Jesus Christus heilt bei seinem Exorzismus vornehmlich meist gleichzeitig Krankheiten, die bei den betroffenen Menschen infolge der Besessenheit auftraten. Besonders das Markusevangelium (Mk) schildert eindrücklich solche Exorzismen. Es lässt Jesu öffentliches Wirken in Mk 1,23–39 EU mit einem Exorzismus beginnen: „Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.” Weiter wird berichtet, wie Jesus einem Besessenen den Dämon bzw. die Dämonen Legion austreibt (Mk 5,1–20 EU). Auch Jesu Apostel erhalten die Macht, Dämonen auszutreiben (Mk 3,15 EU).
Von Seiten der modernen Bibelkritik wird die Existenz von Dämonen und damit die diesbezüglichen neutestamentlichen Zeugnisse abgelehnt mit der Erklärung, dass der damaligen Zeit heutige Kenntnisse über psychische Krankheiten fehlten und solche somit irrigerweise als dämonische Besessenheiten bezeichnet worden seien, so zum Beispiel Rudolf Bultmann: „Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben“.[9] Laut Kritikern sei dies nicht haltbar, da das Neue Testament sauber zwischen dämonisch und nicht dämonisch bedingten Krankheiten unterscheide: An verschiedenen Stellen über die Tätigkeit Jesu (zum Beispiel Mt 4,24 EU und Mk 1,34 EU) werden Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen nicht als Synonym verwendet, sondern getrennt genannt. Es finden sich viele neutestamentliche Texte über Krankheit und Krankenheilungen, denen jeglicher Bezug auf eine okkulte Belastung fehlt: So wird in Jak 5,14 EU für einen Krankheitsfall zu Salbung und Gebet durch die Ältesten und nicht zu einem Exorzismus aufgerufen; ein anderes Beispiel ist unter anderen der Bericht über die Heilung der blutflüssigen Frau (Mt 9,20–22 EU, Mk 5,25–34 EU, Lk 8,43–48 EU), der keine dämonische Einwirkung erwähnt, so dass von einer natürlichen Krankheit auszugehen sei. Die Glaubensgemeinschaft der Christadelphians, die nicht an die Existenz böser Geistwesen glaubt, vertritt ebenfalls die Ansicht, mit dem Begriff „Dämonen“ und „Besessenheit“ seien in der Bibel vor allem Krankheiten psychischer Art bezeichnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Exorzismus
Exorzismus im Film[Bearbeiten]
Angestoßen durch ein Buch Herbert Haags 1969[25] und eine Rede Papst Pauls VI.,[26] waren die Themen Teufelsglaube und Okkultismus Anfang der 1970er-Jahre in Deutschland auch medial sehr präsent.[27] Mit dem Erscheinen des Films „Der Exorzist“ in den amerikanischen Kinos 1973, der bei den Zuschauern Massenhysterien, Übelkeitsanfälle, Herzanfälle und sogar Fehlgeburten auslöste,[28] wurde außerdem das Thema Exorzismus wieder in die öffentliche Debatte gebracht. In den USA hatte dieser Film einen signifikanten Anstieg von geleisteten Exorzismen zur Folge.[29] Etwa zeitgleich zum Kinostart in Deutschland verteidigte der Vatikan in einer ausführlichen zweiteiligen Studie im Osservatore Romano[30] die Lehre vom Teufel, so dass die katholischen Geistlichen angehalten waren, auf die nun im deutschen Sprachraum signifikant ansteigenden Exorzismusanfragen nicht abweisend zu reagieren.
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