"Rasse" heute überhaupt keine haltbare Bedeutung mehr hat, wird der Begriff "Rassismus" nicht mehr auf "Herkunftsmerkmale" beschränkt, sondern schlicht darauf, dass einem sehr allgemeinen, abstrakten (Menschen-)Gruppenmerkmal wie Religionszugehörigkeit (etwa "Sunniten") oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe sehr konkrete, negative, bedrohliche Eigenschaften zugeschrieben werden, zum Zwecke der Herabwürdigung aller einzelnen Mitglieder der Gesamtgruppe ohne irgendwelche individuellen Unterschiede gelten zu lassen. In der Regel zur Rechtfertigung aggressiver Abwehr.
Zeiten und Wissensstände ändern sich und damit die Begriffsbedeutungen. Eine der heute am häufigsten herangezogenen Definitionen des Begriffs stammt von dem hier:
"«Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.» (Albert Memmi, 1992: Rassismus. Frankfurt a.M., S. 164)
Da kann man jetzt dran rummäkeln und sich winden, um mal eine gemachte Aussage irgendwie halten zu können. Aber nach der Definition - und die darf man ohne weiteres für sich in Anspruch nehmen, auch als Zeitung - kann man die Äußerungen der Tante als "rassistisch" bezeichnen.
Aber wie gesagt: Es geht eigentlich gar nicht um "Wortbedeutungsrabulistik", sondern darum, ob diese Frau pauschal gegen Menschen einer bestimmten Religion rumgehetzt hat. Selbst wenn man nun aufgrund persönlicher Eigendefinitionen von "Rassismus" absehen will, dann bleibt es doch wohl immer noch Hetze. ----------- Ein Beitrag zur Friedensstiftung und ein leuchtendes Beispiel ueberschwaenglicher Willkommenskultur! |