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Weltwirtschaft hat Talsohle durchschritten


24.10.13 10:45
MFS Investment Management

Boston (www.fondscheck.de) - In Zeiten wie diesen zahlt es sich aus, langfristig orientiert zu sein, so Sanjay Natarajan, MFS Institutional Equity Portfolio Manager bei MFS Investment Management.

Kurzfristig ausgerichtete Investoren seien in letzter Zeit an der Nase herumgeführt worden, wenn es darum gegangen sei, zu erraten, was die FED wohl als nächstes tun würde. Deren jüngste Entscheidung gegen ein Tapering im September habe zwar zu einer Erleichterungsrally geführt, allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Liquidität früher oder später abgezogen werde. Dank der Rally hätten sich Emerging-Market-Papiere und dividendenstärkere Sektoren wie Telekommunikation und Versorger etwas erholt.

Das ändere aber nichts daran, dass sie es jetzt schwerer haben würden. So hätten sich viele Unternehmen in großem Umfang und zu günstigen Konditionen fremdfinanziert, was mit dem Ende des Quantitative Easing nicht mehr möglich sein werde. Insbesondere Unternehmen mit einer hohen Auslandsverschuldung würden Sorgen machen, wenn den Schulden keine adäquaten Cashflows gegenüberstünden. Und das seien nicht die einzigen Probleme, mit denen sich kurzfristige Investoren auseinandersetzen müssten. Hinzu komme der Wirbel um den beinahe eingetretenen Government Shutdown in den USA und das schwächere technische Umfeld des US-Markts.

Da weiterhin Konjunkturrisiken bestünden und die Anleger sensibel auf Nachrichten über die unvorhersehbaren Entscheidungen der FED reagieren könnten, werde sich kein klarer Markttrend herausbilden. Das bedeute Chancen für Einzelwertspezialisten. Wichtig sei, sich unabhängig vom Marktumfeld auf Qualitätsunternehmen zu konzentrieren, anstatt auf Markttiming zu setzen und die Entwicklung im Detail vorhersagen zu wollen.

Da sich die Euroraum-Konjunktur allmählich stabilisiere, die USA bereits um nahezu 2% wachsen würden und sich auch in China und Japan eine Erholung abzeichne, dürfte die Weltwirtschaft den Tiefpunkt hinter sich haben. All dies spreche dafür, dass Zykliker künftig weiter vorn lägen und sich nach wie vor besser als defensive Branchen entwickeln würden. In den letzten drei Monaten hätten Konsumgebrauchsgüter- und Industriewerte an der Spitze gelegen.

Nach und nach würden Sektoren wie Automobile, Verkehr, Luftfahrt, Verteidigung, Technologie, Medien und Finanzen von der steigenden Nachfrage profitieren. Die Experten würden glauben, dass die in diesen zyklischen Sektoren überdurchschnittlich stark steigenden Gewinne zu Mehrerträgen gegenüber Konsumverbrauchsgüter- und Telekommunikationswerten führen würden. Tatsächlich stünden Telekommunikationsunternehmen mit ihren hohen Dividendenrenditen vor dem gleichen Problem wie 1994, als die Anleiherenditen ebenfalls gestiegen seien und der Sektor seine relative Attraktivität verloren habe. In den Sektoren Grundstoffe und Energie sei ein zwar solides, aber nicht überdurchschnittliches Wachstum zu beobachten. Daher erwarte man hier noch keine deutliche Verbesserung.

Günstig für das Wachstum dürften die wieder steigenden Investitionen sein. Bislang hätten sie unter Wachstumszweifeln, einer geringen Kapazitätsauslastung und politischen Unsicherheiten gelitten. Mit der Normalisierung des Wachstums seien die ersten beiden Gründe allmählich hinfällig. So seien die Investitionen in den USA seit 2009 um 25% gestiegen, und noch immer würden nur relativ geringe 13% des BIP investiert. In vielen Sektoren habe der Bedarf an Ersatzinvestitionen bald seinen Höchststand erreicht, beispielsweise bei Industrieausrüstern und Transportunternehmen.

In Europa sei die Lage ähnlich, obgleich die Erholung hier ein paar Jahre später stattfinde als in den USA und nur 12,6% des BIP in Investitionen fließen würden. Ein Grund für die steigenden Investitionen sei der bessere Zugang zu Kapital und Bankkrediten. Nach den jüngsten Erhebungen würden sich die Finanzierungsbedingungen in Europa allmählich weiter verbessern, aber noch immer sei das Kreditwachstum rückläufig.

Mehr Investitionen, eine höhere Auslastung sowie ein besseres Geschäftsklima dürften dem Markt einen Schub geben und auch die Unternehmensgewinne beflügeln. Die Experten würden deshalb sowohl für die USA als auch für Europa optimistisch bleiben. Dennoch sollten Investoren wählerisch sein, weil sich die Gewinne in Europa aufgrund der geringeren Arbeitsmarktflexibilität möglicherweise nicht so schnell erholen würden wie erwartet. Die Experten würden von Direktinvestments in Emerging-Market-Aktien abraten, weil Anleger mit europäischen Unternehmen, die in den Emerging Markets aktiv seien, aufgrund ihrer niedrigeren Bewertung besser bedient seien.

In Zukunft würden sich die Marktteilnehmer weiter bemühen, die vielen unterschiedlichen Marktkräfte richtig einzuschätzen. Kurzfristige Daten, die regelmäßig veröffentlicht würden, und die Tagesnachrichten würden für noch größere Verwirrung sorgen. Die einzige wirklich viel versprechende Option sei, auf interessante Einzelwerte aus attraktiven Sektoren zu setzen, den Anlagehorizont zu verlängern und zuzusehen, wie diese Unternehmen in aller Ruhe steigende Gewinne erzielen würden. Dies dürfte zu Kursgewinnen führen - auch wenn die anderen Anleger hektisch kaufen und verkaufen würden. (24.10.2013/fc/a/m)