Die Portale fordern zudem von ihren Mitgliedern zumindest einen Gewerbeschein bei der Anmeldung, um Schwarzarbeit unter Nutzern zu erschweren. "Zudem lassen wir unsere Handwerker eine Qualitätsvereinbarung unterschreiben, die sie verpflichtet, ihre Arbeit sauber und pünktlich abzuliefern", sagt Jörg Holtmann, Mitgründer des Anbieters Quotatis. Und Minah von Blauarbeit ergänzt: "Wir bitten unsere Handwerker, möglichst viele Zertifikate wie einen Meisterbrief einzuschicken, damit unsere Kunden sich leichter für einen Anbieter entscheiden können."
Einige Börsen bieten ihren Kunden einen zusätzlichen Service als Entscheidungshilfe an. Blauarbeit errechnet aus den Nutzerkommentaren und den Qualifikationen des Handwerkers einen Qualitätsindex der Dienstleister. Jobdoo hingegen schließt jeden Handwerker aus, der drei schlechte Bewertungen erhalten hat. Insgesamt berichten alle Onlinebörsen jedoch, dass ihre Kunden zu über 90 Prozent zufrieden mit den erbrachten Dienstleistungen sind.
Ein Milliardenmarkt Der Markt für die Onlinebörsen ist groß, greifen sie doch auf die bundesweit zu vergebenen Handwerksarbeiten zurück. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des statistischen Bundesamtes 456 Milliarden Euro mit Handwerksleistungen umgesetzt. 923 000 Betriebe arbeiteten bundesweit 2005 in der Branche. Und es werden immer mehr. So kamen zwischen 2003 und 2005 allein rund 80 000 Betriebe hinzu. "Seitdem in vielen Branchen ein Meisterbrief nicht mehr Voraussetzung ist, um eine Firma zu eröffnen, steigt die Zahl der kleinen Handwerksbetriebe deutlich an", so der Sprecher der Handwerkskammer Hamburg, Peter Haas. "Und gerade diese Betriebe sind es vielfach, die ihre Dienstleistungen online anbieten, um in der Branche Fuß zu fassen und Aufträge zu bekommen."
Kritik an den Börsen Die Handwerkskammer steht den Onlinebörsen bereits seit Jahren skeptisch gegenüber. "Es kann nicht richtig sein, dass hier ein Preiswettbewerb statt eines Qualitätswettbewerbs veranstaltet wird", so Haas. "Da können gerade die kleinen Handwerker nur verlieren." Zudem fehle eine richtige Gewährleistung für den Kunden. "Schließlich kann man einer fehlerhaften Arbeit nur mit einer Quittung nachgehen."
Dennoch sei es nur verständlich, dass auch in dieser Branche die Geiz-ist-geil-Mentalität Einzug halte. "Die Leute wollen sparen, auch bei den Handwerksleistungen", so Haas. Er glaube, dass in Zukunft die Börsen parallel zum persönlichen Kontakt zwischen Handwerker und Kunde existieren werden. "Denn es gibt Kunden, die nur auf den Preis schauen und welche die Qualitätsarbeit vorziehen."
Die Börsen weisen die Kritik der Kammer zurück. "Viele Handwerker schließen durch unsere Aufträge Lücken in ihren Auftragsbüchern", sagt Holtmann von Quotatis. "Oftmals springt für die Handwerker bei ordentlich abgelieferter Arbeit auch ein Folgeauftrag heraus." My-Hammer meint sogar, mit seinen Angeboten Schwarzarbeit zu bekämpfen. "Bevor ein Handwerker keinen Auftrag hat oder schwarz arbeitet, nimmt er lieber einen unserer günstigen Aufträge an", sagt Sprecherin Nowak.
Gelassen reagiert deshalb auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) auf den Zuspruch für die Onlinebörsen. "Viele Dinge sind heute ohne Internet einfach nicht mehr möglich", sagt Alexander Legowski, Sprecher des ZDH. "Und so ist es eine ganz normale Entwicklung, dass auch die Handwerkerarbeiten über das Netz vermittelt werden." Der Verband habe bereits vor Jahren auf die möglichen Gefahren hingewiesen. "Wir sind der Meinung, dass größere Arbeiten nicht über diese Börsen vergeben werden sollten", so Legowski. "Aber bei kleineren Maleraufträgen muss doch jeder selbst entscheiden, wo und wie er seinen Handwerker wählt."
Trotz aller Kritik hat die Kammer reagiert und eine eigene Handwerkersuchmaschine auf ihre Homepage gestellt. "Immer mehr Menschen wollen auch diese Geschäfte über das Internet abwickeln", so Haas. Unter www.handwerktest.de können interessierte Hamburger sich über 14 000 Betriebe vor Ort informieren. "Aufträge werden hier aber nicht vergeben, die Seite dient nur der Information."
erschienen am 30. September 2006
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