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Von einer Euro-Krise in die nächste
07.11.11 11:30
Vontobel Asset Management
Frankfurt (aktiencheck.de AG) - Es hätte einmal mehr der große Befreiungsschlag werden sollen: Wie schon so oft hoffte man, die Politiker würden - diesmal beim EU-Gipfel in Brüssel Ende Oktober - quasi mit einem Federstrich die Euro-Krise besiegeln, so die Analysten von Vontobel Asset Management.
Die Aktienmärkte, die sich im Vorfeld des Treffens auf den "großen Wurf" eingestellt hätten, hätten am Tag nach der Ankündigung mit einem Kursfeuerwerk reagiert. Doch mittlerweile, auch dies ein Déjà-vu- Erlebnis, mache sich wieder Katerstimmung breit.
Die Beschlüsse würden neue Fragen aufwerfen, zum Beispiel hinsichtlich des "freiwilligen" Schuldenverzichts jener Banken, die griechische Staatstitel halten würden. Die formelle "Freiwilligkeit" sei nötig gewesen, denn nur so habe sich eine offizielle Zahlungsunfähigkeit Griechenlands verhindern lassen. Bei einem Staatsbankrott wären die so genannten Credit Default Swaps (CDS) - eine Versicherung gegen den Ausfall von Obligationen - fällig geworden, was eine Kettenreaktion zur Folge gehabt hätte. Allerdings sei es ja gerade der Sinn einer Versicherung, einen Schutz im Schadensfall zu bieten. Wenn dieses System nun umgangen werde, müsse sich jeder Investor künftig die Frage nach dem Nutzen einer im Ernstfall untauglichen Versicherung stellen.
Ein weiteres ungelöstes Problem: Das zusehends schrumpfende Vertrauen in die nach wie vor unzureichenden Lösungen der EU äußere sich auch in einem unaufhaltsamen Anstieg der italienischen Anleiherenditen. Diese seien seit längerem nicht mehr tragbar für das südeuropäische Land, das mit einem Zinsniveau von rund drei Prozent nicht aber von sechs Prozent leben könne. Eine Reduktion der italienischen Zinsen sei deshalb unumgänglich. Der Königsweg dazu bestehe in einem glaubwürdigen Plan zur Haushaltssanierung und damit der Beseitigung des Schuldenbergs. Könne dies nicht schnell und gründlich geschehen, müsse als Notlösung die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen kaufen. Auch wenn dies aus ordnungspolitischer Sicht gewisse Risiken bergen möge, so reflektiert ein solcher Eingriff nun einmal die politischen Sachzwänge in einem heterogenen europäischen Wirtschaftsraum.
Es gebe aber auch gute Nachrichten: Die jüngste Leitzinssenkung der EZB unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi sei positiv zu werten. Vor diesem Schritt sei die Zinskurve in der Eurozone so invers wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 nicht mehr gewesen: Die Zinsen kurzfristiger Papiere hätten um 100 Basispunkte über jenen der längeren Laufzeiten gelegen. Eine inverse Zinskurve sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass zu wenig Liquidität in die Wirtschaft fließe, die Geldpolitik zu restriktiv sei und die Wirtschaft sich abkühlen werde. Dies habe der neue EZB-Chef erkannt und folgerichtig die Zinssenkung auch damit begründet.
Die breite Öffentlichkeit schätze eine expansive Geldpolitik immer noch falsch ein und unterstelle den Zentralbanken, sie würden mutwillig hohe Inflationsraten in Kauf nehmen. Dabei werde verkannt, dass Finanzkrisen immer deflationärer und nicht inflationärer Natur seien. Der Grund liege darin, dass Finanzkrisen immer einen Schuldenabbau - auch "Deleveraging" genannt - nach sich ziehen würden. Dieser Prozess könne bei den privaten Haushalten wie derzeit in den USA erfolgen, bei den Unternehmen wie in Japan seit den 1990er Jahren, oder bei den Staaten wie derzeit in Europa. Bei Schuldenabbau gehe es immer um Sparen, was eben deflationäre Tendenzen mit sich bringe. Solange dies der Fall sei, sei eine expansive Geldpolitik sinnvoll.
