11.11.2002 09:30 Rot-Grün Renten-Streit schwelt weiter In der rot-grünen Koalition versuchen beide Seiten, eine Mehrheit für die Bundestagsabstimmung am kommenden Freitag über die umstrittene Rentenbeitragserhöhung auf 19,5 Prozent herbeizureden.
SPD-Generalsekretär Olaf Scholz rechnet trotz der Kritik aus den Reihen der Grünen mit einer rot-grünen Mehrheit bei der Renten-Abstimmung am kommenden Freitag im Bundestag. „Das ist jetzt alles große Aufregung. Wenn man aber richtig hinschaut, sieht man, dass es klappen wird“, sagte Scholz im ZDF-Morgenmagazin.
Es sei berechtigt, dass sich Abgeordnete von SPD und Grünen „in einer schwierigen Zeit schwierige Gedanken machen.“ Damit könne man aber gut umgehen.
Auch die Grünen bemühen sich um Schadensbegrenzung. So rechnet auch der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, trotz des Widerstands mehrerer Abgeordneter mit einer Zustimmung seiner Fraktion. Die Erhöhung des Rentenbeitrags auf 19,5 Prozent müsse als „Notoperation“ jetzt vollzogen werden, um die Rentenkasse im nächten Jahr sauber zu finanzieren, sagte Beck ebenfalls im Morgenmagazin.
Beck: „Erhöhung darf nur vorübergehend gelten“
Die geplante Erhöhung dürfe jedoch nur vorläufig gelten, fügte Beck hinzu. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und im Sinne der Generationengerechtigkeit sei dies auf lange Sicht nicht der richtige Weg.
Die Grünen bräuchten daher „ein klares Signal“, dass die Koalition sich verbindlich vornehme, den Beitragsatz wieder zu senken, sagte Beck. Dann könnten auch die Kritiker in der Grünen-Fraktion dem Gesetz erst einmal zustimmen. Beide Partner müssten letztendlich zu den Ergebnissen der Koaltionsvereinbarung stehen, in der lediglich eine Beitragssatz-Erhöhung auf 19,3 Prozent vorgesehen war.
Westerwelle: "Rot-grüne Rentenpolitik führt in Teufelskreis"
FDP-Chef Guido Westerwelle hat die geplante Anhebung der Rentenbeitragssätze als katastrophales Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland kritisiert. Damit bewege sich Rot-Grün in einem Teufelskreis, sagte Westerwelle nach der Präsidiumssitzung seiner Partei. Durch eine Erhöhung der Rentenbeiträge würden die Lohnzusatzkosten und damit die Arbeitslosigkeit steigen. Vor allem der Mittelstand werde überproportional belastet.
Westerwelle warf der rot-grünen Koalition vor, das Rentensystem zerschlagen zu wollen. Heftig kritisierte er auch das geplante Absenken der Schwankungsreserve, dem so genannten Notgroschen der Rentner. Damit werde die Axt an das Rentensystem gelegt, sagte er.
Westerwelle forderte stattdessen eine Diskussion über das Rentenstruktursystem. Es komme vor allem auf einen früheren Berufseintritt an, unterstrich er. Könne erreicht werden, dass die junge Generation ein Jahr früher einen Beruf aufnehme, könnte der Beitragssatz um 1,5 Prozentpunkte gesenkt werden.
Als Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit schlug der FDP-Chef die Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren, eine Reform der Ausbildungssysteme und kürzere Studienzeiten vor.
(sueddeutsche.de/AP/dpa)
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