß der jüngsten Schätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD).
Während das FED seine Wertpapierkäufe ("quantitative Lockerung") beende, lege die EZB ein großes Liquiditätsprogramm auf - von den sogenannten gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) für Banken bis zu Direktkäufen von Pfandbriefen und forderungsbesicherten Wertpapieren (asset-backed securities, ABS). Die Währungshüter in Frankfurt könnten zwar davon absehen, Staatsanleihen der Eurozone zu kaufen. Gleichwohl scheinen solche Transaktionen, wenn es die Situation erfordert, nicht ausgeschlossen, so die Experten von Vontobel Asset Management. Das sich daraus ergebende Auseinanderdriften der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und Europa sei eindeutig positiv für den US-Dollar.
Vor dem Hintergrund gedämpfter Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Europa, Japan und den meisten Schwellenländern würden die Experten zuversichtlich bleiben, dass das Bruttoinlandprodukt der USA künftig um etwa drei Prozent wachsen werde. Ein niedrigerer Ölpreis und sinkende langfristige Zinsen würden der US-Wirtschaft mächtigen Auftrieb verleihen, der den negativen Effekt der Greenback-Aufwertung und des schwachen globalen Wachstums ausgleiche.
Die US-Notenbank FED habe zwar bei der Bestimmung des Tempos der Leitzinserhöhungen dank der gedämpften Inflation erheblichen Spielraum. Geldmarktanlagen in US-Dollar würden aber zu gegebener Zeit positive Nominalrenditen abwerfen. Die entsprechenden Nominalrenditen in Euro, Schweizer Franken und Yen würden dagegen vermutlich noch auf Jahre hinaus bei null verharren.
Das Leistungsbilanzdefizit der USA - historisch gesehen der treibende strukturelle Faktor für die Schwäche des US-Dollars - bilde sich dank der anhaltenden Ausweitung der Förderung von Schieferöl- und -gas im Inland zurück.
Vor allem dürften die USA mit ihrer Anziehungskraft für gut ausgebildete Fachkräfte, ihren führenden Technologieunternehmen und ihrer Spitzenstellung in den Ranglisten der Wettbewerbsfähigkeit stärker von einem deutlich höheren Trendwachstum profitieren als die Eurozone.
Aus diesen Gründen würden die Experten ihre seit langem bestehende Empfehlung bekräftigen, US-Dollar-Anlagen in europäischen Portfolios strategisch "überzugewichten". Was könnte den dollarfreundlichen Ausblick der Experten in Frage stellen? Die Erholung des Greenback könnte ins Stocken geraten, sollten sich die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft erheblich verschlechtern. Dies wiederum würde den Spielraum der US-Notenbank, die Zinsen zu erhöhen, einschränken. Die Experten würden jedoch kein solches Szenario erwarten. Sollte es trotzdem eintreten, würden die Experten das Abwärtspotenzial des US-Dollars gegenüber dem Euro als sehr begrenzt erachten.
Einen Rückgang der Aktienkurse von Mitte Oktober hätten die Experten zum Anlass genommen, ihr Nettoengagement zu erhöhen. Die "Wachstumspanik" unter den Marktteilnehmern, vor allem in Bezug auf die USA, schien uns nämlich übertrieben, so die Experten von Vontobel Asset Management. Die Experten hätten dies durch den Verkauf von Put-Optionen auf den SMI, den S&P 500 und den EURO STOXX 50 erreicht. Nachdem die Experten im Sommer die "Übergewichtung" der Aktienmärkte und hochverzinslicher Unternehmensanleihen reduziert hätten, seien sie der Meinung gewesen, die Korrektur sei weit genug fortgeschritten.
Außerdem hätten die Experten ihre Position auf lokale Schwellenländeranleihen (Anleihen, die auf die Währung des jeweiligen Landes lauten würden) in EUR- und CHF-Portfolios aufgestockt, da sie eine laufende Rendite von 6,5 Prozent als ein genügend dickes Sicherheitspolster gegen potenzielle Währungsabwertungen betrachten würden. Die Experten würden glauben, dass das derzeitige geldpolitische Umfeld nach wie vor eine fundamentale Unterstützung für Risikoanlagen biete. Dennoch müssten die Anleger angesichts des Endes der quantitativen Lockerung der US-Notenbank und der durchwachsenen Gewinnaussichten in einigen Sektoren ihr Vorgehen genau abwägen. (05.11.2014/fc/a/m)
In den vergangenen Monaten sei er gegenüber den europäischen Währungen jedoch in Gang gekommen. Sei dies ein vorübergehender Anstieg oder könne man noch mehr erwarten? Nach Erachten der Experten stehe man am Anfang eines langfristigen Aufwärtstrends des "Greenback".
Die Experten seien seit einiger Zeit "Dollar-Optimisten". Als solche hätten sie zunehmend frustriert beobachtet, wie schwach die US-Währung bis Mai dieses Jahres gegenüber europäischen Währungen wie dem Euro, dem Schweizer Franken oder dem Britischen Pfund notiert habe. Die zuvor erfolgte Aufwertung des Greenback gegenüber dem Japanischen Yen sowie Rohstoff- und Schwellenländerwährungen sei da nur ein schwacher Trost gewesen.
Nun schwinge das Pendel anscheinend zurück. Sei dies der Beginn eines Trends, der den "allmächtigen Dollar zum Objekt der universellen Anbetung macht", um Washington Irving, einen Schriftsteller und Diplomaten des 19ten. Jahrhunderts, leicht abgewandelt zu zitieren?
