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Weltweite Aktienmärkte gefestigt
05.05.08 14:54
GECAM
Wangen (aktiencheck.de AG) - Im Rückblick haben sich die Aktienmärkte im April weltweit gefestigt, so die Experten von GECAM.
Trotz neuer Rekordstände beim Ölpreis und Gewinneinbrüchen auf Unternehmensseite (Siemens, General Electric), Schieflagen bei Banken (Düsselhyp, Weserbank) hätten Anleger vom scheinbar sicheren Hafen der Staatsanleihen in Aktien umgeschichtet. Offensichtlich seien die Marktteilnehmer der Meinung, dass erst einmal genug "abgeschrieben" worden sei. Den Staatsanleihen hätten die zunehmende Risikobereitschaft einerseits und die Inflationsangst andererseits massive Kursverluste beschert. Die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen sei von 3,6 auf 4,3 Prozent nach oben geschossen. Dass der USD sich in den letzten Tagen von seinem Rekordtief bei 1,60 auf aktuell rund 1,545 entwickelt habe, werte man als zusätzliches "Entspannungs-Signal".
Positiver als in den letzten Monaten seien die Konjunkturmeldungen aus den USA - das passe zu den Vermutungen, dass die Weltwirtschaft zwar eine Delle bekomme, die Rezessionsgefahr aber kleiner geworden sei. Die Forschungsinstitute würden eine ausgeprägte Rezession in den USA mittlerweile für unwahrscheinlich halten. Die aggressiven Leitzinssenkungen der US-Notenbank von 5,25 Prozent im September auf nunmehr zwei Prozent, das Steuerpaket des Staates und nicht zuletzt der schwache USD könnten noch ein "Soft-Landing" herbeiführen. Die Ausfuhren der USA seien zum Vorjahresquartal um 5,5 Prozent gestiegen. Insbesondere die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern sei deutlich besser als in früheren Rezessionsphasen.
Auch wenn die Arbeitslosenquote aufgrund des jüngsten Jobabbaus bei Banken, Baufirmen, Fluglinien usw. auf zwischenzeitlich 5,1 Prozent gestiegen sei (Deutschland 8,1 Prozent), sei die Gefahr eines großflächigen Personalabbaues zuletzt deutlich gesunken. Dies würden auch die Arbeitsmarktdaten vom 2. Mai bestätigten, die anstelle eines Anstiegs auf 5,2 Prozent sogar einen Rückgang auf 5,0 Prozent meldet hätten.
Insofern stünden die Zeichen gut, dass sich - auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl - der Konsum in den USA in der zweiten Jahreshälfte festigen werde. Die Börsen jedenfalls würden aktuell von einer weiteren Stabilisierung der US-Wirtschaft mit allen positiven Konsequenzen für die Weltwirtschaft ausgehen. Auch die englische Notenbank (BoE) habe sich in ihrem aktuellen Stabilitätsbericht hoffnungsvoll geäußert: Demnach könnte die Talsohle der Finanzkrise demnächst durchschritten sein.
Wenngleich das Zinsgefälle zwischen USA und Europa nach wie vor gegen den USD spreche, so habe sich mit dem Anstieg der zweijährigen Renditen von 1,30 Prozent Mitte März auf 2,40 Prozent Ende April einiges deutlich entspannt. Dass der Verfall des USD gestoppt sein könnte, lasse sich im Moment auch am Goldpreis ablesen: Vom Rekordhoch bei 1.050 USD je Unze pendle sich Gold aktuell wieder auf einem vernünftigeren Level bei rund 850 USD ein. Nicht zuletzt, weil die Spekulanten dem USD offenbar wieder mehr zutrauen würden.
Schätzungen würden davon ausgehen, dass der USD im Moment 25 bis 30 Prozent unter seiner tatsächlichen Kaufkraft gehandelt werde. In Europa habe der schwache USD-Kurs zwar geholfen, den Rohstoffpreisanstieg abzufedern, umso problematischer wirke dieser Effekt jedoch bei deutschen bzw. europäischen Exporteuren, allen voran der Autoindustrie, dem Maschinen- und Flugzeugbau. Wichtig war und ist, dass der freie Fall des USD abgewendet wird, so die Experten von GECAM.
