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Im Würgegriff von Deflation und Wachstumsschwäche
13.10.16 17:05
Legal & General IM
London (www.fondscheck.de) - Die Experten des britischen Vermögensverwalter Legal & General Investment Management (LGIM) sehen nur geringe Chancen für den erfolgreichen Einsatz von Helikoptergeld.
Immer häufiger würden Ökonomen und Politiker über den Einsatz von "Helikoptergeld" nachdenken, um die Inflation und in der Folge das Wirtschaftswachstum in Japan und in der Eurozone anzukurbeln. Angesichts von hohen Verschuldungsraten, Haushaltsdefiziten, Deflation, dem demografischen Wandel und ungelöster politischer Fragen dürften die Erfolgschancen dieses geldpolitischen Instruments eher gering sein. Zu dieser Einschätzung komme Ben Bennett, Head of Credit Strategy beim britischen Vermögensverwalters Legal & General Investment Management (LGIM) in seinem aktuellen Ausblick.
"Statt der Gefahr einer dauerhaften Stagnation sehen wir zunehmend die Gefahr einer dauerhaften Strangulierung der Märkte durch immer extremere Formen der Geld- und Fiskalpolitik", warne Bennett. "Dadurch wird sich die Schlinge nur noch fester zuziehen. Es wird daher keine Alternative zu zugegebenermaßen schwierigen Strukturreformen geben, die einhergehen werden mit hohen Schwankungen der Vermögenspreise."
Nach Beobachtung von Bennett hätten es die politischen Entscheidungsträger in vielen Ländern bislang vermieden, notwendige Strukturreformen einzuleiten und stattdessen mit einer Lockerung der Fiskal- und Geldpolitik versucht, Zeit zu gewinnen. "Was die Situation eher verschlechtert hat", so Bennett. Denn die bisherigen Maßnahmen zur Stimulation des Wachstums und der Inflation hätten bislang enttäuscht. Daher könnte nach Meinung des LGIM-Asset-Allocation-Teams als erstes in Japan der nächste Schritt in einem Einsatz von "Helikoptergeld" bestehen. "Dies kann schnell zu einer Art Fehlkonstruktion beim Helikoptergeld werden, weil es der Einstieg in eine vom Staat unterstützte Preisspirale darstellt, an dessen Ende unter Umständen eine Hyperinflation steht - so wie in Zimbabwe zu Anfang dieses Jahrhunderts oder in den 1920er Jahren in Deutschland", gebe Bennett zu bedenken.
Im Moment werde Helikoptergeld quasi nur monetär eingesetzt, indem die Notenbanken neues Geld drucken und dafür vor allem Staatsanleihen kaufen würden. "Das ist nichts anderes als eine weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahme ("Quantitative Easing"), wie wir sie nun schon seit Jahren erleben", erläutere Bennett. Im Unterschied dazu steige beim "echten" Helikoptergeld das Staatsdefizit, indem die Regierung zusätzliches Geld ausgebe bei dem Versuch, den Konsum anzukurbeln und die nationale Infrastruktur zu verbessern. "Selbst wenn dadurch wirklich Inflation erzeugt wird, werden die Auswirkungen alles andere als positiv sein", sei der LGIM-Experte überzeugt.
"Die weltweit steigende Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt legt den Schluss nahe, dass es bereits viel zu hohe Wirtschaftsaktivitäten gibt, die ineffizient sind und mit Schulden finanziert werden - was das zukünftige Wachstum abwürgt." Dazu könne es zum Problem werden, wenn in Folge anziehender Inflation die Zinsen abrupt steigen würden und viele Schulden nicht mehr bedient werden könnten. "In jedem Fall müssen die politischen Entscheidungsträger und Institutionen zunächst eine Reihe von Punkten klären, bevor Helikoptergeld überhaupt in einem Maße praktisch eingesetzt werden kann, bei dem dann auch tatsächlich eine Inflationswirkung erzielt wird", so Bennett.
So hätten die Wochen nach dem EU-Referendum der Briten gezeigt, dass der Währungskanal einer Volkswirtschaft bei weitem am empfindlichsten auf starke makroökonomische Impulse reagiere. Und deutliche Verschiebungen des Außenwertes einer Währung hätten wiederum gegenläufige Folgen für die politische und finanzielle Stabilität einer Volkswirtschaft. "In Japan beispielsweise würde der Einsatz von Helikoptergeld wahrscheinlich den Yen schwächen und damit die Exporte des Landes verbilligen", so Bennett. Das könne dann aber andere Länder wie etwa China dazu veranlassen, die eigene Währung ebenfalls abzuwerten und so eine Art Abwertungswettlauf zu starten.
