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Zucker mit weiterem Aufwärtspotenzial
29.05.09 10:01
Rohstoff-Trader
Gerbrunn (aktiencheck.de AG) - Einen näheren Blick ist derzeit ganz sicher der Zuckermarkt wert, so die Experten vom "Rohstoff-Trader".
Nach dem herben Absturz der Notierungen zwischen August und November 2009 von 16 auf 11 US-Cents hätten sich die Kurse in den zurückliegenden Monaten ungeachtet des eher mäßigen Gesamtumfelds erkennbar erholt und würden zur Stunde im Bereich der Höchststände des vergangenen Jahres liegen. Damit stelle sich zum einen die Frage, wie es zu der von vielen Marktteilnehmern unbemerkten "Rally" gekommen sei und - noch wichtiger - ob Zucker auf dem momentanen Niveau noch weiteres Aufwärtspotenzial besitze.
Signifikanten Auftrieb hätten die Preise aufgrund der zunehmend angespannten Versorgungssituation erhalten. Für die laufende 2008/09er Saison habe die Internationale Zucker-Organisation kürzlich einen Nachfrageüberhang von stattlichen 7,8 Millionen Tonnen prognostiziert. Das US-Landwirtschaftsministerium rechne sogar mit einem primären Angebotsdefizit in Höhe von 9,1 Millionen Tonnen. Treffe diese Vorhersage zu, würden die Endbestände von vormals 41,1 auf 32 Millionen Tonnen und das Ending Stock to Use Ratio von 25 auf 20 Prozent fallen.
Für das kommende Wirtschaftsjahr sei man da schon wesentlich optimistischer. Dennoch herrscht unter den Experten weitgehende Einigkeit, dass das primäre Angebotsdefizit uns auch 2009/10 erhalten bleibt so die Experten vom "Rohstoff-Trader". Lediglich im Hinblick auf die genaue Höhe gebe es unterschiedliche Auffassungen. So erwarte die Internationale Zucker-Organisation ein Defizit von 4,75 Millionen Tonnen und das amerikanische Landwirtschaftsministerium ein solches von 0,8 Millionen Tonnen.
Tatsache sei allerdings, dass selbst die tendenziell günstige Vorhersage aus den Vereinigten Staaten zu weiter schwindenden Endbestände und einem nochmals rückläufigen Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch auf 31,2 Prozent führe. Dies sei der geringste Wert der letzten 16 Jahre. Angesichts dieser Zahlen sei die gesehene Verteuerung bei dem beliebten Süßstoff nur folgerichtig gewesen.
In erster Linie verantwortlich für die Situation sei die Lage in Indien. Der zweitgrößte Produzent und weltweit größte Verbraucher habe gegenwärtig mit erheblichen Ernteausfällen zu kämpfen. Im schlimmsten Fall könnte sich der Produktionsrückgang auf 45 Prozent belaufen. Der Gesamt-Output würde dann nur noch bei vergleichsweise mageren 14,5 Millionen Tonnen liegen. In der nächsten Saison werde die Erzeugung aller Voraussicht nach zwar wieder zunehmen. In Indien sei jedoch ein Trend zu beobachten, dass viele Bauern statt Zucker lieber andere Agrar-Produkte anbauen würden, die höhere Renditen versprechen würden. Nicht zuletzt deshalb prophezeie man für den Subkontinent 2009/10 einen Rückgang der Anbaufläche um 70.000 auf nur noch 2,14 Millionen Hektar.
Letztlich sei nicht auszuschließen, dass Indien Zucker am Weltmarkt zukaufen müsse und befinde sich damit in guter Gesellschaft mit China. Aus dem "Reich der Mitte" seien zuletzt ebenfalls bedeutende Käufe zu sehen gewesen. Von der Nachfrageseite aus sollten die Kurse somit eine solide Unterstützung erfahren.
