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Wirtschaft der nordischen Länder bleibt in guter Form


13.06.12 11:27
Nordea

Stockholm (www.aktiencheck.de) - Die nordischen Länder haben ihre Stellung als krisensicherer Hafen auf dem Finanzmarkt untermauert - und das obwohl sich die Euro-Krise verschärft, so Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea.

"Noch nie waren die Zinsen so niedrig. Gleichzeitig sind die Währungen europäischer Länder, die nicht der Euro-Zone angehören, deutlich stärker geworden", sage Helge J. Pedersen.

"Dazu haben besonders die starken öffentlichen Finanzhaushalte der nordischen Länder beigetragen. In der Außenbilanz verbuchen Dänemark, Norwegen und Schweden ein signifikantes Plus." Aufgrund ihrer niedrigen Arbeitslosen- sowie Inflationsrate hätten sich die nordischen als klarer Sieger im Wettbewerb mit den Euro-Staaten hervor getan, so Pedersen weiter. Trotz dieser guten Aussichten mache die Krise auch vor Skandinavien nicht gänzlich halt. "Die Herausforderung wird darin bestehen, in den kommenden Jahren nachhaltig zu wachsen", erkläre der Volkswirt.

Im nordischen Wachstumsrennen trage Norwegen immer noch das gelbe Trikot. Das Wirtschaftswachstum sei sehr stabil gewesen. Die starken Einkommenszuwächse hätten den Konsum über alle Erwartungen angekurbelt. "Deshalb korrigieren wir unseren Ausblick für dieses Jahr nach oben", sage Pedersen. Der hohe Beschäftigungszuwachs werde hauptsächlich durch die hohen Einwanderungsraten abgedeckt. Auch zukünftig rechne Pedersen mit weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen. Pedersen weiter: "Eine niedrige Arbeitslosenquote gepaart mit starken Wachstumszahlen deuten darauf hin, dass die norwegische Zentralbank Norges Bank den Leitzins anheben wird." Die anhaltend niedrige Inflation und die Unsicherheiten über internationale wirtschaftliche Trends werde die Norges Bank allerdings davon abhalten, bereits in diesem Jahr die Zinsen zu erhöhen, so der Volkswirt weiter. "Wir erwarten, dass die Zentralbank 2013 ihre Finanzrichtlinie vorsichtig straffen wird."

Die finnische Wirtschaft sei überraschend stark im ersten Quartal gewachsen. Gründe hierfür seien hohen Konsumausgaben der privaten Haushalte sowie die Exporte. "Dennoch reicht es nicht aus, dass wir unseren Ausblick nach oben korrigieren. Das erste Quartal scheint eine Ausnahme gewesen zu sein", so Nordea-Volkswirt Pedersen. Aufgrund des rückläufigen Realeinkommens werde das Konsumwachstum geringer ausfallen. Auch die Exportzahlen würden aufgrund des schlechten wirtschaftlichen Ausblicks in Europa zurückläufig sein. "Die wirtschaftlichen Unsicherheiten beeinflussen außerdem die Investitionsaktivitäten. Im zweiten Quartal dürfte das die Wirtschaft negativ beeinflussen", so Pedersen. "Im vierten Quartal rechnen wir wieder mit Wachstum, da sich die Wirtschaft bis dahin erholt haben wird."

Die Euro-Krise, der schwierige Immobilienmarkt sowie der zögerliche Privatkonsum hätten dazu geführt, dass in den vergangenen Monaten ein kühler Wind durch die dänische Wirtschaft geweht habe. Allerdings scheine es nun wieder aufwärts zu gehen: Die Regierung habe ein Konjunkturprogramm aufgelegt und die Zinsen befänden sich auf einem Rekord-Tiefstand. "Diese Faktoren dürften dafür sorgen, dass die Wirtschaft in diesem Jahr moderat wachsen wird", so Pedersen. "Im kommenden Jahr wird sich das Wachstum beschleunigen. Der private Konsum, öffentliche Ausgaben sowie ein aktiver Investmentmarkt werden die Konjunktur ankurbeln."

Die schwedische Wirtschaft habe sich im internationalen Vergleich überraschend gut in der Krise geschlagen. Zwar sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangen Jahr gesunken. Im ersten Quartal dieses Jahres habe es sich aber bereits wieder erholt. Gleichzeitig sei der Arbeitsmarkt sehr stabil gewesen. Trotzdem: "Die schwedische Wirtschaft befindet sich eindeutig in einer Konjunkturdelle und das wird noch einige Zeit so bleiben", erkläre Pedersen. Mit etwas Zeitverzögerung werde die Arbeitslosenquote steigen, hinzu komme das niedrige Inflationsniveau. "Diese Faktoren werden die Schwedische Zentralbank Riksbank dazu veranlassen, seine Finanzpolitik noch in diesem Jahr zu lockern", sage Pedersen. (13.06.2012/ac/a/m)