Rückblickend betrachtet sei die übertriebene restriktive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich in der deutlichen Kürzung ihrer Bilanz widergespiegelt habe, der Hauptgrund für die starke Performance des Euro bis Mitte 2014 gewesen. Auch die erheblichen Kapitalflüsse amerikanischer Anleger in Anleihen der sogenannten Peripherieländer sowie in Aktien der Eurozone hätten zur Stärke der europäischen Einheitswährung beigetragen. Zu jener Zeit sei die restriktive Haltung der EZB angesichts der Bereitstellung massiver Liquidität durch die US-Notenbank (FED) noch stärker zum Tragen gekommen.
Nun habe sich das Blatt gewendet: Die EZB habe am 9. September 2014 signalisiert, dass sie bereit sei, ihre Bilanz deutlich auszuweiten, um die Deflationsrisiken einzudämmen und das schwache Wachstum anzukurbeln. Die US-Notenbank dagegen sei gerade dabei, ihre Geldpolitik schrittweise zu straffen. Die Richtungsänderungen der Zentralbanken hätten dazu geführt, dass sich die Aussichten des US-Dollars verbessert hätten. Sei es das nun gewesen oder bestehe noch mehr Aufwärtspotenzial?
Nach Erachten der Experten stehe man am Beginn einer mehrere Jahre andauernden strukturellen Stärke des US-Dollars, und zwar aus folgenden Gründen:
Während das FED seine Wertpapierkäufe ("quantitative Lockerung") beende, lege die EZB ein großes Liquiditätsprogramm auf - von den sogenannten gezielten langfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) für Banken bis zu Direktkäufen von Pfandbriefen und forderungsbesicherten Wertpapieren (asset-backed securities, ABS). Die Währungshüter in Frankfurt könnten zwar davon absehen, Staatsanleihen der Eurozone zu kaufen. Gleichwohl scheinen solche Transaktionen, wenn es die Situation erfordert, nicht ausgeschlossen, so die Experten von Vontobel Asset Management. Das sich daraus ergebende Auseinanderdriften der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und Europa sei eindeutig positiv für den US-Dollar.
Vor dem Hintergrund gedämpfter Prognosen zum Wirtschaftswachstum in Europa, Japan und den meisten Schwellenländern würden die Experten zuversichtlich bleiben, dass das Bruttoinlandprodukt der USA künftig um etwa drei Prozent wachsen werde. Ein niedrigerer Ölpreis und sinkende langfristige Zinsen würden der US-Wirtschaft mächtigen Auftrieb verleihen, der den negativen Effekt der Greenback-Aufwertung und des schwachen globalen Wachstums ausgleiche.
Die US-Notenbank FED habe zwar bei der Bestimmung des Tempos der Leitzinserhöhungen dank der gedämpften Inflation erheblichen Spielraum. Geldmarktanlagen in US-Dollar würden aber zu gegebener Zeit positive Nominalrenditen abwerfen. Die entsprechenden Nominalrenditen in Euro, Schweizer Franken und Yen würden dagegen vermutlich noch auf Jahre hinaus bei null verharren.
Das Leistungsbilanzdefizit der USA - historisch gesehen der treibende strukturelle Faktor für die Schwäche des US-Dollars - bilde sich dank der anhaltenden Ausweitung der Förderung von Schieferöl- und -gas im Inland zurück.
Vor allem dürften die USA mit ihrer Anziehungskraft für gut ausgebildete Fachkräfte, ihren führenden Technologieunternehmen und ihrer Spitzenstellung in den Ranglisten der Wettbewerbsfähigkeit stärker von einem deutlich höheren Trendwachstum profitieren als die Eurozone.
Aus diesen Gründen würden die Experten ihre seit langem bestehende Empfehlung bekräftigen, US-Dollar-Anlagen in europäischen Portfolios strategisch "überzugewichten". Was könnte den dollarfreundlichen Ausblick der Experten in Frage stellen? Die Erholung des Greenback könnte ins Stocken geraten, sollten sich die Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft erheblich verschlechtern. Dies wiederum würde den Spielraum der US-Notenbank, die Zinsen zu erhöhen, einschränken. Die Experten würden jedoch kein solches Szenario erwarten. Sollte es trotzdem eintreten, würden die Experten das Abwärtspotenzial des US-Dollars gegenüber dem Euro als sehr begrenzt erachten.
Einen Rückgang der Aktienkurse von Mitte Oktober hätten die Experten zum Anlass genommen, ihr Nettoengagement zu erhöhen. Die "Wachstumspanik" unter den Marktteilnehmern, vor allem in Bezug auf die USA, schien uns nämlich übertrieben, so die Experten von Vontobel Asset Management. Die Experten hätten dies durch den Verkauf von Put-Optionen auf den SMI, den S&P 500 und den EURO STOXX 50 erreicht. Nachdem die Experten im Sommer die "Übergewichtung" der Aktienmärkte und hochverzinslicher Unternehmensanleihen reduziert hätten, seien sie der Meinung gewesen, die Korrektur sei weit genug fortgeschritten.
Außerdem hätten die Experten ihre Position auf lokale Schwellenländeranleihen (Anleihen, die auf die Währung des jeweiligen Landes lauten würden) in EUR- und CHF-Portfolios aufgestockt, da sie eine laufende Rendite von 6,5 Prozent als ein genügend dickes Sicherheitspolster gegen potenzielle Währungsabwertungen betrachten würden. Die Experten würden glauben, dass das derzeitige geldpolitische Umfeld nach wie vor eine fundamentale Unterstützung für Risikoanlagen biete. Dennoch müssten die Anleger angesichts des Endes der quantitativen Lockerung der US-Notenbank und der durchwachsenen Gewinnaussichten in einigen Sektoren ihr Vorgehen genau abwägen. (05.11.2014/fc/a/m)


