http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,742532,00.html
Die Elite streitet um die letzten Plätze in Privatfliegern, Milizen bewaffnen sich, Krankenhäuser schalten auf Notstandsbetrieb: Kairo gleicht einer Stadt kurz vor einem Krieg. Das Regime versucht krampfhaft, die Erosion seiner Macht zu stoppen - doch die Welle des Protests schwillt an.
Terminal 4 des Flughafens Kairo ist ein sehr gepflegter Startpunkt für eine Reise. Fernab des normalen Betriebs auf dem Airport für Linien-Jets liegt der mit Marmor ausgekleidete Flachbau. Die Vorfahrt gleicht einem Nobel-Hotel, mit dem Taxi kommt hier niemand an. An normalen Tagen sieht man hier wenige Fluggäste. Nur wer sich einen sündhaft teuren Privat-Jet leisten kann oder ihn mietet, checkt hier ein. Vom Terminal geht es dann bequem per Limousine zu den weißen Mini-Fliegern und hinaus in die weite Welt.
Am Sonntag ist die Lage vor dem VIP-Terminal chaotisch. Dutzende Geschäftsleute, Frauen mit Kindern an der Hand und teuren Lederkoffern stehen vor der Tür. Allmählich, es ist kurz vor der verhängten Ausgangssperre, verliert die ägyptische Oberschicht ihre lässige Contenance. Jeder hier, sagt eine Frau, wolle nur noch weg. Raus aus Kairo. Raus aus Ägypten. Zumindest, bis die Krise vorbei ist. Der Jet-Parkplatz ist dementsprechend voll. In der Abendsonne glänzen die polierten Flugzeuge, der ersehnte Ausweg aus dem Chaos von Kairo. |