Gleiches gelte für den Faktor "Ethanol". Die derzeit wieder anziehenden Öl- und Benzinpreise dürften dafür Sorge tragen, dass der "Sprit vom Acker" sich wieder steigender Beliebtheit erfreue. Zu dem von einigen Experten gebetsmühlenartig prognostizierten Megaboom werde es nach Ansicht der Experten zwar nicht kommen. Aber ein zumindest moderates Wachstum sei durchaus wahrscheinlich. Das US-Landwirtschaftsministerium sehe in Brasilien für das kommende Wirtschaftsjahr einen Anstieg der Ethanol-Produktion auf 28,4 Milliarden Liter. Damit werde die voraussichtlich einprozentige Produktionsausweitung vollständig kompensiert. Mit einer "Zuckerschwemme" aus dem südamerikanischen Staat sei demzufolge nicht zu rechnen.
Alles in allem lasse sich somit zusammenfassen, dass die Fundamentals für Zucker bemerkenswert "bullisch" seien. Auf der anderen Seite sollte aber auch bedacht werden, dass ein Großteil der Situation in den aktuellen Notierungen bereits enthalten sei. Vor diesem Hintergrund habe Zucker aus fundamentaler Sicht sicherlich weiteres Aufwärtspotenzial, welches sich aber insgesamt in einem überschaubaren Rahmen bewegen dürfte.
Charttechnisch präsentiere sich der Zuckermarkt nach den signifikanten Kurszuwächsen naturgemäß recht stark. Seit November 2008 bestehe ein solider Aufwärtstrend, der unverändert intakt sei. Zudem bewege sich der Future erkennbar über seiner 18-Tage-Linie und der RSI befinde sich ungeachtet zuletzt leichter Rückgänge nach wie vor komfortabel über 50 und damit im "bullischen" Terrain. Allerdings wollen die Experten vom "Rohstoff-Trader" nicht verhehlen, dass es auch Argumente für ein Ende der "Rally" gibt. Nachdem vor einigen Tagen ein neues Kontrakthoch erreicht worden sei, seien die Notierungen wieder etwas zurückgekommen. Oder anders ausgedrückt: Der außerordentlich zähe Widerstand bei 16 US-Cents habe bislang nicht überwunden werden können.
Im Zusammenhang mit den erwähnten Rücksetzern habe die Stochastik auf "verkaufen" gedreht und auch der MACD stehe kurz davor ein Verkaufssignal zu generieren. Die Experten könnten daher nicht guten Gewissens zum Aufbau von Long-Positionen raten, da eine nicht zu unterschätzende Wahrscheinlichkeit bestehe, dass den "Bullen" im Bereich von 16 US-Cents die "Puste" ausgehe. Prozyklische Long-Engagements sollten erst im Anschluss an ein nachhaltiges Überwinden der Marke eingegangen werden. Ob es dazu wirklich komme, müsse abgewartet werden. Werde die zentrale Unterstützung bei 15 US-Cents unterschritten, könnten Anleger sogar spekulative Short-Positionen in Betracht ziehen. (29.05.2009/ac/a/m)
Nach dem herben Absturz der Notierungen zwischen August und November 2009 von 16 auf 11 US-Cents hätten sich die Kurse in den zurückliegenden Monaten ungeachtet des eher mäßigen Gesamtumfelds erkennbar erholt und würden zur Stunde im Bereich der Höchststände des vergangenen Jahres liegen. Damit stelle sich zum einen die Frage, wie es zu der von vielen Marktteilnehmern unbemerkten "Rally" gekommen sei und - noch wichtiger - ob Zucker auf dem momentanen Niveau noch weiteres Aufwärtspotenzial besitze.
Signifikanten Auftrieb hätten die Preise aufgrund der zunehmend angespannten Versorgungssituation erhalten. Für die laufende 2008/09er Saison habe die Internationale Zucker-Organisation kürzlich einen Nachfrageüberhang von stattlichen 7,8 Millionen Tonnen prognostiziert. Das US-Landwirtschaftsministerium rechne sogar mit einem primären Angebotsdefizit in Höhe von 9,1 Millionen Tonnen. Treffe diese Vorhersage zu, würden die Endbestände von vormals 41,1 auf 32 Millionen Tonnen und das Ending Stock to Use Ratio von 25 auf 20 Prozent fallen.
Für das kommende Wirtschaftsjahr sei man da schon wesentlich optimistischer. Dennoch herrscht unter den Experten weitgehende Einigkeit, dass das primäre Angebotsdefizit uns auch 2009/10 erhalten bleibt so die Experten vom "Rohstoff-Trader". Lediglich im Hinblick auf die genaue Höhe gebe es unterschiedliche Auffassungen. So erwarte die Internationale Zucker-Organisation ein Defizit von 4,75 Millionen Tonnen und das amerikanische Landwirtschaftsministerium ein solches von 0,8 Millionen Tonnen.