Was eigentlich nicht ins Bild von der Bodenbildung der weltweiten Konjunkturentwicklung passe, sei die anhaltend hohe Inflation. Sowohl in den USA als auch in Europa mache die Preisentwicklung nicht nur den Notenbankern Sorgen. Die aktuellen Tarifabschlüsse und der Fachkräftemangel in Deutschland (öffentlicher Dienst, Post) würden bei rückläufigen Arbeitslosenzahlen nicht vermuten lassen, dass die Gefahr demnächst gebannt sein könnte. Hoffnungsvoller sehe es diesbezüglich in den USA aus, wo der Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent vor einem Jahr auf nunmehr fünf Prozent den Gewerkschaften Gegenwind liefere. Entlastung dürfte also eher aus dem Lohn-, als aus dem Rohstoffsektor kommen.
Die Energie- und Rohstoffpreise seien zwar Anfang Mai endlich wieder zurückgekommen, an der Tankstelle würden dennoch viele private Konsumvorhaben vereitelt. Der Rückgang der deutschen Einzelhandelsumsätze im März mit -6,3 Prozent bestätige diesen Anfangsverdacht. Allerdings habe der März 2008 drei Werk-, sprich Einkaufstage, weniger als der März 2007 gehabt und zusätzlich habe sich wahrscheinlich so manche "Kriegskasse" zu Ostern (23. März) noch nicht ausreichend vom Weihnachtseinkaufen erholt. Der GfK-Konsumklimaindex vom vergangenen Dienstag habe für Deutschland jedenfalls überraschend positiv ausgesehen. Wenn die jüngste Konsolidierung von 120 auf 110 USD/Barrel am Rohölmarkt anhalten sollte, könnte das die Verbraucher weiter entlasten und die wirtschaftliche Entwicklung zumindest im zweiten Halbjahr stimulieren.
So komisch es klinge. Ausgerechnet die Banken, allen voran die Institute in den USA, könnten von den aktuellen Entwicklungen am Kapitalmarkt mit am stärksten profitieren. US-Banken könnten nun ihre maroden ABS-Bestände an die FED abgeben und würden im Gegenzug billige Liquidität erhalten, die sie gleichzeitig mit hohen Risikoaufschlägen an deren Kunden ausleihen würden. D. h. die Zinsmarge habe sich deutlich verbessert, wodurch sich ausgerechnet das Zinsergebnis, das in den vergangenen Jahren kaum noch zum Gesamtergebnis der Banken beigetragen habe, beflügelt werde. Nicht umsonst würden die Landesbanken, aber auch die Großbanken, plötzlich wieder den Mittelstand und das "Massengeschäft" entdecken.
Im Investmentbanking seien gleichzeitig tausende Jobs gestrichen worden, was die künftigen Personalkosten entlaste. Die enormen Gewinne aus dem Investmentbankingsektor würden freilich vorerst der Vergangenheit angehören. Zudem rechne man mit einer Konzentrationswelle in der Bankenlandschaft, aber auch mit einem wieder anziehenden M&A-Markt: Unternehmen mit gutem Standing und guter Bonität, wie z. B. die Deutsche Bank, würden sich mit Kapitalerhöhungen schon auf entsprechende Übernahmen vorbereiten. Eine genauere Betrachtung des Bankensektors mache vor diesem Hintergrund jedenfalls Sinn.
Gründe, um schwarz zu sehen, habe es in den letzten Monaten genug gegeben. Verstärkt würden die Marktbewegungen nach oben wie nach unten von der naturgemäß sehr prozyklischen Einschätzung von Volkswirten, Bankanalysten, Unternehmenslenkern, etc. Die Industrie habe sich aber bislang weitgehend unbeeindruckt gezeigt. Die Maschinenbauer hätten angesichts voller Auftragsbücher (ebenfalls nicht antizyklisch) auf der Hannover Messe sogar von weiteren zehn Rekordjahren gesprochen, die vor ihnen stünden - trotz starkem Euro.
