Brandstetter gehört zu der dünn gesäten Zunft solcher profund Gelehrter, die nicht lediglich ÜBER Literatur schreiben, sondern selbst in der beneidenswerten Lage sind, ebensolche zu verfassen. Persönlich will mir da bereits der Titel seiner Habilschrift [Alois Brandstetter: Prosaauflösung. Studien zur Rezeption der höfischen Epik im frühneuhochdeutschen Prosaroman. Athenäum, Frankfurt am Main 1971.] programmatisch erscheinen. Weitere Protagonisten auf diesem Feld sind natürlich Umberto Eco & Tolkien ( https://de.wikipedia.org/wiki/Sir_Gawain_and_the_Green_Knight )
Wer also an Brückenschlägen zwischen Akademischem & Prosaischem genauso interessiert ist wie an solchen zwischen Mittelalter & Neuzeit, der kommt an Werken wie "Die Abtei", "Zu Lasten der Briefträger" und ganz besonders "Die Burg" nicht vorbei.
Ganz nebenbei kann man (besonders in "Zu Lasten der Briefträger") überall seine Lateinkenntnisse auffrischen (Der verhinderte, oder gerade deshalb so eingängige Philosoph Deuth: "Und so weiter und so fort, über zweihundert Seiten, wird geschimpft oder eigentlich nur erzählt, in feinster, schöner Sprachen mit vielen lateinischen Brocken, die Mißstände aufgezählt, die damals, 1974, sicher eine Farce und eine Übertreibung waren, aber in Zeiten, wie diesen, wo wir vor einer Wahlwiederholung stehen, weil da zu früh, zu spät oder mit nicht ordentlicher Besetzung höchstwahrscheinlich ohnehin richtig ausgezählt wurde oder man sich seine Pakete inzwischen nicht mehr von der Post, sondern vom nächsten Schneider oder „Kleintierprofi“ abholen kann, weil die Post inzwischen längst privatisiert wurde und ihre einstmals unkündbaren Beamten zu Hort- oder Heimerzieher umgeschult, beziehungsweise gleich in Frühpension geschickt hat, kann man sich darüber wundern, lachen, schmunzeln, ärgern, staunen, etcetera." https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/07/...er-brieftraeger/ ).
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