von Michael Schmidt-Salomon.
In der Einleitung findet sich der provokante, aber leider richtige Gedanke, dass Hitler und Stalin sich nicht aus freiem Willen für das Böse entschieden hatten, sondern dass sie letztendlich nur tun konnten, was sie tragischerweise aufgrund ihrer jeweiligen Lebenserfahrungen tun mussten. Immer wenn der Autor diesen Gedanken vor Publikum äußerte, erhielt er reichlich Häme, selbst von Philosophen. Wie könnte er es wagen, dass diese Bestien moralisch entschuldigt würden?
Natürlich hat Schmidt-Salomon recht. Für Hitler war der Jude das Böse schlechthin, nicht das, was er in "Mein Kampf" als sein Denken vorstellte.
Böse handeln kann nur jemand, dem Willensfreiheit unterstellt wird. Nur wer sich aus freiem Willen auch für das Gute hätte entscheiden können, hat sich, wenn er aus Sicht eines anderen Menschen (oder einer anderen Nation, Glaubensgemeinschaft) sich falsch entschieden hat, für das Böse entschieden. Dieses Gut-Böse Urteil wird aber nicht vom Handelnden gefällt, sondern nur von einem direkt oder indirekt Beteiligten, der allerdings durch das böse Handeln in irgendeiner Weise betroffen ist oder sich zumindest betroffen fühlt.
Ich habe erst das erste Oberkapitel geschafft und kann dieses Buch bisher nur empfehlen. Das Buch ist kein Pamphlet. Der Autor versucht alle seine Ausführungen mit Ergebnissen der Wissenschaften (bisher vor allem der Biologie und der Hirnforschung) zu begründen. Das macht seine Argumentation für mich nur schwer angreifbar. Dabei sind seine Erkenntnisse ziemlich ungeheurlich.
Sehr anregend und aufrüttelnd....
http://www.amazon.de/Jenseits-von-Gut-Böse-besseren/dp/3866122128
----------- Wer auf einen fahrenden Zug springt, ist im wirklichen Leben wagemutig, an der Börse risikoscheu. |