Auch wenn die amerikanische im Gegensatz zur englischen Notenbank nach wie vor erhebliches Stresspotenzial an den Märkten sehe, habe sich das Börsenwetter aktuell deutlich aufgehellt. Die Experten von GECAM bleiben daher bei ihrer Empfehlung vom Vormonat: Der Einstiegszeitpunkt ist gut, aber man sollte noch nicht alles auf eine Karte setzen. (05.05.2008/fc/a/m)
Trotz neuer Rekordstände beim Ölpreis und Gewinneinbrüchen auf Unternehmensseite (Siemens, General Electric), Schieflagen bei Banken (Düsselhyp, Weserbank) hätten Anleger vom scheinbar sicheren Hafen der Staatsanleihen in Aktien umgeschichtet. Offensichtlich seien die Marktteilnehmer der Meinung, dass erst einmal genug "abgeschrieben" worden sei. Den Staatsanleihen hätten die zunehmende Risikobereitschaft einerseits und die Inflationsangst andererseits massive Kursverluste beschert. Die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen sei von 3,6 auf 4,3 Prozent nach oben geschossen. Dass der USD sich in den letzten Tagen von seinem Rekordtief bei 1,60 auf aktuell rund 1,545 entwickelt habe, werte man als zusätzliches "Entspannungs-Signal".
Positiver als in den letzten Monaten seien die Konjunkturmeldungen aus den USA - das passe zu den Vermutungen, dass die Weltwirtschaft zwar eine Delle bekomme, die Rezessionsgefahr aber kleiner geworden sei. Die Forschungsinstitute würden eine ausgeprägte Rezession in den USA mittlerweile für unwahrscheinlich halten. Die aggressiven Leitzinssenkungen der US-Notenbank von 5,25 Prozent im September auf nunmehr zwei Prozent, das Steuerpaket des Staates und nicht zuletzt der schwache USD könnten noch ein "Soft-Landing" herbeiführen. Die Ausfuhren der USA seien zum Vorjahresquartal um 5,5 Prozent gestiegen. Insbesondere die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern sei deutlich besser als in früheren Rezessionsphasen.
Auch wenn die Arbeitslosenquote aufgrund des jüngsten Jobabbaus bei Banken, Baufirmen, Fluglinien usw. auf zwischenzeitlich 5,1 Prozent gestiegen sei (Deutschland 8,1 Prozent), sei die Gefahr eines großflächigen Personalabbaues zuletzt deutlich gesunken. Dies würden auch die Arbeitsmarktdaten vom 2. Mai bestätigten, die anstelle eines Anstiegs auf 5,2 Prozent sogar einen Rückgang auf 5,0 Prozent meldet hätten.
Insofern stünden die Zeichen gut, dass sich - auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl - der Konsum in den USA in der zweiten Jahreshälfte festigen werde. Die Börsen jedenfalls würden aktuell von einer weiteren Stabilisierung der US-Wirtschaft mit allen positiven Konsequenzen für die Weltwirtschaft ausgehen. Auch die englische Notenbank (BoE) habe sich in ihrem aktuellen Stabilitätsbericht hoffnungsvoll geäußert: Demnach könnte die Talsohle der Finanzkrise demnächst durchschritten sein.
Wenngleich das Zinsgefälle zwischen USA und Europa nach wie vor gegen den USD spreche, so habe sich mit dem Anstieg der zweijährigen Renditen von 1,30 Prozent Mitte März auf 2,40 Prozent Ende April einiges deutlich entspannt. Dass der Verfall des USD gestoppt sein könnte, lasse sich im Moment auch am Goldpreis ablesen: Vom Rekordhoch bei 1.050 USD je Unze pendle sich Gold aktuell wieder auf einem vernünftigeren Level bei rund 850 USD ein. Nicht zuletzt, weil die Spekulanten dem USD offenbar wieder mehr zutrauen würden.