"Um das zu verhindern, bräuchten wir eine global koordinierte Helikopter-Politik und das scheint - zumindest im Moment - sehr unwahrscheinlich", sage Bennett. "Helikoptergeld dürfte der wirklich letzte Versuch der Politik sein, die globalen strukturellen Probleme aufgrund zu hoher Verschuldung, Haushaltsdefizite, Deflation und des demografischen Wandels auf monetäre Weise zu lösen. Wird dabei verhindert, dass die spekulative Blase bei Staatsanleihen angestochen und zum Platzen gebracht wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass damit ganz einfach auch wieder nur ineffizient Schulden aufgebläht und die Vermögenspreise nach oben getrieben werden - was die wirtschaftliche Ungleichverteilung in der Welt nur noch größer macht." (13.10.2016/fc/a/m)
Immer häufiger würden Ökonomen und Politiker über den Einsatz von "Helikoptergeld" nachdenken, um die Inflation und in der Folge das Wirtschaftswachstum in Japan und in der Eurozone anzukurbeln. Angesichts von hohen Verschuldungsraten, Haushaltsdefiziten, Deflation, dem demografischen Wandel und ungelöster politischer Fragen dürften die Erfolgschancen dieses geldpolitischen Instruments eher gering sein. Zu dieser Einschätzung komme Ben Bennett, Head of Credit Strategy beim britischen Vermögensverwalters Legal & General Investment Management (LGIM) in seinem aktuellen Ausblick.
"Statt der Gefahr einer dauerhaften Stagnation sehen wir zunehmend die Gefahr einer dauerhaften Strangulierung der Märkte durch immer extremere Formen der Geld- und Fiskalpolitik", warne Bennett. "Dadurch wird sich die Schlinge nur noch fester zuziehen. Es wird daher keine Alternative zu zugegebenermaßen schwierigen Strukturreformen geben, die einhergehen werden mit hohen Schwankungen der Vermögenspreise."
Im Moment werde Helikoptergeld quasi nur monetär eingesetzt, indem die Notenbanken neues Geld drucken und dafür vor allem Staatsanleihen kaufen würden. "Das ist nichts anderes als eine weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahme ("Quantitative Easing"), wie wir sie nun schon seit Jahren erleben", erläutere Bennett. Im Unterschied dazu steige beim "echten" Helikoptergeld das Staatsdefizit, indem die Regierung zusätzliches Geld ausgebe bei dem Versuch, den Konsum anzukurbeln und die nationale Infrastruktur zu verbessern. "Selbst wenn dadurch wirklich Inflation erzeugt wird, werden die Auswirkungen alles andere als positiv sein", sei der LGIM-Experte überzeugt.
"Die weltweit steigende Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt legt den Schluss nahe, dass es bereits viel zu hohe Wirtschaftsaktivitäten gibt, die ineffizient sind und mit Schulden finanziert werden - was das zukünftige Wachstum abwürgt." Dazu könne es zum Problem werden, wenn in Folge anziehender Inflation die Zinsen abrupt steigen würden und viele Schulden nicht mehr bedient werden könnten. "In jedem Fall müssen die politischen Entscheidungsträger und Institutionen zunächst eine Reihe von Punkten klären, bevor Helikoptergeld überhaupt in einem Maße praktisch eingesetzt werden kann, bei dem dann auch tatsächlich eine Inflationswirkung erzielt wird", so Bennett.
So hätten die Wochen nach dem EU-Referendum der Briten gezeigt, dass der Währungskanal einer Volkswirtschaft bei weitem am empfindlichsten auf starke makroökonomische Impulse reagiere. Und deutliche Verschiebungen des Außenwertes einer Währung hätten wiederum gegenläufige Folgen für die politische und finanzielle Stabilität einer Volkswirtschaft. "In Japan beispielsweise würde der Einsatz von Helikoptergeld wahrscheinlich den Yen schwächen und damit die Exporte des Landes verbilligen", so Bennett. Das könne dann aber andere Länder wie etwa China dazu veranlassen, die eigene Währung ebenfalls abzuwerten und so eine Art Abwertungswettlauf zu starten.
"Um das zu verhindern, bräuchten wir eine global koordinierte Helikopter-Politik und das scheint - zumindest im Moment - sehr unwahrscheinlich", sage Bennett. "Helikoptergeld dürfte der wirklich letzte Versuch der Politik sein, die globalen strukturellen Probleme aufgrund zu hoher Verschuldung, Haushaltsdefizite, Deflation und des demografischen Wandels auf monetäre Weise zu lösen. Wird dabei verhindert, dass die spekulative Blase bei Staatsanleihen angestochen und zum Platzen gebracht wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass damit ganz einfach auch wieder nur ineffizient Schulden aufgebläht und die Vermögenspreise nach oben getrieben werden - was die wirtschaftliche Ungleichverteilung in der Welt nur noch größer macht." (13.10.2016/fc/a/m)