Was bedeute all dies für die Investoren? In diesem nach wie vor unsicheren Umfeld bevorzuge Vontobel weiterhin defensive Anlageklassen, die Eigenschaften von Risikopuffern hätten. Dazu würden Bargeld, bis zu einem gewissen Grad deutsche und schweizerische Staatsanleihen, Edelmetalle und geeignete Hedgefonds-Strategien gehören. Innerhalb des Aktienbereiches, der trotz einer Untergewichtung in den Portfolios unbedingt eine Rolle spielen sollte, sei ein Fokus auf Qualitätstitel sowie auf die Themen "Dividenden" und "Value" angezeigt. (07.11.2011/ac/a/m)
Die Aktienmärkte, die sich im Vorfeld des Treffens auf den "großen Wurf" eingestellt hätten, hätten am Tag nach der Ankündigung mit einem Kursfeuerwerk reagiert. Doch mittlerweile, auch dies ein Déjà-vu- Erlebnis, mache sich wieder Katerstimmung breit.
Die Beschlüsse würden neue Fragen aufwerfen, zum Beispiel hinsichtlich des "freiwilligen" Schuldenverzichts jener Banken, die griechische Staatstitel halten würden. Die formelle "Freiwilligkeit" sei nötig gewesen, denn nur so habe sich eine offizielle Zahlungsunfähigkeit Griechenlands verhindern lassen. Bei einem Staatsbankrott wären die so genannten Credit Default Swaps (CDS) - eine Versicherung gegen den Ausfall von Obligationen - fällig geworden, was eine Kettenreaktion zur Folge gehabt hätte. Allerdings sei es ja gerade der Sinn einer Versicherung, einen Schutz im Schadensfall zu bieten. Wenn dieses System nun umgangen werde, müsse sich jeder Investor künftig die Frage nach dem Nutzen einer im Ernstfall untauglichen Versicherung stellen.
Es gebe aber auch gute Nachrichten: Die jüngste Leitzinssenkung der EZB unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi sei positiv zu werten. Vor diesem Schritt sei die Zinskurve in der Eurozone so invers wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 nicht mehr gewesen: Die Zinsen kurzfristiger Papiere hätten um 100 Basispunkte über jenen der längeren Laufzeiten gelegen. Eine inverse Zinskurve sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass zu wenig Liquidität in die Wirtschaft fließe, die Geldpolitik zu restriktiv sei und die Wirtschaft sich abkühlen werde. Dies habe der neue EZB-Chef erkannt und folgerichtig die Zinssenkung auch damit begründet.
Die breite Öffentlichkeit schätze eine expansive Geldpolitik immer noch falsch ein und unterstelle den Zentralbanken, sie würden mutwillig hohe Inflationsraten in Kauf nehmen. Dabei werde verkannt, dass Finanzkrisen immer deflationärer und nicht inflationärer Natur seien. Der Grund liege darin, dass Finanzkrisen immer einen Schuldenabbau - auch "Deleveraging" genannt - nach sich ziehen würden. Dieser Prozess könne bei den privaten Haushalten wie derzeit in den USA erfolgen, bei den Unternehmen wie in Japan seit den 1990er Jahren, oder bei den Staaten wie derzeit in Europa. Bei Schuldenabbau gehe es immer um Sparen, was eben deflationäre Tendenzen mit sich bringe. Solange dies der Fall sei, sei eine expansive Geldpolitik sinnvoll.
Was bedeute all dies für die Investoren? In diesem nach wie vor unsicheren Umfeld bevorzuge Vontobel weiterhin defensive Anlageklassen, die Eigenschaften von Risikopuffern hätten. Dazu würden Bargeld, bis zu einem gewissen Grad deutsche und schweizerische Staatsanleihen, Edelmetalle und geeignete Hedgefonds-Strategien gehören. Innerhalb des Aktienbereiches, der trotz einer Untergewichtung in den Portfolios unbedingt eine Rolle spielen sollte, sei ein Fokus auf Qualitätstitel sowie auf die Themen "Dividenden" und "Value" angezeigt. (07.11.2011/ac/a/m)