Tatsache sei allerdings, dass selbst die tendenziell günstige Vorhersage aus den Vereinigten Staaten zu weiter schwindenden Endbestände und einem nochmals rückläufigen Verhältnis zwischen Vorräten und Verbrauch auf 31,2 Prozent führe. Dies sei der geringste Wert der letzten 16 Jahre. Angesichts dieser Zahlen sei die gesehene Verteuerung bei dem beliebten Süßstoff nur folgerichtig gewesen.
Letztlich sei nicht auszuschließen, dass Indien Zucker am Weltmarkt zukaufen müsse und befinde sich damit in guter Gesellschaft mit China. Aus dem "Reich der Mitte" seien zuletzt ebenfalls bedeutende Käufe zu sehen gewesen. Von der Nachfrageseite aus sollten die Kurse somit eine solide Unterstützung erfahren.
Gleiches gelte für den Faktor "Ethanol". Die derzeit wieder anziehenden Öl- und Benzinpreise dürften dafür Sorge tragen, dass der "Sprit vom Acker" sich wieder steigender Beliebtheit erfreue. Zu dem von einigen Experten gebetsmühlenartig prognostizierten Megaboom werde es nach Ansicht der Experten zwar nicht kommen. Aber ein zumindest moderates Wachstum sei durchaus wahrscheinlich. Das US-Landwirtschaftsministerium sehe in Brasilien für das kommende Wirtschaftsjahr einen Anstieg der Ethanol-Produktion auf 28,4 Milliarden Liter. Damit werde die voraussichtlich einprozentige Produktionsausweitung vollständig kompensiert. Mit einer "Zuckerschwemme" aus dem südamerikanischen Staat sei demzufolge nicht zu rechnen.
Alles in allem lasse sich somit zusammenfassen, dass die Fundamentals für Zucker bemerkenswert "bullisch" seien. Auf der anderen Seite sollte aber auch bedacht werden, dass ein Großteil der Situation in den aktuellen Notierungen bereits enthalten sei. Vor diesem Hintergrund habe Zucker aus fundamentaler Sicht sicherlich weiteres Aufwärtspotenzial, welches sich aber insgesamt in einem überschaubaren Rahmen bewegen dürfte.
Charttechnisch präsentiere sich der Zuckermarkt nach den signifikanten Kurszuwächsen naturgemäß recht stark. Seit November 2008 bestehe ein solider Aufwärtstrend, der unverändert intakt sei. Zudem bewege sich der Future erkennbar über seiner 18-Tage-Linie und der RSI befinde sich ungeachtet zuletzt leichter Rückgänge nach wie vor komfortabel über 50 und damit im "bullischen" Terrain. Allerdings wollen die Experten vom "Rohstoff-Trader" nicht verhehlen, dass es auch Argumente für ein Ende der "Rally" gibt. Nachdem vor einigen Tagen ein neues Kontrakthoch erreicht worden sei, seien die Notierungen wieder etwas zurückgekommen. Oder anders ausgedrückt: Der außerordentlich zähe Widerstand bei 16 US-Cents habe bislang nicht überwunden werden können.
Im Zusammenhang mit den erwähnten Rücksetzern habe die Stochastik auf "verkaufen" gedreht und auch der MACD stehe kurz davor ein Verkaufssignal zu generieren. Die Experten könnten daher nicht guten Gewissens zum Aufbau von Long-Positionen raten, da eine nicht zu unterschätzende Wahrscheinlichkeit bestehe, dass den "Bullen" im Bereich von 16 US-Cents die "Puste" ausgehe. Prozyklische Long-Engagements sollten erst im Anschluss an ein nachhaltiges Überwinden der Marke eingegangen werden. Ob es dazu wirklich komme, müsse abgewartet werden. Werde die zentrale Unterstützung bei 15 US-Cents unterschritten, könnten Anleger sogar spekulative Short-Positionen in Betracht ziehen. (29.05.2009/ac/a/m)