Was eigentlich nicht ins Bild von der Bodenbildung der weltweiten Konjunkturentwicklung passe, sei die anhaltend hohe Inflation. Sowohl in den USA als auch in Europa mache die Preisentwicklung nicht nur den Notenbankern Sorgen. Die aktuellen Tarifabschlüsse und der Fachkräftemangel in Deutschland (öffentlicher Dienst, Post) würden bei rückläufigen Arbeitslosenzahlen nicht vermuten lassen, dass die Gefahr demnächst gebannt sein könnte. Hoffnungsvoller sehe es diesbezüglich in den USA aus, wo der Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent vor einem Jahr auf nunmehr fünf Prozent den Gewerkschaften Gegenwind liefere. Entlastung dürfte also eher aus dem Lohn-, als aus dem Rohstoffsektor kommen.
Die Energie- und Rohstoffpreise seien zwar Anfang Mai endlich wieder zurückgekommen, an der Tankstelle würden dennoch viele private Konsumvorhaben vereitelt. Der Rückgang der deutschen Einzelhandelsumsätze im März mit -6,3 Prozent bestätige diesen Anfangsverdacht. Allerdings habe der März 2008 drei Werk-, sprich Einkaufstage, weniger als der März 2007 gehabt und zusätzlich habe sich wahrscheinlich so manche "Kriegskasse" zu Ostern (23. März) noch nicht ausreichend vom Weihnachtseinkaufen erholt. Der GfK-Konsumklimaindex vom vergangenen Dienstag habe für Deutschland jedenfalls überraschend positiv ausgesehen. Wenn die jüngste Konsolidierung von 120 auf 110 USD/Barrel am Rohölmarkt anhalten sollte, könnte das die Verbraucher weiter entlasten und die wirtschaftliche Entwicklung zumindest im zweiten Halbjahr stimulieren.
So komisch es klinge. Ausgerechnet die Banken, allen voran die Institute in den USA, könnten von den aktuellen Entwicklungen am Kapitalmarkt mit am stärksten profitieren. US-Banken könnten nun ihre maroden ABS-Bestände an die FED abgeben und würden im Gegenzug billige Liquidität erhalten, die sie gleichzeitig mit hohen Risikoaufschlägen an deren Kunden ausleihen würden. D. h. die Zinsmarge habe sich deutlich verbessert, wodurch sich ausgerechnet das Zinsergebnis, das in den vergangenen Jahren kaum noch zum Gesamtergebnis der Banken beigetragen habe, beflügelt werde. Nicht umsonst würden die Landesbanken, aber auch die Großbanken, plötzlich wieder den Mittelstand und das "Massengeschäft" entdecken.
Im Investmentbanking seien gleichzeitig tausende Jobs gestrichen worden, was die künftigen Personalkosten entlaste. Die enormen Gewinne aus dem Investmentbankingsektor würden freilich vorerst der Vergangenheit angehören. Zudem rechne man mit einer Konzentrationswelle in der Bankenlandschaft, aber auch mit einem wieder anziehenden M&A-Markt: Unternehmen mit gutem Standing und guter Bonität, wie z. B. die Deutsche Bank, würden sich mit Kapitalerhöhungen schon auf entsprechende Übernahmen vorbereiten. Eine genauere Betrachtung des Bankensektors mache vor diesem Hintergrund jedenfalls Sinn.
Gründe, um schwarz zu sehen, habe es in den letzten Monaten genug gegeben. Verstärkt würden die Marktbewegungen nach oben wie nach unten von der naturgemäß sehr prozyklischen Einschätzung von Volkswirten, Bankanalysten, Unternehmenslenkern, etc. Die Industrie habe sich aber bislang weitgehend unbeeindruckt gezeigt. Die Maschinenbauer hätten angesichts voller Auftragsbücher (ebenfalls nicht antizyklisch) auf der Hannover Messe sogar von weiteren zehn Rekordjahren gesprochen, die vor ihnen stünden - trotz starkem Euro.
Auch wenn die amerikanische im Gegensatz zur englischen Notenbank nach wie vor erhebliches Stresspotenzial an den Märkten sehe, habe sich das Börsenwetter aktuell deutlich aufgehellt. Die Experten von GECAM bleiben daher bei ihrer Empfehlung vom Vormonat: Der Einstiegszeitpunkt ist gut, aber man sollte noch nicht alles auf eine Karte setzen. (05.05.2008/fc/a/m)


